'Business by Design': "Knacknuss" für SAP

9. Juni 2009, 11:50
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Die Software ist da, doch wo ist das Geschäftsmodell?

Die Software ist da, doch wo ist das Geschäftsmodell?
Die Online-Version von SAPs Business-Software, 'Business By Design' ist weiterhin nur für Pilotkunden erhältlich. Aktuell arbeiten weltweit 40 Kunden mit der SaaS-Version (SaaS = Software as a Service) der Walldorfer Lösung, weitere 40 Kunden hätten Migrationsprojekte, war gestern an der SAP Word Tour in Mannheim an einem Roundtable zum Thema zu hören. Allgemein verfügbar wird die Lösung, die sich für mittelgrosse Firmen mit 100 bis 500 Mitarbeitenden eignet, erst bis spätestens Ende 2010.
Bis dahin wird der deutsche ERP-Riese aber noch die alles entscheidende Frage zu klären haben: Wie verdient man mit SaaS-Lösungen Geld? "Billig" ist die Lösung mit 133 Euro pro Monat und User zwar nicht, doch gibt man bei SAP offen zu, dass man noch kein Geschäftsmodell für den Vertrieb von Online-Lösungen gefunden hat. Eines der Probleme ist, dass SAP für jeden 'Business-By-Design'-Kunden eine eigene Maschine ins Rechenzentrum setzt. Das erhöht die Kosten für Wartung und Betrieb, die SAP im Online-Modell ja selbst trägt, erheblich.
Die Lösung ist gemäss SAP zwar grundsätzlich "multi-tenant"-fähig (eine Datenbank und eine App für alle Kunden), doch müsse man pro Kunden noch eine spezifische Applikationsschicht mit Schnittstellen zu Umsystemen einziehen, hiess es gestern in Mannheim. Eine Online-CRM-Lösung sei halt wesentlich weniger komplex, als eine SaaS-Version eines ausgewachsenen ERP-Systems, wurde gestern entschuldigend gesagt. Bis zum allgemeinen Launch des Produkts habe "man noch einige Nüsse zu knacken", so die klare Aussage gestern.
Bis 'Business By Design' ein Massenprodukt wird, hat SAP noch einen weiten Weg. Denn heute gibt es erst für einige wenige Märkte (Deutschland, USA, Indien, China, Frankreich) und Branchen (diskrete Fertigung, Dienstleister) lokalisierte und parametrisierte Versionen.
Alles "In-memory"?
Interessant waren einige Ausführungen, die SAP-Gründer und Informatik-Professor Hasso Plattner während seiner gestrigen Key-Note machte. Mit der Version 2.5 von 'Business By Design' werde ein wesentlich grösserer Anteil der Daten im Hauptspeicher (RAM) abgelegt. Später, so Plattner, würden auch Transaktionsdaten mit der von ihm gestern geschilderten "in-memory"-Technik verarbeitet.
Dies sieht man beim 'Business-By Design'-Entwicklungsteam allerdings nicht ganz so. Denn aktuell werden die Daten der Anwender drei mal gespeichert: In der SAP-eigenen Max-DB für Transaktionsdaten, als "InfoCube" für Reporte und Analysen und als "spaltenorientierte Datenbank" für die raffinierte, textorientierte Suchmaschine. Es gab keinerlei Hinweis darauf, dass sich dies über kurz oder lang ändern soll.
BI voll integriert
Demonstriert wurden am gestrigen "Roundtable" zu 'Business By Design' vor allem die BI-Funktionen der Online-ERP-Lösung. Wer in der Rolle als Geschäftsführer mit dem System arbeitet, hat eine Reihe von netten Funktionen für die Unternehmenssteuerung zur Verfügung. So kann man eine Reihe von Indikatoren (z.B. Auftragsbestand, Liquidität, Zahlungsmoral der Kunden, ...) abrufen, grafisch darstellen und Grenzwerte eingeben, die bei Unter- oder Überschreiten einen Alarm auslösen.
Mit Rechtsklick können Anwender "Drill Downs" in ihren Firmendaten machen. So kann man sich von der Darstellung der Profitabilität der Firma in die Profitabilität von einzelnen Kunden und von da an von einzelnen Aufträgen "herunterbohren".
Auch sehr gefallen - soweit eine kurze Demonstration überhaupt ein Urteil erlaubt - haben uns die Lernfunktionen. So kann man sich mit Demo-Videos die Arbeitsabläufe von anderen Rollen in der Firma selbst beibringen und so bei plötzlichen Ausfällen die dringendsten Aufgaben von KollegInnen übernehmen. (Christoph Hugenschmidt)

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