Bundes-CMS zu teuer?

25. Februar 2015, 17:02
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Zwei Informatik-Projekte, zwei Auswahlverfahren und eine Lösung. Die Finanzkontrolle sieht einmal mehr Verbesserungspotenzial beim Bund. Das BIT wehrt sich.

Zwei Informatik-Projekte, zwei Auswahlverfahren und eine Lösung. Die Finanzkontrolle sieht einmal mehr Verbesserungspotenzial beim Bund. Das BIT wehrt sich.
Während zwei Jahren haben das Verteidigungsdepartement VBS und das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) nach einer Software-Lösung für den Betrieb ihrer Websites gesucht - in zwei verschiedenen Auswahlverfahren. Gewonnen hat zwei Mal Namics. Der St. Galler Webdienstleister baut für 13 Millionen Franken das CMS fürs BIT.
Gestützt auf die Weisungen des Bundesrates für ICT-Schlüsselprojekte prüfte die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK die beiden Projekte. Dabei soll der Projektstand und die Risiken beurteilt werden. Die Finanzkontrolle hält fest, dass die CMS-Doppelspurigkeit im Vergleich zu einer departements-übergreifenden Lösung mit "nennenswerten Mehrkosten" verbunden sei. Gegenüber 'srf.ch' sagte EFK-Direktor Michel Huissoud, dass es sich um einen einstelligen Millionenbetrag handle.
Damit ist das BIT aber nicht einverstanden. Denn der Vergleich der EFK beruhe auf den reinen Kosten, welche durch das CMS-System entstehen. Das BIT ist Leistungserbringer von verschiedenen Departementen - aber nicht für das VBS. "Die Frage, wie hoch die Integrationskosten wären, wenn die herkömmlichen BIT-Systeme an ein ausgelagertes CMS im Rahmen eines einzigen gemeinsamen Projektes angebunden werden müssten, sind nicht berücksichtigt," schreibt BIT-Sprecherin Sonja Uhlmann in einer Email an inside-it.ch. Für das BIT seien die Kosten im Zusammenhang mit der Anbindung von Backend-Systemen nicht vernachlässigbar.
"Es gibt keine fachliche Begründung dafür, dass in der Bundesverwaltung zwei CMS eingeführt werden", schreibt die Finanzkontrolle dagegen zusammenfassend. Es sei weder fachlich notwendig noch wirtschaftlich sinnvoll, dass mehrere Lösungen angeboten werden. Da stimmt auch das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation zu. Jedoch war damals, als das CMS-Thema diskutiert wurde, noch die ICT-Strategie des Bundes 2011 in Kraft gewesen, die besagte, dass es ein Konkurrenzmodell der verschiedenen IT-Leistungserbringer brauche. "Von diesem Modell hat man erst mit der IKT-Strategie der Bundesverwaltung 2012-2015 Abstand genommen und Synergien und die Kooperation zwischen den Leistungserbringern favorisiert", schreibt Uhlmann.
Der positive Effekt der getrennten Projekte ist aber, dass sie vergleichbar sind. Beide CMS basieren auf dem Produkt Adobe Experience Manager (AEM). Das BIT baut den Service mit Unterstützung der Fima Namics auf und wird danach selbst als Leistungserbringer auftreten. Im Projekt CMS VBS wird der Service hingegen ganz an Namics ausgelagert. Die Finanzkontrolle hält fest, dass das Outsourcing deutlich günstiger sei als die interne Lösung.
BIT auf Kurs, VBS mit Zeitproblem
Zudem wurden aber auch die beiden Projekte auf Herz und Niere geprüft. Konklusion bei cms.nextgen: Das Programm ist auf Kurs, in Details gibt es aber Verbesserungspotenzial, so der Bericht. (Klick öffnet PDF)
Das VBS-Projekt erntet weniger Lorbeeren. (Bericht) Hier ist der Wurm aber auch schon länger drin: Bereits 2007 war das Content Management System veraltet, und bis 2012 sollte ein neues eingeführt werden. Was nicht gelang, und das Projekt wurde neu aufgerollt. Nun weist die Finanzkontrolle darauf hin, dass es noch immer eine Herausforderung sei, das Projekt umzusetzten - vor allem den Zeitplan.
Das VBS relativiert. Der EFK-Bericht wurde bereits im Oktober 2014 verfasst, und zu diesem Zeitpunkt waren die Vertragsverhandlungen mit dem Anbieter noch nicht abgeschlossen. Seit die Verträge im trockenen sind, sei der termingerechte Abschluss des Projekts aber gesichert, so VBS-Sprecher Peter Minder gegenüber inside-it.ch. (lvb)

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