CES im Zeichen der Konvergenz und schnellen Internet-Anbindung

10. Januar 2012, 14:19
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Flachbildfernseher mit Internetanschluss mögen auf der CES 2012 IT-Produkten die Show stehlen, zeigen aber mit dem Stichwort Konvergenz, wie sehr alles zusammenwächst. Für die superschnelle mobile Anbindung soll LTE sorgen.

Flachbildfernseher mit Internetanschluss mögen auf der CES 2012 IT-Produkten die Show stehlen, zeigen aber mit dem Stichwort Konvergenz, wie sehr alles zusammenwächst. Für die superschnelle mobile Anbindung soll LTE sorgen.
Die heute eröffnete Consumer Electronics Show oder kurz CES 2012 in Las Vegas stellt zwar, wie der Name schon sagt, Unterhaltungselektronik in den Mittelpunkt, bietet aber auch jede Menge Raum für Themen aus der ICT-Welt. Mit internetfähigen Fernsehern, Blu-Ray-Playern und Surround-Anlagen mit integriertem Web-Radio wachsen CE und ICT ohnehin immer mehr zusammen. Was Trends in der ICT-Welt angeht, konzentriert sich die internationale Berichterstattung auf Ultrabooks und Tablet-PCs, Long Term Evolution, kurz LTE, als neuen Standard für superschnelles mobiles Internet mit dem Dauerbrenner Smartphones und das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8.
"Jahr des Interfaces"
Als indirekte Kritik an der eigenen Branche wertet 'Heise' die am Sonntag auf einer Pressekonferenz gemachte Aussage von Shawn DuBravac vom CES-Veranstalter CEA, dass 2012 zum "Jahr des Interfaces" werde. Denn die Bedienbarkeit der viel gelobten Smart-TVs, Flachbildfernseher mit erweiterten Internetfunktionen, bleibe immer noch vielfach auf der Strecke. Als positive Ausnahme hob DuBravac die Magic-Wand-Fernbedienung von LG Electronics hervor, weil diese ähnlich wie bei der Wii von Nintendo mit Bewegungsteuerung arbeitet.
Überhaupt hat sich der CEA-Chefökonom schwer getan, die Trends der CES 2012 zu benennen, denn der Trend vom Push- zum Pull-Prinzip in der Unterhaltungselektronik mit Video on Demand auf dem Smart-TV zum Beispiel zeichne sich schon seit Jahren ab. Weitere von ihm benannte Trends wie "Portable versus Pocketable" (tragbar gegenüber hosentaschentauglich), "Intelligenz der Dinge", "Sensorisierung der Unterhaltungselektronik" und "Applifizierung" scheinen auch wenig fassbar zu sein.
Die Abwesenheit der "Grossen"
Microsoft-Chef Steve Ballmer (Foto) hat bei seiner Eröffnungsrede nicht nur eine zweite Testversion des neuen Betriebssystems Windows 8 für Ende Februar 2012 angekündigt, sondern auch bekräftigt, dass dies samt seinem Unternehmen vorerst sein letzter Auftritt auf der CES sein werde. Für viele geht damit eine Ära zu Ende, denn seit 1995 stellt der Softwareriese aus Redmond stets den Eröffnungsredner. CEA-Chef Gary Shapiro hat in einem Interview den schon im Dezember bekanntgegebenen Abschied von Microsoft heruntergespielt und dabei auch die Zuversicht geäussert, dass das Unternehmen bald wieder zurückkehren werde. Wie die 'New York Times' schreibt, soll allein die Produktion der Keynote Microsoft rund eine Million Dollar pro Jahr gekostet haben.
Auch wenn andere Gründe wie eine zu wenig auf B2B-Themen ausgerichtete Besucheransprache oft vorgeschoben werden, sind es nicht selten die hohen Kosten, die dazu führen, dass immer mehr Branchenriesen den Publikumsmessen den Rücken kehren. HP hatte zuletzt 2009 einen eigenen Auftritt in Las Vegas und ist jetzt unter anderem mit Ultrabooks am Intel-Stand vertreten. Vorbei die Zeiten, da man auf der CES in Las Vegas, der CeBIT in Hannover oder der IFA in Berlin von einer rauschenden Party zur anderen geschoben wurde.
Kinect für Windows
Wie dem auch sei. Ballmer lobte auf seiner vorerst letzten Eröffnungsrede auf der CES den Erfolg der eigenen Produkte. So sei Windows 7 seit Einführung im Oktober 2009 schon 500 Millionen Mal verkauft worden. Über 1,3 Milliarden Computer weltweit würden schon unter Windows laufen. Office 2010 habe sich binnen kurzem zur meist verkauften Bürosoftware entwickelt. An den Erfolg soll Windows 8 im zweiten Halbjahr 2012 anknüpfen. Grosse Hoffnungen verknüpft Ballmer auch mit der Allianz mit Nokia, die Windows Phone aus der Flop-Nische befreien soll. Kein Flop ist derweil die Microsoft-Spielekonsole Xbox 360, die laut Ballmer seit 2005 global schon etwa 66 Millionen mal verkauft wurde, im September waren es nach damaligen Zahlen noch 57,6 Millionen Stück.
