Ceconomy übernimmt Media Markt und Saturn vollständig

16. Dezember 2020, 11:25
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Nach einem jahrelangen Streit gehen die Anteile von Convergenta und der Familie Kellerhals an Ceconomy. Im neuen Jahr will die Handelskette wieder wachsen.

Ceconomy und Convergenta Invest, eine Beteiligungsgesellschaft der Familie Kellerhals, hätten sich über die Neuordnung ihrer Beteiligungen an der Media-Saturn-Holding geeinigt, um die Eigentümerstruktur zu vereinfachen, teilt das Unternehmen mit.
Ceconomy wird die von der Familie Kellerhals gehaltene Beteiligung von 21,62% komplett übernehmen. Dafür bekommt die Kellerhals-Familienholding Convergenta eine Beteiligung von 25,9% an Ceconomy, Wandelanleihen im Wert von 160 Millionen Euro und 130 Millionen Euro in bar. Laut Ceconomy beträgt der Wert der Transaktion auf Basis des aktuellen Ceconomy-Aktienkurses insgesamt 815 Millionen Euro. Die Hauptversammlung muss den Plänen im kommenden Februar noch zustimmen.
Der im Dezember 2017 verstorbene Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals hatte sich als Minderheitsaktionär immer wieder über die strategische Ausrichtung der Kette beklagt und ging deswegen auch vor Gericht. Nachdem der Elektronikhandel 2017 von der Metro-Gruppe an die Ceconomy AG ausgegliedert worden war, wurden die Gespräche mit den Kellerhals-Erben über die Beteilung wieder intensiviert.
"Mit dieser Einigung haben wir die Zeit vergangener Konflikte hinter uns gelassen und eine gute Lösung im Sinne aller Beteiligten gefunden", erklärte Ceconomy-Chef Bernd Düttmann. Mit der Neuorganisation der Gesellschafterstruktur sollen die komplizierte Struktur des Konzerns vereinfacht werden. Das Unternehmen erhofft sich dadurch Einsparungen in Millionenhöhe.

Holding schreibt Verlust

Ceconomy legte auch das Ergebnis zum Geschäftsjahr 2019/20 vor. Zum Jahresende habe Ceconomy, trotz mehr als sechswöchiger Covid-19-bedingter Marktschliessungen, einen Umsatz von rund 20,8 Milliarden Euro erzielt, was einem Rückgang von 1,8 % entspricht. Das Ergebnis liege mit einem bereinigten EBIT von 236 Milionen Euro deutlich über der aufgrund der Covid-19-Entwicklung aktualisierten Prognose, so das Unternehmen. Unter dem Strich und nach Minderheiten schrieb Ceconomy allerdings einen Verlust von 237 Millionen Euro.
Mittelfristig soll der Umsatz auf über 22 Milliarden Euro wachsen. Dazu soll das Onlinegeschäft weiter ausgebaut werden und einen Umsatzanteil in Richtung 30% erreichen. Auch die stationären Läden sollen neu aufgestellt werden: Den Schwerpunkt des Portfolios sollen weiterhin die klassischen "Core"-Märkte mit einer Fläche von durchschnittlich 1750 Quadratmetern bilden. Deutlich kleinere "Smart"-Märkte sollen den Fokus auf eine schnelle Mitnahme von Produkten und Service legen.
Im August hatte Ceconomy bekannt gegeben, Filialschliessungen und einen Stellenabbau zu prüfen. Gemäss Geschäftsbericht beschäftige Ceconomy in der Schweiz per 30. September 923 Mitarbeitende gegenüber 1014 im Vorjahr. Konzernweit ging die Zahl von rund 58'000 auf knapp 53'000 zurück.

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