Bundescloud: Das BIT setzt auf HP Helion

17. Juni 2015, 09:21
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Das Bundesamt für Informatik wird noch dieses Jahr den Bundesämtern erste Cloud-Dienste anbieten.

Die "Bundescloud" wird zwar von Hewlett-Packard gebaut, aber vom BIT innerhalb des bundeseigenen Netzwerkes betrieben. Für einmal hat es die Bundesverwaltung eilig: Erste Dienste sollen noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen.
Stellen beim Bundesamt für Informatik, BIT, gelten nicht gerade als die aufregendsten Jobs. Doch Marco Ciampi hat einen spannenden Job beim BIT und man merkt ihm das im Gespräch an. Ciampi ist beim Bundesamt innerhalb des Bereichs Engineering & Transition für Virtualisierungstechnologien verantwortlich. Kurz: Er ist der Mann, der für die "Bundescloud" verantwortlich ist.
Im April vergab der Bund den Auftrag für den Aufbau einer Cloud-Infrastruktur für rund 60 Millionen Franken an Hewlett-Packard Schweiz. Wie Ciampi im Gespräch mit inside-it.ch sagte, werden in diesen Tagen die Details des Auftrags mit HP finalisiert. Dieses Jahr findet der Aufbau der Grundplattform im Umfang von etwa drei Millionen Franken statt, damit die Cloud in Betrieb genommen werden und die ersten Leistungen von den Verwaltungseinheiten abgerufen werden können. Danach wird der Ausbau der Cloud im Rhythmus der verwaltungsinternen Kunden des BIT beauftragt. Der Vertrag ist für die nächsten zehn Jahre mit entsprechenden optionalen Volumen ausgestaltet.
Das BIT setzt im Rahmen des Zuschlags ganz auf HP Helion, der HP-eigenen Distribution der bekannten Open-Source-Software-Familie OpenStack. Das Bundesamt wird vom Hersteller die Cloud-Infrastruktur schlüsselfertig beziehen und diese dann selbst in zwei Rechenzentren betreiben. Ciampi: "Wir wollen uns an Standards halten."
Dass das Bundesamt nicht versucht, das Rad neu zu erfinden, sondern auf das weit verbreitete Open-Source-Cloud-"Betriebssystem" OpenStack und dabei auf die Version eines grossen Anbieters setzt, dürfte die richtige Strategie sein.
Die "Bundescloud" wird übrigens auch einen Namen bekommen. Allerdings nicht "Cumulus", wie das Projekt intern geheissen hat. Dieser Name ist bekanntlich bereits besetzt...
Rasch erste PaaS-Dienste
Sind die Vertragsverhandlungen abgeschlossen, soll es dann schnell gehen. Noch dieses Jahr, so Ciampi, will das BIT erste Cloud-Dienste anbieten. In einem ersten Schritt wird man je einen Linux-Server (Suse, gemanaged) und einen Windows-Server als Service anbieten, so Ciampi.
Ziel wird es sein, möglichst viele der rund 4'000 Server, die das BIT heute betreibt und wovon bereits mehr als die Hälfte virtualisiert sind, in die Bundescloud zu verschieben. Ganz trivial wird das aber nicht sein, so Ciampi. Denn Server, die nicht völlig standardisiert konfiguriert sind, müssen vor einer Migration in die Cloud einzeln angeschaut werden.
Welche Dienste das BIT dann später entwickeln und anbieten wird, wird von der Nachfrage der Verwaltung abhängen. Ciampi denkt an DaaS (Datenbank), Loadbalancing oder auch Webserver.
Erst investieren, dann sparen
Das BIT wird der Bundesverwaltung ein Selbstbedienungsportal für Cloud-Services zur Verfügung stellen. Man wird also Server, Speicher und Netzwerkkapazität mit Mausklicks zusammenstellen können und die verlangte Kapazität auch anpassen können.
Selbstbedienung und flexible IT-Kapazitäten könnten zu Kosteneinsparungen für die "Kunden" des BIT führen, würde man denken. Doch Ciampi warnt: Eine Cloud-Investition ist erst bei einem hohen Auslastungsgrad rentabel. Und ein solcher wird nicht auf einen Schlag erreicht. "In den ersten Monaten wird es voraussichtlich keinen Wachstumssprung geben. 2016 und 2017 wird das Wachstum dann logarithmisch. "Ich gehe davon aus, dass dann mit Return on Investment zu rechnen ist," so der Cloud-Spezialist des Bundes. Denn dann wird auch die Migration von der heutigen Virtualisierungsumgebung stattfinden. Für die Verwaltungseinheiten werde jedoch bereits zu Beginn dank automatisierter Serverbereitstellung sowohl in Bezug auf Kosten als auch auf Zeit eine Einsparung spürbar werden, sagt Ciampi.
Eine sichere "Dropbox" für Bundesangestellte
Mit der "Bundescloud" des BIT wird ein Ziel, das das Informatikstrategieorgan des Bundes 2012 formuliert hat, erreicht werden. In der ersten Phase wird sich das BIT darauf konzentrieren, möglichst viele der Server, die man bereits heute betreibt, in die "Bundescloud" zu bringen.
Was später aus dem Angebot des BIT noch werden kann, ist offen und hängt nicht alleine vom IT-Dienstleister des Bundes ab. Ciampi kann sich vieles vorstellen. So könnte das BIT nicht nur als PaaS-Anbieter auftreten, sondern auch Applikationen, zum Beispiel eine sichere "Dropbox" für die Bundesverwaltung zur Verfügung stellen. (hc)

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