CeBIT 2007 – viel Firlefanz um viel IT

15. März 2007, 17:36
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Autos, Motorräder, Cabaret, Gewinnspiele, Talk-Runden, nackte Haut: All das gibt es an der weltgrössten IT-Messe in Hannover. IT kommt auch vor.

Autos, Motorräder, Cabaret, Gewinnspiele, Talk-Runden, nackte Haut: All das gibt es an der weltgrössten IT-Messe in Hannover. IT kommt auch vor.
Kurz nach sieben Uhr morgens herrscht im "Centrum für Büro- und Informationstechnik" in Hannover bereits Hektik. Obwohl die Tore der CeBIT erst um neun aufmachen, strömen bereits die ersten Aussteller und diverse Journalisten in die über zwei Dutzend Hallen und Pavillons. Es ist der erste von sieben Tagen an der weltgrössten IT-Messe und die Menschen verhalten sich, als gebe es kein Morgen.
Doch wenn die Prospekte aufgestellt, die Monitore eingeschaltet und der Teppich gestaubsaugt ist, kehrt allmählich wieder Ruhe ein und die 6059 Aussteller konzentrieren sich nun hundertprozentig auf die erhofften Besucher.
Alles digital – unter der Dusche
Eine besondere Anziehungsgraft auf diese übt die Einrichtung "Lifestyle@Cebit" aus. Verschiedene Hersteller präsentieren hier, wie das Wohnzimmer von morgen aussehen könnte. Apple zeigt das Konzept „iHome“ mit iPod und Soundsystem. Dabei werden aber nicht neue Produkte vorgestellt (das iPhone schon gar nicht), sondern bestehende zu einem Ganzen zusammengestellt, das dem Kunden das Gefühl von "totaler digitaler Kontrolle" geben soll.
Schon ungewöhnlicher sind da die Produkte des taiwanischen Herstellers NU. Das Unternehmen zeigt einen kleinen schnurlosen Fernseher, der auch wasserdicht ist. Dies soll den Vorteil haben, dass man nun auch in den wenigen ruhigen Minuten des Tages unter der Dusche seine Lieblingssendung schauen kann. Das deutsche Unternehmen Ad Notam präsentiert passend dazu einen grösseren Fernseher, der gleichzeitig ein Spiegel ist, wenn er ausgeschaltet ist. So ein Gerät darf natürlich im "digitalen Bad" von morgen nicht fehlen.
Mobilität = Musik und nackte Haut
Doch so nüchtern wie bei Lifestyle@Cebit in der Halle 2 werden die verschiedenen Neuheiten an der CeBIT meist nicht gezeigt. Vielmehr versuchen die Aussteller, mit besonderen Magneten die Massen anzuziehen. Nackte Damenbeine sind keine Seltenheit und es scheint, dass es in Hannover derzeit mehr Boliden gibt als in Genf. Auch rassige Motorräder dürfen nicht fehlen. Ein Memory-Hersteller hat gleich neben einem Motorrad eine nur mit einer kurzen Hose bekleidete Dame hingestellt, die vor einem interessierten Publikum von einem Künstler angesprayt wird. (Den Namen des Herstellers kann sich aber keiner merken.)
Dort, wo mobile Geräte präsentiert werden, ist die Musik am lautesten und die Shows sind am häufigsten. Wenn nicht gerade Glücksrad oder Puzzle gespielt wird, kann man sich bei Sony Ericsson als Star fühlen, denn der Handy-Hersteller hat dieses Jahr "Deutschland sucht den Superstar" an die CeBIT geholt. Man muss aber schon sehr laut singen, denn sonst könnte es sein, dass einen das Live-Radio vom O2-Stand übertönt. Die Talk-Runde bei der Deutschen Telekom hat angesichts dieses Sound-Chaos wenig Chancen auf Zuhörer.
Bescheidene Asiaten
Doch es geht auch anders. Dies beweisen vor allem die Aussteller aus Asien. Und solche gibt es schliesslich sehr viele: 602 kommen aus Taiwan, 471 aus China, 215 aus Südkorea, 197 aus Hongkong. Zum Vergleich: Aus den USA kommen 195, aus der Schweiz 64. Zwar organisierte der südkoreanische Hersteller Samsung mit der "Samsung Football Zone" und einem Game-Turnier (Bild) eine grosse Show, doch das Unternehmen präsentiert die eigenen Handys unter Samsung Mobile dezent ohne Pauken und Trompeten.
Grösstenteils fernöstlich kontemplativ zu und her geht es auch in den Hallen 20 und 23 (Digital Equipment and Systems), wo es ganze Abschnitte mit asiatischen Firmen gibt, die jeweils bloss eine kleine Fläche gemietet haben. Der Motherboard-Hersteller Foxconn ist ebenfalls mit einem bescheidenen Auftritt an der CeBIT präsent. Dies fällt besonders auf, weil in der Nähe bei Intel aus einem abgetrennten Raum dann wieder Geschrei zu hören ist: Es wird Counter-Strike gespielt. Und Intel-Konkurrent AMD hatte die tolle Idee, ein Cabaret-Duo damit zu beauftragen, dem meist sehr jungen Publikum USB-Sticks zu verschenken. Ihre Aufgabe ist es, so laut wie möglich nacheinander "AMD" und "Live" zu schreien.
Der seriöseste Teil der CeBIT bleibt den Businesssoftware-Herstellern überlassen. Man kann in aller Ruhe die verschiedenen CRM-Lösungen von SuperOffice, SAP oder Microsoft testen und Einzelheiten vergleichen. Hier sind Shows und Tänze offensichtlich nicht nötig. Auch die Halle 17 (Banking & Finance) ist eine Oase der Ruhe, verglichen mit den oben genannten Show-Hallen.
Ob der Anteil der ruhigeren Hallen nächstes Jahr kleiner oder grösser werden wird, kann man heute noch nicht sagen. Sicher ist, dass die CeBIT 2008 nur noch sechs Tage dauern und an einem Montag beginnen wird. So umgeht man den Sonntag, der für fast alle Aussteller ein verlorener Tag ist. Für fast alle. Denn diejenigen, die auf Unterhaltung setzen, dürften an Wochenendtagen die meisten Besucher haben. Doch die Deutsche Messe AG muss sich entscheiden, ob sie nächstes Jahr wieder eine Show durchführen, oder ob sie sich auf Business-to-Business konzentrieren will. (Maurizio Minetti)

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