"Buzzwords ohne Ende und Verstand"

18. September 2014, 14:49
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ERP-Kenner Eric Scherer blickt auf 2014: Der Markt ist gesättigt.

ERP-Kenner Eric Scherer blickt auf 2014: Der Markt ist gesättigt.
Einmal jährlich lädt Eric Scherer Business-Software-Anbieter zum Jahresrückblick. Scherer ist als Gründer des Beratungshauses i2s einer der profilitiertesten Kenner des (Schweizer) ERP-Marktes. Anders als der typische Schweizer Berater nimmt Scherer zudem kein Blatt vor den Mund und wagt sich auch einmal auf die Äste hinaus.
So sagte er denn gestern am "i2s Anbietertreff": "Der ERP-Markt in der Schweiz ist gesättigt." Er registriere eine sinkende Investitionsneigung und deutlich weniger Neuprojekte zur Ablösung alter ERP-Systeme. Der Grund ist eigentlich positiv: "Jeder hat ein ERP-System im Einsatz und es gibt keine Systeme mehr, die man ablösen muss, weil sie vom Anbieter nicht mehr unterstützt werden." Anbieter wie SAP oder ProAlpha hätten ihre Systeme geschickt marktfähig gehalten. Scherer plakativ: "Es gibt überhaupt keinen Grund, SAP R3 abzulösen."
Buzzwords ("ohne Ende und Verstand") um angeblich revolutionäre technologische Innovation seien in dieser Situation alles andere als hilfreich. "Buzzwords haben mit den realen Bedürfnissen der Kunden relativ wenig zu tun," sagte Scherer. Er erwähnte den SMAC-Technologie-Buzz (Social, Mobility, Analysis, Cloud). Einzig das Thema Mobility generiere Nachfrage im Markt. Kein einziger i2s-Kunde habe je nach "Cloud" gerufen, den Begriff "social" gebe es in Zusammenhang mit ERP schon gar nicht mehr und In-Memory (für schnelle Datenanalyse) sei nur eine interessante Labortechnologie. Scherer: "Mit Technologieschlagwörtern fördern wir die Investitionsneigung nicht."
"Jüngere Systeme machen glücklicher"
Scherer zeigte eine interessante Folie aus der neuesten Version der ERP-Zufriedenheitsstudie, in der die Zufriedenheit der Anwender mit der Einführung eines Systems und mit dem letzten Releasewechsel verglichen wird. Es zeigte sich deutlich, dass Anwender je zufriedener sind, je später der letzte Releasewechsel erfolgt ist. "Jüngere Systeme machen glücklicher," so Scherers prägnante Schlussfolgerung.
Anbieter müssten nun den Spagat schaffen und fähig sein, ihren Kunden neue Technologien (zum Beispiel mobile Frontends) anzubieten und gleichzeitig die alten Datenmodelle der vor vielen vielen Jahren eingeführten Systeme zu nutzen.
Komplexere Projekte, stagnierende Budgets
Der Berater dürfte den anwesenden Vertretern von grossen und kleinen Business-Software-Herstellern mit der Bemerkung, dass Projekte immer komplexer werden, die Budgets aber stagnieren, aus dem Herzen gesprochen haben. Zudem verstünden Anwender immer weniger von ERP und Geschäftsprozessen, beklagte der preisgekrönte Berater: "Kernsysteme müssen heute bis zu 25 Jahre bestehen. Das Know-how, das es braucht, um diese Systeme auszuwechseln, geht in dieser Zeit aber verloren," so Scherer.
Zum Schluss des unterhaltsamen Vortrags konstantierte der eloquente Berater-Veteran einen Paradigmenwechsel: Statt wie früher ein ERP-System einzuführen, zu betreiben und später auch wieder zu ersetzen, werden heute hybride Landschaften gebaut und anstelle von wenigen, klar definierten Usern gibt es immer mehr auch externe System-Anwender. (hc)

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