Bund lagert Verwaltung von iPhones und iPads aus

27. November 2013, 11:59
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Abraxas übernimmt für den Bund das Mobile Device Management. Künftig könnten auch Android-Geräte eingesetzt werden.

Abraxas übernimmt für den Bund das Mobile Device Management. Künftig könnten auch Android-Geräte eingesetzt werden.
In der Bundesverwaltung sind heute mehrere tausende Smartphones und Tablets im Einsatz - vorwiegend von Apple. Um all diese Geräte effizient zu verwalten, hat sich der Bund bereits vor einiger Zeit entschieden, ein neues System für das Mobile Device Management (MDM) einzuführen. MDM war bisher Sache der bundesinternen IT-Dienstleister. Nun werden diese Dienstleistungen an einen externen IT-Partner ausgelagert: Abraxas.
Am vergangenen Freitag hat das Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) einen rund 38 Millionen Franken schweren Zuschlag an Abraxas Informatik in St. Gallen vergeben. Der IT-Dienstleister, der den Kantonen Zürich und St. Gallen gehört, konnte sich in einem offenen WTO-Verfahren durchsetzen. Abraxas soll ein MDM-System auf einer Serverplattform der Bundesverwaltung aufbauen und betreiben. Die Beschaffung betrifft alle Departemente einschliesslich der Bundeskanzlei. Einzig das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat einen eigenen Fahrplan. Es plant, seine Geräte erst später in das neu aufgebaute MDM-System zu migrieren. Es habe sich dazu eine Frist von zwei Jahren nach Inbetriebnahme des MDM-Systems gegeben, heisst es bei dem für Beschaffungen zuständigen Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) auf Anfrage.
iPhones, iPads und vielleicht auch Android
Gemäss dem Grundauftrag soll Abraxas anfänglich für die 6'000 bestehenden Geräte der Bundesverwaltung ein System zur Sicherung und Verwaltung von mobilen Endgeräten inklusive Bau und Wartung desselben entwickeln. 99 Prozent dieser Geräte sind iPhones oder iPads. Der Rest sind wenige alte HTC-Geräte mit Windows Phone 6.5.
Hinzu kommen acht Optionen, die der Bund bei Abraxas beziehen kann, aber nicht muss: Dazu gehören der Bau eines "Corporate App Store" sowie ein Angebot für zusätzlich 10'000 zu verwaltende Geräte. Abraxas ist unter anderem für das Beheben von Störungen (2nd-Level-Support), Inbetriebnahme neuer Geräte, Änderungen von Zugriffsrechten oder Reparaturen von defekten Geräten zuständig. Die Benutzer werden weiterhin zuerst von bundesinternen Service-Zentren betreut (1st-Level-Support). Der Grundauftrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Danach kann der Vertrag entweder um weitere zwei Jahre auf sieben Jahre verlängert werden oder der Bund kauft das MDM-System für ein In-Sourcing der MDM-Prozesse.
Für eine dieser acht Optionen - Verkauf, Lieferung von Smartphones und Tablets - läuft zurzeit noch eine parallele Ausschreibung: Offeriert wurden bis anhin Geräte von Apple und Samsung. Samsung-Geräte mit Android gab es beim Bund bisher noch nicht. Bei welchem Anbieter diese Option bezogen wird, ist noch nicht entschieden.
Trendthemen MDM und BYOD
Für den Auftrag, der nun an Abraxas ging, hatten sich mehrere IT-Dienstleister interessiert. Der Bund hatte die Ausschreibung am 24. April 2013 publiziert - die Offerten hätten bis zum 3. Juni eingereicht werden sollen, doch die Frist wurde verlängert, weil "das Interesse an der Ausschreibung hoch war und ein ziemlich komplexer Beschaffungsgegenstand vorliegt", so das BBL. Um eine zusätzliche Fragerunde zu ermöglichen, wurde die Frist für die Einreichung der Angebote um drei Wochen auf den 24. Juni 2013 verlängert. Insgesamt hätten 62 Firmen oder Personen die Ausschreibungsunterlagen angefordert und es wurden rund 70 Fragen gestellt.
MDM ist derzeit ein grosses Thema in Firmen und Verwaltungen. Der Trend, private Geräte in die Unternehmens-IT zu integrieren ("bring your own device") erfordert eine verstärkte Verwaltung der verschiedenen Geräte. Die IT-Security darf dabei nicht zu kurz kommen. Viele IT-Anbieter wie Oracle mit einem millionenschweren Auftrag an Swisscom den Grundstein für ein modernes MDM gelegt.
Gegen den Zuschlag kann noch bis Mitte Dezember Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erhoben werden. (Maurizio Minetti)

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