Bund stellt Hermes 5 vor - jetzt folgt die Umsetzung

23. April 2013, 13:18
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Der Bund will frischen Wind ins Projektmanagement bringen. Der Industrie fehlt noch ein konkreter Plan zur Transformation.

Der Bund will frischen Wind ins Projektmanagement bringen. Der Industrie fehlt noch ein konkreter Plan zur Transformation.
Mit einer Vernissage ist gestern in Bern die aktualisierte Projektführungsmethode Hermes 5 vorgestellt worden. Die Methode ist stark vereinfacht und auf vier – bisher waren es sechs – Phasen verkürzt worden, wie Hélène Mourgue d'Algue, Hermes-Verantwortliche beim Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB), gegenüber inside-it.ch ausführt. Neu werden von Anfang an die Projektziele und eben nicht mehr das Vorgehen in den Projekten fokussiert. So könne ergebnisorientiert von der Initialisierung, dem Konzept bis zur Realisierung und der Einführung gearbeitet werden. Hermes 5 sei dabei so angelegt, dass künftig neue Releases aufgeschaltet werden können. "Man muss in Zukunft nicht mehr acht Jahre warten, bis eine neue Version vorliegt", sagt Mourgue d'Algue. Die letzte Hermes-Version stammt noch von 2005.
Industrie fordert Umsetzung
Dennoch hat die gestrige Veranstaltung durchaus Kritik von den Anwendern auf sich gezogen. Matthias Roth von Born Informatik in Bern und Vizepräsident der User Group Eco-Hermes, sagt gegenüber inside-it.ch, dass er nun erstmals konkret die neue Projektmanagementmethode gesehen habe. Zwar habe er sich auch selbst aktiv an der Evaluation der Anforderungen beteiligt, doch bis gestern sei Hermes 5 unter Verschluss gewesen. Vorversionen habe es nicht gegeben, so müsse man sich nun erst einmal in die fertige Lösung einarbeiten und schauen, wie dann die Transformation zur neuen Version aufzugleisen sei.
Grundsätzlich mache Hermes 5 auf den ersten Blick allerdings einen sehr guten Eindruck, sagt Roth. Es ginge nun darum, in der einjährigen Einführungsphase Schulungen aufzugleisen, um beispielsweise möglichst rasch definieren zu können, ab wann man auf der Basis der neuen Version Projekte offerieren könne. Weil in diesem Transformationsprozess derzeit noch einiges unklar sei, hoffe man bei Eco-Hermes, so Roth, ihn am 6. Juni an einer Veranstaltung in Bern konkretisieren zu können.
Beim Bund läuft die Einführung nach Plan
Mourgue d'Algue betont dagegen die Einbindung aller Beteiligten. Tatsächlich sei gestern erstmals die komplette Überarbeitung vorgelegt worden. Doch sei das die in diesem Fall gewählte Vorgehensweise, um rasch zum Ergebnis zu kommen. Bei der Ausarbeitung der neuen Version habe der Bund aber auf eine breit abgestützte Evaluation geachtet. Die Anforderungen an Hermes 5 hätten online von allen Betroffenen eingegeben werden können. Im Vorfeld habe es zudem eine Informationsveranstaltung mit 150 Beteiligten gegeben. Dann habe ein Expertenforum mit 40 Leuten (auch von Eco-Hermes) in neun Workshops die wesentlichen Ansprüche an Hermes 5 definiert. Nur eben die Endversion sei erst jetzt vorgelegt worden.
Klar ist aber auch für Mourgue d'Algue, dass nun in der Einführungsphase Schulungen auf der neuen Version einen Schwerpunkt bilden müssen. Insgesamt sei Hermes 5 an der Vernissage gut aufgenommen worden, wie auch Roth betont. Der Bund startet bereits im Mai mit der Schulung von 600 Projektleitern und wird Infoveranstaltungen in den einzelnen Departementen durchführen. Gemeinsam mit diversen anderen Beteiligten werden im Mai aber auch in Genf, im Zürcher Technopark und gemeinsam mit der ZHAW und dem OIZ der Stadt Zürich Infoveranstaltungen stattfinden, schiebt Mourgue d'Algue nach. Die Industrie sei hiervon zumindest bis Ende Jahr nicht ausgeschlossen. Dann trete ein neues Schulungskonzept unter Federführung des Bundes in Kraft.
"Insieme"-Nachfolger bereits unter Hermes 5
Interessant ist, dass Hermes 5 bis im April 2014 die Altversion abgelöst haben soll. Das erklärt jedenfalls Mourgue d'Algue und führt aus, dass nur in begründeten Ausnahmefällen Projekte beim Bund noch nach den alten methodischen Vorgehen umgesetzt werden können. Mit der neuen Methode sollen Debakel wie zum Beispiel mit dem Software-Projekt "Insieme" bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung möglichst vermieden werden. Für Matthias Roth von Eco-Hermes ist denn auch klar, dass die inzwischen in rund 130 Projekte gesplitteten Nachfolger von "Insieme" nach der neuen Version umgesetzt werden. (Volker Richert)

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