Bund will Übersetzer durch KI ersetzen

18. November 2019, 09:45
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Die Bundesverwaltung testet, amtliche Dokumente von der Software DeepL übersetzen zu lassen.

Die Bundesverwaltung testet, amtliche Dokumente von der Software DeepL übersetzen zu lassen. "Die Sprachdienste des Bundes haben eine Arbeitsgruppe konstituiert und ihr den Auftrag erteilt, einen Test des maschinellen Übersetzungsprogramms DeepL Pro durchzuführen", bestätigte Urs Bruderer von der Bundeskanzlei einen Artikel der 'SonntagsZeitung' gegenüber der Nachrichtenagentur 'Keystone-sda'. An diesem Test, der von März bis August 2019 dauerte, nahmen alle Departemente teil.
"Die Arbeitsgruppe ist jetzt daran, einen Bericht zu erstellen", so Bruderer. Darin wird das Projekt ausgewertet und es werden Empfehlungen für den Umgang mit DeepL in der Bundesverwaltung abgegeben.
Im Pilotprojekt wurden amtliche Dokument wie parlamentarische Vorstösse, Reglemente, Amtsberichte und Fachtexte mit der Software übersetzt. "Die Verwaltung sieht die maschinelle Übersetzung als ein neues zusätzliches Werkzeug, das die Sprachdienste allenfalls zur Unterstützung beiziehen können", sagte Bruderer.
Dabei könnte einiges an Geld eingespart werden. Der Bund hat 2017 rund 270'000 Seiten von 450 Übersetzerinnen und Übersetzern bearbeiten lassen. Gemäss Bericht kamen Aufträge in Höhe von zehn Millionen Franken an Private hinzu. Wobei letztere zum Teil bald obsolet werden könnten. Zum Thema Personalabbau gibt die Verwaltung jedoch keine Auskunft. "Aussagen zu Einsparungen oder einem Personalabbau wären auf der heutigen Grundlage reine Spekulation", so Bruderer.
In der Online-Version von DeepL werden Texte auf externen Servern des Unternehmens gespeichert, um die Übersetzungsalgorithmen zu trainieren und zu verbessern. Nach Angaben des deutschen Startups werden die Texte und Übersetzungen bei der Pro-Version, welche die Bundesverwaltung benutzt, jedoch nicht gespeichert. Der Daten- und Informationsschutz wird laut Bruderer eingehalten. Zudem seien Texte mit persönlichen und vertraulich schützenswerten Daten vom Test ausgeschlossen gewesen.
Bei der Bundesverwaltung kommt dieses Mal ein deutsches Startup zum Zug statt beispielsweise die Übersetzungslösung des US-Konzerns Google. Anfang 2019 wurde bereits bekannt, dass die Bundesverwaltung für die Kommunikation auf die Schweizer Lösung Threema Work setzt, wie inside-it.ch berichtete. (Keystone-sda/kjo)

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