CeBIT Tag 7 – Schöne heile CeBIT-Welt

15. März 2006, 17:19
  • international
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CeBIT-Fazit im Weichzeichner: Alles paletti, meinte die CeBIT-Leitung. Trotz 30'000 Besuchern weniger als im Vorjahr.

CeBIT-Fazit im Weichzeichner: Alles paletti, meinte die CeBIT-Leitung. Trotz 30'000 Besuchern weniger als im Vorjahr.
Die CeBIT 2006 geht heute zu Ende und die Verantwortlichen luden zur Abschlusskonferenz. Da waren sie nun, Harald Stöber vom BITKOM-Präsidium, Sepp Heckmann, Ernst Raue und Stephan Kühne, Vorstandsvorsitzender respektive Mitglieder des Vorstands der Deutschen Messe AG, sowie einige andere einschliesslich des Unternehmenssprechers Michael Gaide. Und alles ward gut.
Übertroffene Ausstellererwartungen und 20 Prozent mehr Vertragsabschlüsse als 2005 konnte Herr Raue vermelden. Bei den Meldungen zu den Besucherzahlen wurde der Vergleich schon etwas vager. 450.000 Besucher, ein Fachpublikumsanteil von rund 85 Prozent und "eine im Vergleich zu anderen ITK-Messen unerreichten Internationalität von rund einem Drittel" verkündete er stolz.
Warum regt sich da der kleine Teufel Statistik und sagt das habe doch einen Pferdefuss? Vielleicht, weil schon zur Halbzeit 6000 Besucher weniger da waren, als im Jahr zuvor und keine Gesamtvorjahreszahlen mitgeliefert werden? Letztes Jahr meldete die CeBIT-Leitung am Mittag des letzten Tages 480'000 Besucher.) Vielleicht weil 6362 Aussteller mit durchschnittlich einmal vorsichtig geschätzt je drei Mitarbeitern mindestens 19'000 Fachbesuchern gleich selbst besteuern und die Pressevertreter nicht einmal mitgezählt sind? Vielleicht weil ein 30 Prozent Anteil internationaler Besucher bedeutet, dass die auf der Computex in Taiwan überwiegend als nationale Besucher zählen, ohne dass ihre Wichtigkeit darunter im geringsten leidet?
Wie alljährlich stimmte auch der deutsche IT-Branchenverband BITKOM in das Hohelied der IT-Branche als Wachstumsmotor mit ein. "Die professionellen Anwender sind mit einer hohen Investitionsbereitschaft auf die Messe gekommen", sagte Harald Stöber und vergass seine Definition von professionelle Anwender mitzuliefern. Wenn allein die Telekommunikationsunternehmen, wie schon vorab zu vermuten gewesen wäre, sich der Herausforderung von sinkenden Mobilfunkpreisen, Voice over IP und Skype & Co. durch Investitionen in ihre Infrastruktur stellen, ist das ganze schöne Auftragsplus aufgebraucht. Und die BITKOM ist der Verein, der vor einem Jahr an gleicher Stelle 10'000 neue Jobs für Deutschland voraussagte, von denen gerade einmal 4000 geschaffen werden konnten. Einmal sehen was von den 2,4 Prozent Wachstum des ITK-Gesamtmarktes übrig bleiben wird.
Irgendwas fehlt
Grundlage dieses Zweifels sind acht Tage störungsfreie Anfahrt über den Messeschnellweg ohne einen Hauch eines Staus. Ist ein Altersdurchschnitt der Besucher an drei der sieben Messetage von unter 18 Jahren. Ist der subjektive Eindruck dass irgendetwas fehlte und zwar nicht nur Halle 21, die den Logistikunternehmen als Lagerhalle dient.
Dabei ist die CeBIT sicherlich auch in den nächsten Jahren eine wunderbare Business-Plattform. Nur dürfen sich Aussteller nicht auf einen Automatismus verlassen. Einladungen und Termine mit Kunden sind ein muss, da "Laufkundschaft" allein die Kosten nicht wieder einspielt. Und immer stärker wird die Notwendigkeit für die kleinen Partner grosser Player wie SAP oder IBM sich gegenüber dem Mitbewerb auf dem eigenen Stand durchzusetzen. Denn ohne Guide ist die Frage an welchem von 30 ERP-Ständen ein Interessent stehen bleibt ein reines Vabanquespiel.
Die CeBIT ist und bleibt in der Tat die wichtigste ITK-Messe für Europa und einer der grössten IT-Märkte bedarf auch eines solchen Angebots. Aber das sture Festhalten an überkommenen Strukturen und Preislisten für Aussteller, muss hinterfragt werden. Die Teilname an der CeBIT ist ein kostspieliges Unterfangen und sollte für die Mehrzahl der Aussteller zu entsprechenden Umsatz und Gewinnsteigerungen führen. Also sollte der Fokus weniger auf internen Grössen wie absolute Besucher- oder Ausstellerzahlen liegen, so sehr man der Deutschen Messe AG auch ein schönes Unternehmensergebnis wünschen mag. Wenn Kundeninformation nicht im Messekatalog auftaucht, weil jede Zeile mit Gold aufgewogen wird, dann gehen wichtige Impulse verloren. Anders kann man nicht erklären dass keine der Kategorien, nach denen der Wälzer sortiert ist, auch nur annähernd an das im Preis inbegriffene Gesamtverzeichnis heranreicht. Und wenn ein Dienstleister seinen Kunden nicht weitestgehend hilft erfolgreich zu sein, warum sollten diese dann wiederkommen? Aus Mangel an Alternativen? Die haben sich immer von allein geschaffen, sobald eine Nachfrage da war. (Thomas Mironiuk)
(Bild: Die CeBIT-Abschluss-PK. Der Stimmung angemessen mit viel Weichzeichner aufgenommen.)

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