CH-Banken: 50'000 Franken IT-Kosten pro Jahr und Mitarbeiter

1. Juli 2008, 14:20
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IT-Kosteneffizienz letztes Jahr leicht gesunken.

IT-Kosteneffizienz letztes Jahr leicht gesunken.
Haben Sie einmal gefragt, wieso der Finanzbereich ein so heisser Markt für IT-Anbieter aller Art ist? Die Antwort ist einfach: Banken geben viel Geld für ihre IT aus. Sehr viel. Gemäss einer aktuellen Studie des Zürcher Beratungsunternehmens itopia waren es letztes Jahr im Schnitt 49'000 Franken pro Mitarbeiter. Zum Vergleich: Bei KMU liegen die IT-Kosten typischerweise bei 500 bis 2000 Franken pro Jahr und Mitarbeiter, und erreichen nur sehr selten mehr als 10'000 Franken.
Dabei sind die Unterschiede bezüglich der IT-Ausgaben zwischen den Banken sehr gross. Die IT-Ausgaben pro Mitarbeiter (ohne zusätzliche Kosten für Datenfeeds) reichten von knapp 30'000 bis zu über 80'000 Franken. Bei der von itopie errechneten "IT-Effizienz", bei der die IT-Kosten auf die grösse einer Bank sowie das von ihr verwaltete Vermögen bezogen wird, beträgt die Spannweite sogar rund 400 Prozent.
Die unterschiedliche Höhe der IT-Kosten dürfte also durchaus ein Faktor im Konkurrenzkampf sein. Allerdings gibt auch die von itopia errechnete IT Kosteneffizienz keine Auskunft darüber, was sich die Banken mit ihren höheren oder tieferen IT-Kosten genau erkaufen, beziehungsweise ob höhere IT-Kosten, zum Beispiel durch einen höheren Automatisierungsgrad, an anderer Stelle noch höhere Einsparungen bewirken.
Unterschiede zwischen Retail- und Privatbanken
Itopia führt die Kostenstudie unter Schweizer Banken seit dem Jahr 2000 durch. 2007 machten 28 Banken, darunter 15 Retailbanken, 4 Universalbanken und 9 Privatbanken, Angaben zu ihren IT-Kosten.
Retailbanken scheinen dabei tendenziell etwas weniger Geld pro Angestellten für IT auszugeben, als Privatbanken, die Informatik macht aber trotzdem einen höheren Anteil an den Gesamtbetriebskosten der Retailbanken aus. Auch in dieser Beziehung gibt es allerdings wiederum beträchtliche individuelle Unterschiede: Die Werte reichen von knapp 15 Prozent bis rund 33 Prozent bei Retailbanken und von knapp 10 Prozent bis knapp 25 Prozent bei Privatbanken. Bezüglich der "IT-Kosteneffizienz" gemäss itopia gibt es dagegen keine Unterschiede.
Inhouse effizienter als Outsourcing?
Zeitliche Entwicklungen sind trotz der jährlichen Durchführung der Studie nicht einfach herauszulesen. So schien sich die durchschnittliche IT-Kosteneffizienz nach 2000 tendenziell zu verbessern, liess aber 2007 gegenüber 2006 wieder nach. Itopa fragt sich, ob sich darin das Ende der Kostensparära in der IT wiederspiegle, oder möglicherweise auch die Zusatzkosten für Migrationen auf Core-Banking-Systeme.
Itopia versucht zusätzlich jährlich einen Vergleich der Kosteneffizienz von verschiedenen IT-Bezugsmodellen (Siehe Grafik oben. Je tiefer der Wert desto höher die Effizienz). Dabei schnitt "Outsourcing" in den ersten Jahren ab 2002 jeweils schlechter ab als "Inhouse" oder die Zwischenform "Package". 2006 waren die Unterschiede dann verschwindend klein und 2007 schneidet nun die Bezugsform "Package" am schlechtesten ab, während "Inhouse Development", wie in den Jahren zuvor, am kosteneffizientesten erscheint.
Unter "Outsourcing" versteht itopia den Einsatz eines Standard-Core-Banking-Systems und die Auslagerung des IT-Betriebs. Bei "Inhouse-Development" liegt sowohl die Entwicklung der Banking-Software als auch der IT-Betrieb bei der internen IT-Abteilung. Bei "Package" wird eine Standardsoftware eingesetzt, aber der Betrieb bleibt im Haus. (Hans Jörg Maron)

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