Bundesrat und Microsoft gemeinsam für "IT Fitness"

5. Oktober 2007, 12:38
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Microsoft-Chef Steve Ballmer und Bundesrätin Leuthard lancierten gestern gemeinsam einen Online-Test, mit dem die "IT Fitness" der Schweizer Bevölkerung gesteigert werden soll. Ist "IT Fitness" wirklich nur "Microsoft Fitness"?

Microsoft-Chef Steve Ballmer und Bundesrätin Leuthard lancierten gestern gemeinsam einen Online-Test, mit dem die "IT Fitness" der Schweizer Bevölkerung gesteigert werden soll. Ist "IT Fitness" wirklich nur "Microsoft Fitness"?
Hohe Tiere gestern edlen Fifa-Hauptsitz Sonnenberg: Microsoft-Chef Steve Ballmer himself, Bundesrätin Doris Leuthard und Hannes Wohlwend von der Firma Educationpool drückten gemeinsam im Blitzlichtgewitter einen grossen roten Knopf. Damit sollte der Start der Schweizer Online-Initiative "IT Fitness" symbolisiert werden.
IT Fitness soll mithelfen, die "digital literacy" (etwa "digitale Alphabetisierung") der Schweizer Bevölkerung voranzutreiben. Es geht dabei um jene Minderheit in der Bevölkerung, die sich bisher noch nicht oder nur wenig mit dem Umgang mit Computern und Internet vertraut machen konnte oder wollte. Auf der Webseite kann man nicht nur seine "IT Fitness" testen, sondern es gibt auch Links zu kostenlosen Online-Kursen. Angesprochen werden sollen Schüler der Sekundarstufe, Jugendliche vor der Berufswahl, Lehrlinge, berufliche Wiedereinsteiger, aber auch Menschen über 50, Arbeitslose und Menschen mit Behinderungen.
Unterstützt wird die Initiative nicht nur durch Microsoft sondern auch von Cisco, Fujitsu Siemens, der Stiftung Produktive Schweiz, an der wiederum Microsoft beteiligt ist, Adecco, dem Tourismuskonzern TUI und nicht zuletzt auch dem Seco, dem Staatssekretariat für Wirtschaft im Departement Leuthard. Bundesrätin Doris Leuthard begründete ihre Unterstützung damit, dass die Arbeitskräfte in der Schweiz noch besser lernen sollten, mit Technologie umzugehen und so die Produktivität zu steigern.
Sie werde dafür sorgen, dass der "IT Fitnesstest" zu den Jahreszielen der Angestellten im EVD gehört.
Steve Ballmer seinerseits lobte die Schweiz über den grünen Klee als Land, das Technologie rasch adaptiere. Microsoft sei "geehrt und erfreut" zu dieser Partnerschaft beitragen zu dürfen.
Der Test
Selbstverständlich machten wir von inside-it.ch den Test. Fazit: Der Multiple-Choice-Test prüft vorwiegend, wie gut man einzelne grundlegende Befehle in Software von Microsoft (Word, Excel und Outlook) kennt. Dazu kommen noch ein paar wenige Fragen zum Umgang mit dem Internet.
Selbst ein falsche Antwort findet sich im Test. Auf die Frage "Stimmt es, dass das Internet einem Amerikaner gehört" muss man mit "Nein, das Internet gehört allen, die es nutzen wollen und können" antworten. Was schlicht falsch ist. Das Internet "gehört" durchaus einzelnen Firmen, nämlich denen, die die Netzwerke betreiben. Auch die 13 zentralen Server, die die Namensverzeichnisse verwalten, "gehören" privaten Institutionen.
Nicht geprüft wird im Test eine Fähigkeit, die für "IT Literacy" immer wichtiger wird. Nämlich sich selbst den Umgang mit einer Software oder einem Gerät, die man noch nicht kennt, beizubringen. Die Fähigkeit also, Hilfe-Files zu benützen, Gebrauchsanweisungen zu lesen oder sich im Internet, beispielsweise in einem der unzähligen Hilfe-Foren, schlau zu machen. Ausserdem ist uns aufgefallen, dass der "IT Fitnesstest" noch auf den alten Office-Versionen beruht. Mit Office 2007 von Microsoft haben sich nun aber viele Befehle verschoben, man muss umlernen. (Christoph Hugenschmidt)
~~Kommentar:
Ist "Digital Literacy" gleich "Microsoft Fitness"?
Der Test und die damit verbundenen Bemühungen, auch nicht technologieaffine Bevölkerungsgruppen den Umgang mit Computern näher zu bringen, ist durchaus eine gute Sache.
Gefährlich finden wir hingegen, sich fast ausschliesslich auf die Produkte einer einzigen Firma, nämlich des de-fakto Monoplisten Microsoft, zu konzentrieren. Es stimmt, dass an den meisten Arbeitsplätzen und Heim-PCs Microsoft-Software installiert ist. Doch wichtiger als das Wissen, welchen Knopf in Excel man drücken muss, um eine Tabelle auszudrucken, scheint uns die Fähigkeit, den Knopf zu finden, auch wenn man ihn nicht schon kennt. Dann kann man nicht nur mit Excel, sondern auch mit OpenOffice, einem SAP-Client am neuen Arbeitsplatz oder Google Docs umgehen.
Microsoft suggeriert mit dem Test, die Welt der PC und des Internets bestünde vorwiegend aus Microsoft-Technologie. Marketing ist das gute Recht von Redmond. Fraglich finden wir hingegen, ob der Bund bei diesem Treiben mitmachen sollte. (hc)~~
(Foto: Mit freundlicher Genehmigung aus Thomas Benkös Blog geklaut. v.l.n.r: Steve Ballmer, Doris Leuthard, Hannes Wohlwend)

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