Centerprise für KMU: Gegen Swisscom rudert man upstream

24. Januar 2006, 17:49
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Wie stehen die Chancen für das gemeinsame Kind von Cablecom, redIT und Green?

Wie stehen die Chancen für das gemeinsame Kind von Cablecom, redIT und Green?
Das gestern an der Ciscoexpo 2006 vorgestellte Produkt "Centerprise" ist eine Bündelung von Angeboten von der drei Partner Cablecom, RedIt und Green. Davon können sich die neuen Partner sicher einige Vorteile durch die Standardisierung und Vereinfachung des Angebotes erwarten, ob dies allerdings wie angekündigt eine "Revolutionierung des KMU-Segments" bedeutet, bleibt fraglich. (Wie sich Centerprise genau zusammensetzt und was es kostet haben wir bereits gestern beschrieben)
Die von den Partnern behauptete Kostenersparnis von durchschnittlich 20 Prozent für einen "Centerprise"-Kunden lässt sich momentan nicht überprüfen, da über den Grundpreis hinaus noch keine Angaben zur präzisen Kostenstruktur der Optionen (mehr als 10 Arbeitsplätze, zusätzliche Security, VPN usw.) bekannt gegeben wurde. Sobald das Pricing vollständig bekannt ist, wird es zuerst den Preisvergleichsdiensten und ICT-Beratern Arbeit bescheren.
Mit der Bündelung des Angebotes in ein definiertes Paket selbst betritt das Trio nicht wirklich Neuland. Die Bedürfnisse der einzelnen KMU entscheiden, wie interessant das neue Angebot sein wird. Für die Einen wird das neue Leistungsbündel genauer passen, und dann ist es prüfenswert. Dies betrifft zum Beispiel diejenigen Firmen, die sich für einen externen Exchange-Server entscheiden. Generell sind Angebote aus einer Hand für Leistungen, die bisher von verschiedenen Lieferanten abgedeckt wurden sicher längerfristig interessant. Für andere wird sich eventuell ein Preisvorteil ergeben, was aber eben erst nach Bekanntgabe der vollständigen Kostenstruktur geprüft werden kann.
"Never change a running system"
Und so kommen wir zum angepeilten Kundensegment KMU. Von den angepeilten rund 34'000 Firmen haben 29'000 zwischen 10 bis und 50 Arbeitsplätzen. Das ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten dieser Betriebe, eine rein statistische Aussage über die Betriebsgrösse. Die meisten der wesentlichen Faktoren für die Attraktivität von "Centerprise" sind jedoch so verschieden wie sie nur sein können. Generell ist der Bedarf an ICT-Leistungen schon sehr unterschiedlich. Dieser Bedarf wird jetzt schon irgendwie abgedeckt, und wenn diese bestehende Lösung zufrieden stellend ist, werden viele KMU von einer Änderung zurückschrecken. Da ist eine Kostenersparnis allein für viele sicher nicht das entscheidende Argument. Die Philosophie "never change a running system" ist nicht grundlos weitverbreitet. Auch die generelle Akzeptanz für neue Lösungen und Outsourcing im eigenen Geschäft ist im Bereich der KMU stark unterschiedlich, wie auch der Rhythmus von Abschreibung und Einsatz neuer Systeme. Dies sind nur einige der Faktoren, die für einen möglichen Wechsel auf "Centerprise" entscheidend sind.
Eine derartige Vielfalt von verschiedenen Betrieben eignet sich generell schlecht für Revolutionen. Änderungen finden nur langsam und stetig statt. Und nur so können die Anbieter von “Centerprise” an Boden gewinnen. Dies wird vielleicht auch ihr Glück sein, denn das Angebot steht und fällt mit einer guten Service-Struktur. Ein schneller Ausbau eines qualitativ hochstehenden Support-Netzes wenn die Kundenzahlen explodieren, ist ein Problem, an dem schon verschiedene Firmen gescheitert sind. Das Vertrauen in die Anbieter könnte in diesem Fall genauso schnell schwinden wie die Umsatzzahlen steigen.
Und entscheidend werden Vertrauen und Kundenbeziehung sein, nicht die eventuelle Kostenersparnis. Denn diese Kostendifferenz kann von Swisscom und Co. mit einem Federstrich reduziert werden. Es ist ja auch damit zu rechnen, dass diese ihre Angebote fortlaufend erweitern werden, um punkto Angebotsstruktur gleichzuziehen. Denn Swisscom wird in diesem Bereich nicht schlafen. (Rolf Zopfi)

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