CDC-, Delec- und Gate-Angestellte flüchteten vor "Bechtle-isierung"

15. Mai 2007, 10:57
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Die Neupositionierung der drei sich im Besitz von Bechtle befindenden Schweizer VARs gefiel vielen Angestellten nicht. Umsatz im Schweizer Systemhaus-Geschäft weiter rückläufig. Coma kostete 9,5 Millionen Euro.

Die Neupositionierung der drei sich im Besitz von Bechtle befindenden Schweizer VARs gefiel vielen Angestellten nicht. Umsatz im Schweizer Systemhaus-Geschäft weiter rückläufig. Coma kostete 9,5 Millionen Euro.
Die deutsche Systemhaus- und E-Commerce-Gruppe Bechtle ist der grösste VAR in der Schweiz. Bislang merkten das vielleicht nur wenige, weil die Bechtle-Firmen noch ihre alten Namen hatten, wie etwa Delec, CDC IT oder Gate Informatic. Vergangenen September hat Bechtle eine Neupositionierung der IT-Systemhäuser in der Schweiz angekündigt. Mit einigen Ausnahmen werden die traditionsreichen Namen Delec, CDC und Gate verschwinden. Geplant ist, unter der Marke Bechtle IT-Systemhaus und Bechtle Data (Highend Business) in der Schweiz einheitlich aufzutreten. Die Logistik wird neu zentral in Rotkreuz für alle Schweizer Bechtle-Niederlassungen erbracht. Was für einen einheitlichen Marktauftritt durchaus Sinn macht, stiess bei den Mitarbeitenden auf Gegenwehr: Es gab Abgänge.
30 Mitarbeitende weniger
Bei Bekanntgabe der Neustrukturierung im September sagte Bechtle, zu gehen. Einige Angestellten taten es ihnen gleich. Bechtle-Chef Ralf Klenk sagt gegenüber inside-channels.ch: "Einige Mitarbeiter begrüssten unsere Massnahmen nicht. Sie teilten unsere Meinung über die Zukunft von Bechtle nicht." Die Zahl: 30 Mitarbeitende weniger per Jahresende.
Da die Bündelung der IT-Systemhäuser erst in drei bis vier Monaten abgeschlossen wird, kann wohl nicht ausgeschlossen werden, dass noch mehr Angestellte rebellieren. Heute beschäftigt Bechtle in der Schweiz inklusive der 70 Mitarbeitenden der vor einem Monat übernommenen Coma Services geht im Übrigen hervor, dass Coma 9,5 Millionen Euro gekostet hat. Bei 40 Millionen Franken Jahresumsatz scheint dieser Preis ein Schnäppchen zu sein.
Systemhaus-Umsatz rückläufig
Klenk bekräftigt, dass es in der Schweiz zu keinem Stellenabbau kommen wird. Im Gegenteil: Nach wie vor sei das Unternehmen auf Wachstum eingestellt und benötige deshalb immer mehr personelle Ressourcen. Doch seit dem Beginn der Neustrukturierung laufen die Geschäfte in der Schweiz nicht mehr so gut. Klenk sagt, im vergangenen dritten Quartal, also Juli bis September, sei der Umsatz im Schweizer Systemhaus-Geschäft um 35,6 Prozent eingebrochen. Dadurch resultierte für das gesamte 2006 im Schweizer Systemhaus-Geschäft ein Umsatzrückgang von 148,8 auf 138,1 Millionen Euro. Im ersten Quartal dieses Jahres ging in diesem Bereich der Umsatz wechselkursbereinigt um 3,2 Prozent zurück. Unter Berücksichtigung der Wechselkursrelation sank der Umsatz gar um 6,7 Prozent von 34,1 auf 31,8 Millionen Euro.
"Natürlich ist das nicht erfreulich, wenn der Umsatz zurückgeht", sagt Klenk. Doch Bechtle habe eine "sehr klare und umfassende" Neuorganisation unternommen. Die Schaffung eines einheitlichen Auftritts in der Schweiz sei ein laufender Prozess. Schon vergangenen September hatte Klenk im Interview mit inside-channels.ch gesagt, die Frage der Kunden und Lieferanten laute immer: "Warum tritt Bechtle mal als CDC, mal als Delec, mal als IT-Systemhaus, etc. auf?"
Weitere Übernahmen?
Gemäss Klenk schreiben die Schweizer Systemhäuser "over all" keine Verluste. Genauere Zahlen für die Auslands-Gesellschaften nenne das Unternehmen nicht. Im Bereich E-Commerce (ARP, Bechtle direct, Masy) sei man in der Schweiz "vorangekommen". Wie immer schloss Bechtle weitere Übernahmen in der Schweiz nicht aus. Der Kauf von Coma im April sei aber eine "aussergewöhnliche Gelegenheit" gewesen.
Eigentlich will sich Bechtle auf organisches Wachstum und Integration konzentrieren. Eigentlich. Aber – "wenn sich etwas ergibt" – schnappt Bechtle gerne zu. Ähnlich sieht es für den österreichischen Markt aus, wo Bechtle bislang überhaupt nicht vertreten ist. "Wir haben im Moment keine Optionen, die es sinnvoll erscheinen lassen, in den österreichischen Markt einzutreten", sagt Klenk. Doch: "Wenn wir dort reingehen, dann bin ich überzeugt, dass wir dort unsere Erfahrung für einen starken Auftritt verwenden können."
Umsatzanstieg und ein Rechtsstreit
Gesamthaft sehen die Geschäftszahlen von Bechtle für das erste Quartal gut aus. Der Umsatz stieg um 7,2 Prozent von 291 auf 311,9 Millionen Euro. Das Konzernergebnis vor Steuern (EBT) stieg – ohne Sondereffekte – um 21,3 Prozent auf 10,7 Millionen Euro, verglichen mit 8,8 Millionen Euro im Q1 des Vorjahres. Wie schon Ende April angekündigt, wird für das gesamte Jahr mit einem Vorsteuerergebnis von mindestens 50 Millionen Euro gerechnet. Der Jahresumsatz soll von 1,22 Milliarden Euro 2006 auf 1,3 bis 1,35 Milliarden Euro erhöht werden.
Interessant dürfte schliesslich die Passage im Geschäftsbericht sein, in der von einem beendeten Rechtsstreit die Rede ist. Klenk gab sich zugeknöpft, sagte nur, dass sich der Rechtsstreit auf eine Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Vorstandsmitglied bezieht. Der Rechtsstreit sei beendet. Zusammen mit dem Verkauf einer Immobilie in der Schweiz (Renens) entstanden dadurch Sondereffekte in der Höhe von 2,6 Millionen Euro. (Maurizio Minetti)

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