Bundesrat macht Informatik am "Gymi" obligatorisch

27. Juni 2018, 09:38
  • politik & wirtschaft
  • informatik
  • schule
  • bundesrat
image

Mehr als Anwendung: Maturanden sollen künftig Programmier­sprachen verstehen und Algorithmen entwerfen und beurteilen können.

Mehr als Anwendung: Maturanden sollen künftig Programmier­sprachen verstehen und Algorithmen entwerfen und beurteilen können.
Spätestens ab dem Schuljahr 2022/2023 wird Informatik an Schweizer Gymnasien als obligatorisches Fach eingeführt. Der Bund und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) haben sich für ein Informatik-Obligatorium ausgesprochen.
Im Fach Informatik sollen Grundlagen und Konzepte der Informations- und Kommunikationstechnologien vermittelt werden. Ein Fokus liegt auf allgemeinen, übertragbaren und längerfristig gültigen Konzepten und Kompetenzen. Damit soll der neue Informatikunterricht nachhaltige Einblicke in die Grundlagen digitaler Technologien bieten.
Der Bundesrat hat eine entsprechende Änderung der Maturitäts-Anerkennungsverordnung (MAV) beschlossen, wie er mitteilt. Die Plenarversammlung der EDK hat ihr revidiertes Maturitäts-Anerkennungsreglement (MAR) bereits am 21. Juni 2018 verabschiedet.
Die Revision umfasst im Wesentlichen drei Punkte:
- Informatik wird neben Wirtschaft und Recht in den Katalog der obligatorischen Fächer aufgenommen. Die Noten von obligatorischen Fächern fliessen – anders als bei Grundlagenfächern – nicht in die Maturitätsnote ein.
- Das Fach wird dem heutigen Lernbereich Mathematik und Naturwissenschaften zugeordnet. Dieser heisst neu "Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften"
- Der Anteil für diesen Lernbereich wird an der gesamten Unterrichtszeit von 25 bis 35 Prozent auf 27 bis 37 Prozent erhöht. Die prozentualen Anteile beziehen sich auf die gesamte Unterrichtszeit.
Die revidierten Rechtstexte treten am 1. August in Kraft. Es gilt eine Übergangsfrist von vier Jahren. Damit wird der Unterricht von Informatik im Rahmen eines obligatorischen Faches spätestens ab dem Schuljahr 2022/2023 verbindlich sein, kann aber von den Kantonen auch früher umgesetzt werden.
Mehr als Anwenderkenntnisse
Der Informatik-Unterricht basiert auf dem neuen Rahmenlehrplan Informatik der EDK, der zeitgleich mit dem revidierten MAR/MAV in Kraft tritt. Die EDK hat den neuen Rahmenlehrplan Informatik im Oktober 2017 verabschiedet.
Der Rahmenlehrplan dient den Kantonen zur Erstellung ihrer kantonalen Lehrpläne. Gemäss dem Lehrplan sollen die Schüler eine breite Informatik-Grundbildung erwerben. Sie werden in Konzepte wie die Grundzüge von Programmiersprachen und in wichtige technische Hintergründe von Computernetzwerken eingeführt. Etwa sollen sie den modularen Aufbau von Computersystemen aus Komponenten und Schnittstellen kennen und Sicherheitsaspekte der digitalen Kommunikation verstehen.
Wie aus dem Rahmenlehrplan weiter hervorgeht, sollen die Schüler Organisationsformen grösserer Datenmengen begreifen. Sie sollen die Ursache von Problemen und Fehlern systematisch und zielgerichtet eruieren können und IT-Lösungen bezüglich Korrektheit, Effizienz und Sicherheit beurteilen können. Die Schüler sollen zudem fähig sein, Algorithmen zu entwerfen, zu beurteilen und in einer Programmiersprache umzusetzen.
Auch ethische Grundnormen sowie der Einfluss von Informatik im gesellschaftlichen und historischen Kontext sind Themen des neuen Rahmenlehrplans. (Katharina Jochum)

Loading

Mehr zum Thema

image

Ressourcenmangel: Armee sucht ICT-Leihpersonal für bis zu 55 Millionen Franken

Der IT-Dienstleister der Armee will viel Unterstützung anheuern, nachdem er letztes Jahr wegen schleppenden Projekten in die Kritik geraten war. Auch weitere Massnahmen laufen.

publiziert am 5.8.2022
image

Mac-Netzteile sind knapp

Je höher die Leistung, desto wahrscheinlicher verspätet sich die Lieferung der Mac-Netzteile.

publiziert am 5.8.2022
image

Die Infrastruktur-Gigan­ten müssen sich transfor­mieren

DXC und Kyndryl melden 10% Umsatzrückgang, sehen sich aber auf gutem Weg.

publiziert am 5.8.2022
image

EFK will eine Meldepflicht für Uber, Airbnb und Co., das Seco widerspricht

Die Finanzkontrolle moniert Wettbewerbsverzerrung und fehlende Steuereinnahmen in der Plattformökonomie. Kritisierte Behörden werfen der EFK eine ungenaue Definition der Gig Economy vor.

publiziert am 4.8.2022