Bund: Zuschläge für 37 Millionen Franken, Abbruch für 9000 Stunden

11. November 2020, 14:04
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ISCeco, der IT-Dienstleister des WBF, konnte nur für 6 von 9 Losen Zuschläge erteilen. Laut Zeitplan fehlen ab sofort Leute für Gever und RZ-Migration.

ISCeco, der IT-Dienstleister des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), hat nach einem offenen Verfahren mit 9 Losen für IT-Dienstleistungen Zuschläge im Gesamtwert von rund 37 Millionen gemacht. Dies zeigt die entsprechende Simap-Meldung.
Pro Los suchte der ISCeco "drei kompetente, zuverlässige und leistungsstarke Anbieter", wie es in den Ausschreibungsunterlagen hiess. Dabei wurden Partner für unterschiedliche Projekte und insbesondere Fachapplikationen gesucht, die mehr oder minder ab sofort und bis 2025 arbeiten sollen.
Dies gelang bei 3 Losen nicht, es erfolgt ein Abbruch der Ausschreibung: Bei Los 4 – Operations Management Linux-Umfeld – habe "kein Angebot die Eignungskriterien und technischen Anforderungen erfüllt", heisst es. Bei Los Nr 7 – Operations Management Microsoft SQL – sei kein Angebot eingegangen, ebensowenig für Los 9 – Systemengineering.
Die Abbrüche stehen im Zusammenhang mit mehreren damit verknüpften Projekten. In Los 4 ginge es um 3600 Stunden Grundleistungen für Betrieb und Unterhalt der Linux-Server-Umgebung gemäss den Betriebs- und SLA-Vorgaben, Betrieb der Red-Hat-Openshift-Umgebung und den Betrieb der Red-Hat-Satellite-Plattformen zwischen November 2020 bis Oktober 2021, so die Ausschreibung. 3600 Stunden, die nun niemand leisten will, ausser das ISCeco ändere die Eignungskriterien und technischen Anforderungen.
Im Los 7 wäre der Betrieb und Unterhalt der MS SQL-Server-Umgebung sowie der MS SQL-Server-DWH-Umgebung, im Wesentlichen also Patchen und Dokumentation, während 3600 Stunden gefragt gewesen, was aber die gesamte Schweizer ICT-Branche nicht interessiert hat.
Ebenfalls ab 1. November 2020 wäre Systemengineering gefragt gewesen. Laut Ausschreibung des Loses 9 wären die für 6 unterschiedliche Projekte eigentlich erwünscht gewesen.
Zu den nicht offerierten Aufgaben gehören: Design, Konzeption, Aufbau und Weiterentwicklung der Continuous-Integration-Plattform und deren Prozesse, automatisierte Paketierung und Parametrisierung der Gever-Software oder die "Automatisierung der Installation und Konfiguration Windowskomponenten (.Net, IIS, TLS-Stack, etc.) und Third-Party-Anwendungen (Splunk, CheckMK, etc.)" und nicht zuletzt interne Weiterbildung der Mitarbeitenden im Handling der CI-Plattform.
Was dies beispielsweise für die RZ-Migration oder "Gever Release 3.0" im Rahmen des bundesweiten Gever-Programms Genova mit den acht Instanzen und einem "engen Zeitplan" bedeutet, ist nicht klar. Jedenfalls stehen bis anhin die gewünschten externen 1800 Stunden Arbeit (etwa 40 Personen-Wochen) für Grundleistungen nicht extern zur Verfügung.
Geplant war zumindest, "im Rahmen des IKT-Projekts SD Gever Bund bis Ende 2021 einen Stabilisierungs-Release auszurollen", um alle Instanzen auf einen Release-Stand zu bringen.
2 der 3 Abbrüche betreffen zudem ein Projekt namens "AIOps", mit welchem das ISCeco Erfahrungen mit KI sammeln will, aber zuerst müsste man dazu "wichtige Betriebs-Daten von den SD Gever in einem Datawarehouse zentralisieren", was nun gefährdet erscheint.
Vom Mangel von MS SQL-Ressourcen betroffen sein könnte ein interessantes Projekt: Das ISCeco verfolgt nämlich die Idee, Oracle-Datenbanken zu MS SQL zu zentralisieren. Die Migration würde je nach Migrationskonzept dann mehrere Monate oder Jahre in Anspruch nehmen. Die damit verbundenen Lose wurden vergeben, allerdings nicht an jeweils 3 Partner wie gewünscht, sondern nur an einen oder zwei.
Üblicherweise nimmt das BBL erst nach Ablauf der Einsprachefrist Stellung zu Ausschreibungen, sodass wir dies dann nachholen werden.

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