Grosse Hoffnungen verbindet Ballmer in dem Zusammenhang auch mit der Microsoft-Bewegungssteuerung Kinect für Windows, die ab dem 1. Februar 2012 verfügbar sein soll und unter den rund 200 Partnern für die Anwendungsentwicklung auch Toyota, Mattel und American Express weiss. Zunächst soll das Produkt aus Hard- und Software in zwölf Ländern auf den Markt gebracht werden. Der US-Preis wird mit 249 Dollar angesetzt, die Version für den Bildungsbereich soll 100 Dollar weniger kosten.
OLED im Kommen
Während sich die Non-Apple-Fraktion von Herstellern mit Ultrabooks und Android-Lösungen im Bereich Smartphones und Tablet-PCs redlich bemühen, gegen iPad, iPhone und MacBook Air Flagge zu zeigen, ist die Firma mit dem Apfel zwar selbst nicht auf der CES vertreten, wirft aber stärker als jemals zuvor ihren Schatten über die Messe. Und sie gibt auch mehr und mehr den Takt vor, in welche Richtung die Produktentwicklung bei der Konkurrenz geht. Dabei ist Apple auch oft Wegbereiter für Neues wie etwa Bluetooth 4.0, das zwar nicht abwärtskompatibel ist, aber als extrem stromsparend eine Vielzahl von Produkten anbinden soll, die bisher offline waren. Innovativ zeigt sich in dem Bereich übrigens Casio mit entsprechenden Sportuhren zum Messen von Puls und anderen Bio-Daten.
Seit den 1990er Jahren werden organische Leuchtdioden, kurz OLEDs, als die überragende Display-Technologie prophezeit, doch für grosse Bildschirme hat sich die Produktion stets als zu teuer und mit zu hohem Ausschuss verbunden gezeigt. Hauptanwendung sind daher nach wie vor Handys wie das Samsung-Smartphone Galaxy SII, das mit einer hervorragenden Bildqualität glänzt. Das könnte sich aber bald ändern, denn wie in Industriekreise vor Monaten schon bekannt war, nutzen Samsung und LG Electronics die CES 2012, um 55 Zoll grosse OLED-Fernseher zu präsentieren. Der erste marktfähige OLED-Fernseher war auf der IFA 2008 der XEL-1 von Sony. Der bringt es allerdings nur auf 11 Zoll Bilddiagonale und kostete anfangs mehr als 4'000 Euro. Man darf gespannt sein, wie viel Kunden für die 55-Zöller der koreanischen Riesen berappen müssen, sofern die Geräte, wie geplant, Ende des Jahres tatsächlich auf den Markt kommen. Denn bisher ist es im Grossen nur bei Prototypen geblieben.
"Frische" Nokia-Phones
Im Smartphone-Bereich kündigen sich auf der CES eine Reihe von Geräten mit den neuen Mobilfunkstandard LTE an. Auch als 4G bezeichnet, soll dieser bis zu 300 Megabit pro Sekunde versprechen und somit noch wesentlich schneller sein als UMTS. Nokia rüstet damit das neue Flaggschiff Lumia 900 für Nordamerika aus, Samsung den Smartphone-Riesen Galaxy Note mit 5,3Zoll-Display. Nokia-Chef Stephen Elop meinte, dass man zuversichtlich sei, in Zusammenarbeit mit AT&T 4G-Smartphones in den USA zum Erfolg zu führen. Dabei hat der ehemalige Microsoft-Manager auch die Wahl der Plattform pro Windows Phone mit den Worten verteidigt, dass diese eine "frische, andere und zeitgemässe Nutzererfahrung" biete und sich sowohl von Apple als auch von Android abhebe.
Zur Frage, was Nokia mit Windows Phone gegenüber dem iPhone auszeichne, sagte er sinngemäss, dass Services wie Facebook, Twitter und LinkedIn tief im System verankert seien und es daher nicht mehr nötig sei, sich nach dem Rein-Raus-Prinzip von einer Anwendung zur nächsten zu hangeln.
Für die CES 2012 rechnen die Veranstalter von CEA (Consumer Electronics Association) mit 2'700 Ausstellern nach 2'800 im Vorjahr. Die Zahl der Besucher soll in etwa auf Vorjahresniveau gehalten werden, womit die Zahl von rund 149'000 angepeilt wird. Die weltweiten Umsätze sollen 2012 von 993 auf 1'038 Billionen Dollar anwachsen, wobei China und andere Schwellenländer Asiens mit 18 Prozent laut CEA das grösste Wachstumspotenzial versprechen. Mit einer Wachstumsprognose von 11 Prozent gut dabei ist auch Lateinamerika, während der Umsatz in den Industrieländern USA, Westeuropa, Japan und Südkorea in diesem Jahr mit 557 Milliarden Dollar weiterhin stagnieren soll. (kh)

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