Bürgerrechtler kriti­sieren Amazon wegen Gesichts­erkennungs-Software

23. Mai 2018, 12:35
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Die Amazon-Software "Rekognition" kann in Echtzeit Bilder erkennen, sei es von Fotos oder auch von Videoübertragungen.

Die Amazon-Software "Rekognition" kann in Echtzeit Bilder erkennen, sei es von Fotos oder auch von Videoübertragungen. Damit eignet sie sich unter anderem für den Einsatz durch Strafverfogungsbehörden, wie dies in den USA bereits der Fall ist. Doch nun fordern amerikanische Bürgerrechtler, dass diese Überwachung eingestellt wird.
Laut Angaben von Amazon kann die Cloud-basierte Software bis zu 100 Gesichter in einem Bild einer Menschenmenge erkennen und diese mit Datenbanken abgleichen. Als Use Case nannte Amazon bei der Präsentation von Rekognition Strafverfolgungsbehörden, wie Ars Technica' schreibt. Und unter anderem die Orlando Police oder das Washington County Sheriff's Office in Oregon gehören zu Kunden der Geischtserkennungssoftware, wie Dokumente der American Civil Liberties Union (ACLU) zeigen. Das Washington County etwa verfüge über eine von Rekognition indexierte Datenbank mit über 300'000 Mugshots – Fotos die bei Festnahmen gemacht wurden. Über eine App könnten Polizisten weitere, beliebige Fotos zur Datenbank hinzufügen.
Dies sei "zutiefst beunruhigend", findet die
die Bürgerrechtsunion ACLU. Mit Rekognition könne eine Regierung ein System zur automatisierten Identifizierung und Verfolgung von Personen aufbauen. "Würden beispielsweise die Body Cams von Polizisten mit der Gesichtserkennungstechnologie ausgestattet, würden sich die Geräte, die eigentlich Transparenz und Rechenschaftspflicht versprechen, in Überwachungsmaschinen verwandeln", heisst es weiter.
Nicht nur die ACLU sondern rund zwei Dutzend weitere Bürgerrechtsorganisationen fordern den Amazon-CEO Jeff Bezos und sein Unternehmen auf, die Software nicht mehr an Behörden zu verkaufen. Die Polizei könnte feststellen, wer an Protesten teilnimmt, Einwanderer kontinuierlich überwachen oder routinemässig Bewohner verfolgen, so die Kritik.
Amazon verlange, dass sich Kunden an das geltende Recht halten, so das Statement des US-Konzerns gegenüber 'Ars Technica'. Verletze ein Kunde Gesetze, würde man ihm das Recht entziehen, die Amazon-Dienste zu nutzen. Die Technologie könne vielfältig angewendet werden: Etwa um entführte Personen zu finden, Vergnügungsparks benutzen Rekognition, um verlorene Kinder wiederzufinden, und während der königlichen Hochzeit vergangenes Wochenende sei Rekognition von einem TV-Sender eingesetzt worden, um Besucher zu identifizieren.
Es gebe immer die Gefahr, dass neue Technologien missbraucht würden. "Stellen Sie sich aber vor, Kunden könnten keinen Computer kaufen, weil es möglich wäre, diesen Computer für illegale Zwecke zu nutzen," so Amazon weiter.
Von Seiten des Orlando Police Department heisst es, beim Rekognition-Einsatz handle es sich um ein Pilotprojekt. Man sei immer auf der Suche nach neuen Technologien und innovativen Unternehmen, mit denen man den Mitarbeitenden die besten Tools für ihre Arbeit zur Verfügung stellen könne. Bis anhin hätte man Rekognition erst mit einer "handvoll" Polizisten getestet, die sich freiwillig am Projekt beteiligt hätten und die Software habe zudem auf lediglich acht stadteigene Kameras Zugriff. (kjo)

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