Business Sunrise: "Wir brauchen jetzt Kontinuität und Stabilität"

11. Februar 2013, 08:50
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Inside-channels.ch sprach mit dem neuen Business-Sunrise-Chef Hans Jörg Denzler über die Entwicklung des Unternehmens, mögliche Konflikte mit Partnern und Zukunftspläne.

Inside-channels.ch sprach mit dem neuen Business-Sunrise-Chef Hans Jörg Denzler über die Entwicklung des Unternehmens, mögliche Konflikte mit Partnern und Zukunftspläne.
inside-channels.ch: Herr Denzler, wie viele Leute beschäftigt Business Sunrise, der Geschäftskundenbereich und ICT-Dienstleistungsarm von Sunrise nach der Übernahme von NextiraOne Schweiz vor rund einem Jahr?
Hans Jörg Denzler: Business Sunrise hat gegenwärtig knapp über 400 Mitarbeitende. Unsere Grösse wird oft noch unterschätzt, aber natürlich sind wir durch den Kauf des Integrationsgeschäfts stark gewachsen.
Und wie hat sich der Umsatz entwickelt? Sind Sie in den schwarzen Zahlen?
Sunrise weist die Zahlen von Business Sunrise bisher nicht gesondert aus, darum kann ich keine absoluten Zahlen nennen. Was ich sagen darf, ist, dass wir letztes Jahr, das Integrationsgeschäft nicht mitgezählt, rund 10 Prozent Wachstum verzeichnen konnten. Und ja, Business Sunrise arbeitet gewinnbringend.
Sunrise hat 2005 den Netzwerkbereich von Ascom gekauft, und sich dann Ende 2011 mit NextiraOne wieder einen Netzwerk- und -Systemintegrator gekauft. Warum braucht Sunrise nun doch wieder einen ICT-Dienstleistungsarm?
Durch die Verbindung kommen wir an andere, neue Geschäfte heran, denn sie bietet vor allem mittelgrossen und grossen Kunden einen Mehrwert. Unser Integrationsbereich macht Rechenzentrumsprojekte, Unified Communications-, Telefonie-, Security- und andere Netzwerkprojekte. Alles Sachen, um das mal so auszudrücken, die beim Kunden innerhalb einer Firma ablaufen. Der klassische Geschäftkundenbereich von Business Sunrise bietet dagegen die Services, die ausserhalb einer Firma sind, sprich die Anschlüsse. Viele Projekte brauchen aber beide Komponenten. Wir können nun zum Beispiel Mobiltelefonie integriert mit Unified Communications oder auch die Verbindung von Standorten aus einer Hand anbieten. Kunden haben auch für solche Projekte gerne nur einen Partner.
Wie gross ist denn der Anteil solcher Kombinationsgeschäfte an ihrem Umsatz?
Rund ein Drittel der neuen Geschäfte im Grosskundenbereich gehören in diese Kategorie. Unser Ziel ist, diesen Anteil noch weiter zu steigern.
Partner: Manchmal gibt es "rote Ohren"
Business Sunrise ist als ICT-Dienstleister auch Konkurrent für viele Sunrise-Partner im Netzwerkbereich. Führt das zu Konflikten?
Zuerst gibt man sich salopp gesagt 'auf den Deckel', und kurz darauf arbeitet man wieder zusammen - das ist ganz normal in unserem Geschäft. Wir haben zum Beispiel mit T-Systems ein gemeinsames Projekt bei Valora gemacht, in anderen Fällen sind wir wieder Konkurrenten. Das gleiche gilt auch für Connectis und andere Partner. [Connectis ist der heutige Name des Netzwerkbereichs, den Sunrise 2008 verkauft hat. Anm. der Redaktion.] Sunrise selbst ist wiederum nicht nur Konkurrent, sondern auch der grössten Kunde von Swisscom.
Das funktioniert gut, so lange das Preisgefüge niemanden bevorteilt und man die Geschäftsbereiche strikt auseinanderhält. Bei Sunrise ist das Wholesale-Business klar getrennt vom Retail-Business. Ein Partner muss die Chance haben, gleich günstig zu verkaufen, wie wir selbst. Manchmal gibt es ein paar rote Ohren, aber das gibt sich wieder, wenn man fair ist.
Zukunftspläne
Wie sieht ihre Strategie für die Zukunft aus? Wird sich Business Sunrise neue Geschäftsbereiche erschliessen, beispielsweise als Outsourcer oder im Cloud-Business?
Vorerst haben wir vor allem vor, unser bestehendes Geschäft auszubauen. Wir können hier noch einiges aus eigener Kraft bewegen. Wir haben keine Pläne, in näherer Zukunft zum Beispiel ins Outsourcinggeschäft oder die Finance-IT einzusteigen.
Allerdings gibt es zunehmend Grosskunden, für die wir Private-Cloud-Infrastrukturen bauen und in unseren Rechenzentren betreiben. Im Bereich Software-as-a-Service sind wir gegenwärtig damit beschäftigt, geeignete Produkte zu evaluieren. Dabei überlegen wir uns vor allem, womit wir den Kunden einen realen Mehrwert bieten können.
Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für Business Sunrise?
Wir haben den 'blauen Brand' zu in den vergangenen beiden Jahren gut im Markt etablieren können. [Das Logo von Business Sunrise ist blau, im Gegensatz zum orangen Sunrise-Logo. Anm. der Redaktion]. Nun gilt es, unseren Marktanteil von etwa 10 Prozent deutlich zu steigern.
Einen Schwerpunkt werde ich deshalb darauf setzen, dass wir schneller, flexibler und fokussierter werden. Zudem braucht es, gerade nach den von ihnen angesprochenen vielen Änderungen der letzten Jahre, nun Kontinuität und Stabilität. Matchentscheidend wird aber letztlich vor allem eines sein: Eine noch bessere Qualität der Dienstleistungen, gerade weil in diesem Bereich auch der Preisdruck sehr hoch ist. Um dem entgegenzuwirken, muss schlussendlich die Qualität stimmen. (Das Gespräch führte Hans Jörg Maron)

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