(Business)-Software wird billiger

16. November 2007, 15:36
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Die Margen der Software-Hersteller kommen massiv unter Druck, glaubt Gartner.

Die Margen der Software-Hersteller kommen massiv unter Druck, glaubt Gartner.
Mit der Produktion und Vertrieb von Geschäftssoftware wie etwa Programmen für Buchhaltung- oder Logistik, kann man viel Geld verdienen. Der Grund: Hat sich ein Kunde einmal für ein Produkt entschieden, kann er nur mit grossem Aufwand den Hersteller wechseln. Ausserdem bezahlt er für regelmässige Updates eine Art "Steuer" (Wartungsgebühr) von normalerweise 17 Prozent der Lizenzkosten und er wird mehr oder weniger sanft gezwungen, neue Versionen zu kaufen, da die Hersteller den Support für ältere Versionen einstellen.
Damit soll demnächst Schluss sein. Denn das US-Beratungsunternehmen Gartner prophezeit einen massiven Preiszerfall bei Geschäftssoftware und glaubt, dass die Gewinnmargen von Geschäftssoftware-Herstellern wie SAP in den nächsten 10 Jahren massiv unter Druck kommen werden. Die amerikanischen Marktforscher zählen sieben Gründe für ihre These auf, die wir hier zusammenfassen.
1. Business Process Outsourcing
Unternehmen lagern heute nicht mehr nur Infrastrukturen an Dienstleister aus, sondern ganze Geschäftsprozesse (z.B. papiergestützter Zahlungsverkehr). Das Volumen dieses Markts wird sich gemäss Gartner in den nächsten fünf Jahren fast verdoppeln. Die Dienstleister, die "BPO" ("Business Process Outsourcing") anbieten, verwenden oft nicht Standard-Software von etablierten Anbietern, sondern entwickeln eigene Lösungen. Zudem haben sie gegenüber den Anbietern eine grössere Einkaufsmacht.
2. Mehr Software-as-a-Service
Gartner hält viel vom Trend hin zu SaaS, wo Software nicht gemietet wird und man die Daten nicht auf eigenen Systemen vorhält, sondern den Gebrauch von Software Online "mietet". Gartner glaubt, dass die Abhängigkeit der Kunden vom Anbieter im SaaS-Modell zwar nicht verschwindet, aber kleiner wird. Denn man kann eine SaaS-Software zwar konfigurieren, aber nicht gänzlich an eigene Bedürfnisse anpassen. Zudem sind im SaaS-Modell Upgrades inbegriffen und der Bau von eigenen Systemen entfällt. Gartner-Spezialist William Snyder: "Der Wechsel eines Anbieters wird auch im SaaS-Modell weder gratis noch einfach sein, aber die Konkurrenzsituation zwischen den Anbietern verschwindet nicht einfach nach dem Kauf."
3. Modulare Architekturen und Tieflohn-Entwicklung
Bei diesem Punkt macht Gartner eine interessante Kombination zwischen zwei Trends. Einerseits das Aufkommen von SOA (Service Oriented Architecture) und andererseits der Aufschwung von Offshore-Entwicklung in Tieflohnländern wie Indien und China. So werden Grosskunden zwar nicht unbedingt ganze, grosse Applikationen in Indien bestellen, aber mögliche Zusätze individuell dort herstellen lassen. Solche Komponenten lassen sich bei SOA-Strukturen leichter integrieren.
4. Freierer Markt für Software-Wartung
Software-Wartung war bisher immer fest in den Händen der Hersteller, da nur diese die Urheberrechte auf der Software besassen. Nun tauchen aber Dritt-Anbieter auf, die Wartung und Upgrades für Standard-Software zu günstigeren Preisen vermarkten. Das bekannteste Beispiel dafür ist die SAP-Tochter TomorrowNow, die Support für Oracle anbietet, was zu einem heftigen Rechtstreit geführt hat.
5. Wachsendes Interesse für Open-Source-Software
Der Trend hin zu kostenloser Open-Source-Software wird ebenfalls Druck auf die Hersteller-Margen ausüben. Open-Source-Software werde zwar Giganten wie Microsoft oder IBM nicht zerstören können, so Snyder, aber der Trend sei stark genug, um die Margen unter Druck zu bringen.
6. Chinesische Software-Firmen
Der Eintritt in die sehr preissensitiven Märkte China und Indien erweist sich gemäss Gartner für die traditionellen Hersteller als schwierig. In China entwickeln sich lokale Player wie Kingdee und Ufida, die eine starke Heimbasis aufbauen und auch westliche Firmen als Kunden gewinnen. Gartner glaubt, dass sich ein pan-asiatischer Anbieter entwickeln könnte, der zu tieferen Preisen offerieren wird.
7. Nachfrage in Asien drückt Preise
Das letzte Argument geht in eine ähnliche Richtung. Heute gibt es eine starke Nachfrage nach Business-Software in Indien, China und Brasilien. Doch da in diesen Ländern grosse und günstige Entwicklungskapazitäten vorhanden sind, sind die Preise, die Firmen zu bezahlen bereit sind, tiefer. Zudem haben viele Firmen in Asien und Brasilien den Vorteil, auf der "grünen Wiese" zu starten. Sie müssen keine Rücksicht auf grosse, alte Systeme und Datenbestände nehmen und können die jeweils neuesten Technologie einsetzen.
Die Überlegungen aus dem Hause Gartner scheinen uns bedenkenswert. Einzuwenden ist allerdings, dass die meisten Argumente eher auf Grossfirmen zutreffen und weniger auf den riesigen KMU-Markt, der im Grunde genommen aus Abertausenden von einzelnen, relativ geschützten Nischen besteht. (Christoph Hugenschmidt)

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