CCC-Congress: Hacker zeigt, wie VW Tests manipulierte

28. Dezember 2015, 13:48
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Gestern begann der jährliche Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) in Hamburg.

Gestern begann der jährliche Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) in Hamburg. Rund 12'000 Hacker und Netz-Aktivisten haben sich angemeldet. Bei der 32. Auflage – kurz 32C3 – geht es vier Tage lang um Internet-Sicherheit, Freiheitsrechte im Netz und digitale Lebensweisen. Mehr als 200 Einzelsprecher und Gruppen sind dem Aufruf des Chaos Computer Clubs (CCC) gefolgt und präsentieren ihre Projekte in Vorträgen und Workshops.
Auf viel Aufmerksamkeint ist die Präsentation von Felix Domke und Daniel Lange gestossen, die sich mit der berühmten Software, die die Abgaswerte von VW-Dieselautos manipuliert, beschäftigt haben. Nachdem er in diesem Jahr vom Abgasskandal bei Volkswagen gehört hatte, wollte er selbst wissen, was es mit der Software auf sich hat – zumal sein eigenes Auto zu den manipulierten Fahrzeugen gehörte, sagte Domke. Er nahm sich die "Engine Electronic Control Unit" (Engine ECU) des Motors vor, eine Anfertigung des Herstellers Bosch, die von Automobilherstellern an ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden kann.
Es gelang Domke, die Software zu dekompilieren. Schon beim ersten Blick befand er: "Eine sehr interessante Art, Software zu schreiben." Noch stutziger wurde er dann, als er sich das Verfahren zur Reduzierung der Stickoxid-Emissionen näher anschaute. Die dafür verwendete Harnstofflösung mit dem Markennamen AdBlue wird von der Software gesteuert in den Abgasstrang eingespritzt. Domke wunderte sich über die dafür festgelegten Bedingungen: "Das Auto wird gezwungen, in einem alternativen Modell zu fahren, bei dem weniger AdBlue abgegeben wird als optimal."
Die Vermutung des Hackers: Für die Messung von Testwerten sollen ideale Ergebnisse erzielt werden, bei längeren Autofahrten und höheren Geschwindigkeiten wird an AdBlue gespart, um die Zeit bis zur fälligen Nachfüllung zu verlängern.
Bei der Messung von Emissionswerten gebe es in der Branche schon lange Verfahren, die sehr fragwürdig seien, kritisierte Daniel Lange, ehemals Head of IT Strategy bei BMW. "Die Daten die bei den Tests gemessen werden, stehen in keinem Verhältnis zur Realität." (sda / dpa / hc)
Die interessante Präsentation von Domke und Lange findet sich hier (Klick öffnet PDF, lange Öffnungszeit).

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