Carrupt: "Wir sind dezidiert gegen eine Swisscom-Privatisierung."

25. Juni 2008, 13:55
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Alain Carrupt ist ab dem 1. Juli neuer Präsident der Gewerkschaft Kommunikation. Im Antrittsinterview mit inside-it.ch spricht er über seine Haltung zur Swisscom-Teilung, Auslagerungen und den Stellenwert des Informatikerberufs.

Alain Carrupt ist ab dem 1. Juli neuer Präsident der Gewerkschaft Kommunikation. Im Antrittsinterview mit inside-it.ch spricht er über seine Haltung zur Swisscom-Teilung, Auslagerungen und den Stellenwert des Informatikerberufs.
Herr Carrupt, nach Ihrer Wahl zum Präsidenten der Gewerkschaft Kommunikation wartet viel Arbeit auf Sie. Wo werden Ihre Haupthemen liegen?
Alain Carrupt: Da sind natürlich die zwei grossen politischen Themen. Nebst der Postmarktliberalisierung werden uns die weiteren Privatisierungsschritte bei Swisscom beschäftigen. Daneben verfolgen wir weiterhin das Ziel, mit den Arbeitgebern in der Telekommunikations-Branche einen GAV auszuhandeln. Die Angestellten sollen kollektive Arbeitsbedingungen haben.
Bei Swisscom steht nebst der Teilprivatisierung auch eine Trennung von Netzbetrieb und Dienstleistungen zur Diskussion. Wo stehen Sie in dieser Debatte?
Alain Carrupt: Wir sind dezidiert gegen eine weitere Privatisierung von Swisscom. Das schadet dem Service Public und den Randregionen. Keine gute Sache also. In der Frage der Teilung von Swisscom begrüsse ich Initiativen wie den Comcom-Roundtable. So könnte eine marktwirtschaftliche Lösung gefunden werden. Auch die Vorschläge von Sunrise und Swisscom, die Netze gemeinsam zu bauen, finde ich prüfenswert. Die entscheidende Frage hier lautet allerdings: Wie werden die Investitionen geregelt? Geht es um das allgemeine Interesse oder bloss um Partikularinteressen von Swisscom und Sunrise?
Offshoring ist für viele Gewerkschaften ein rotes Tuch. Wie steht die Gewerkschaft Kommunikation zur Auslagerung von Informatik-Jobs in Billiglohnländer?
Alain Carrupt: Offshoring ist kein neues Phänomen in der Branche. Ein Stück weit müssen wir das auch einfach akzeptieren. In diesem Zusammenhang ist es enorm wichtig, die Arbeitsbedingungen im Ausland zum Thema zu machen. Grundsätzlich gilt für uns aber immer noch, dass in der Schweiz produziert werden soll. Wenn eine Auslagerung unvermeidbar ist, darf sie nicht auf Kosten von Schweizer Arbeitsplätzen gehen.
Könnten verstärkte Weiterbildung und Umschulungen ein Schritt in die richtige Richtung sein?
Alain Carrupt: Ganz klar, die Informatik muss als Beruf wieder einen höheren Stellenwert erhalten. Hier braucht es Initiativen der Unternehmen zusammen mit Universitäten und ETH. Die Verbesserung des Berufsbilds ist ein möglicher Hebel. Ein zweiter ist die Weiterbildung. Für die vielen kleinen Firmen der Branche ist das schwierig, das weiss ich. Aber die mittleren und grossen Unternehmen stehen hier in der Pflicht. Ein gutes Beispiel ist Swisscom zu Zeiten des Mangels an SAP-Spezialisten. Sie hat in Siders Überkapazitäten abgebaut, indem sie die Leute in dieses Feld hinein weitergebildet hat. (Das Gespräch führte Amir Ali)

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