CeBIT Tag 6 – Dornen in Microsofts Pfote

14. März 2006, 15:22
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Der Redmonder Löwe brüllte und einmal mehr liefen alle zusammen, um seinen Botschaften zu lauschen.

Die Dorne in Microsofts Pfote: 12 Quadratmeter OpenOffice.
Ein neues Betriebssystem, neue Office-Revisionen, neue Server, Microsoft hat demnächst seine ganze Produktpalette einmal mehr runderneuert. Zudem man alle auf der Windows-Plattform aufsetzenden Konkurrenten aus dem Feld geschlagen hat. eigentlich sollte nun Frieden und Wohlstand für alle im Königreich Bills des Grossen einkehren.
Aber es geht dem Unternehmen wie Cäsar in Asterix' Gallien. Mit OpenOffice Org. gibt es einen kleinen Dorn in der Pfote des Herrschers, der sich zu einer üblen Entzündung entwickeln könnte. In der aktuellen Revision 2.0.2 hält die Office-Suite, die auf dem OpenDocument-Format OASIS aufsetzt, bei Linux Desktop-Anwendungen schon einen Marktanteil von 80 Prozent. Thomas Krumbein, Vorstand der Deutschen OpenOffice e.V. und auf der CeBIT für das Marketing der Suite zuständig, schätzt den Anteil bei den Windows-Systemen dagegen auf vier bis fünf Prozent. Mittelfristig, sagte er in einem Interview mit inside-it.ch, sollten es rund 20 Prozent werden. Eine sicherlich schmerzhafte Grösse, wenn die Akzeptanz auch von Land zu Land noch stark schwankt.
Er glaubt, dass man bei Microsoft, trotz anders lautenden internen Weisungen, die freie Software noch nicht wirklich ernst nimmt. Doch spätestens, wenn kommerzielle Fachapplikationen, und SAP wären da ganz vorne dabei, ihre Schnittstellen fertig hätten, würde der Druck auf den Marktführer wachsen, glaubt Krumbein. Denn dann hätten Unternehmen die freie Wahl bei der Office-Suite, ohne auf notwendige Anwendungen verzichten zu müssen. Dieser Prozess soll für viele Lösungen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Betrachtet man das Potential von OpenOffice und schaut dann auf den gerade einmal zwölf Quadratmeter messenden Stand, dann kommt einem der Asterix-Vergleich gar nicht mehr so lächerlich vor.
Microsoft CRM und der Mittelstand
Schwerer als erwartet tut sich Microsoft auch mit seiner CRM-Lösung. Nachdem man selber zugeben musste, dass die Version 1.2 deutlich zu früh und unfertig auf den Markt geworfen wurde, hat Microsoft ein weiteres Jahr Arbeit investiert und mit Dynamics CRM 3.0 eine solide Lösung präsentiert. Im Gespräch mit Jörg Wolf, Consultant der PASS Consulting Group, einem der führenden deutschen Microsoft-Partner für CRM-Implementierung, zeigen sich aber auch die Ecken und Kanten der Lösung. Dynamics CRM 3.0 ist keine Cash & Carry-Lösung wie Office oder XP. "Man kann nicht einfach irgendwo einen Router fallen lassen" umschreibt er die Komplexität der Implementierung der Software. Die Anpassung und Integration der auf "General Purpose" ausgelegten Software an die individuellen Anforderungen des Kunden sei für viel Mittelständler ungewohnt und stosse durch die zwangsläufige Störung von Arbeitsabläufen auf Ablehnung, sagte uns Wolf.
Open-Source-CRM: Megathema 2007?
Und einmal mehr droht auch hier Ärger aus der Open Source-Ecke. So erzählte Cristian Wever, Key Account Manager der Linux Information Systems AG inside-it.ch, dass man Business Applikationen, und allen voran CRM-Lösungen für 2007 eigentlich als Top-Thema in der Linux-Gemeinde erwarten würde. "2005 waren Office-Applikationen das Thema der Spezialisten und heute findet man sie an jedem Stand. Denselben Status hat CRM-Software dieses Jahr." Wer nicht so lange warten will, findet aber entsprechende Produkte auch jetzt schon, sowohl als kommerzielle Linux-Software, als auch als OpenSource-Lösung. (Thomas Mironiuk)
(Foto: Thomas Mironiuk)

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