.ch-Domains: Grosse Hoster gewinnen

22. Januar 2015, 10:12
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Beim grossen Domain-Transfer dürften sich vor allem etablierte Player über neue Kunden freuen. Derweil konzentriert sich Switch auf ihre Rolle als Registry - doch diese Funktion wird bald neu ausgeschrieben.

Beim grossen Domain-Transfer dürften sich vor allem etablierte Player über neue Kunden freuen. Derweil konzentriert sich Switch auf ihre Rolle als Registry - doch diese Funktion wird bald neu ausgeschrieben.
Es sollte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, dass die Stiftung Switch den Direktverkauf von .ch-Domains per 1. Januar 2015 aufgegeben hat. Seit Herbst 2014, als Switch noch über eine Million .ch-Domains betreute, haben schon viele Kunden ihre Domain zu einem der weltweit rund 70 zertifizierten Registrare gezügelt (davon 29 aus der Schweiz). Heute betreue man noch 748'000 Domains und 340'000 Kunden, sagt Switch. Pro Tag registriere man 5000 bis 6000 Domaintransfers.
Switchplus wird gleich behandelt
Eine erste Tranche von 40'000 Domain-Haltern haben vor wenigen Tagen einen Brief bekommen, in dem sie aufgefordert werden, die Domain zu einem der Registrare zu zügeln. Switch hat einen klaren Prozess für die Übergabe der Domains vorgesehen. Erst wenn sich der Kunde monatelang nicht meldet, wird die Domain deaktiviert und später freigegeben. In rund drei Monaten dürften die ersten eingeschriebenen Briefe verschickt werden, um die Kunden nochmals darauf aufmerksam zu machen.
Die Registrare, darunter vor allem Hoster, wollen ein möglichst grosses Stück vom Kuchen. Switch sagt, dass rund sechs bis zehn Registrare ungefähr die Hälfte der bisher abgegebenen Kunden übernommen habe. Einige wenige Hoster - solche, die sich Werbung und Marketingaktionen leisten können - dürften also am meisten vom Transfer profitieren. Switch beeilte sich heute an einem Hintergrundgespräch zu erklären, dass die eigene Tochtergesellschaft Switchplus dabei keineswegs Vorteile geniesse. Dieser Vorwurf war Grundlage eines jahrelangen Streits zwischen Switch und den Hostern.
Die Registrare bezahlen für die Domain bei Switch einen Einkaufspreis von 6.50 Franken ohne Mehrwertsteuer. Den Kunden verrechnen sie ungefähr 9 bis zu 34 Franken pro Jahr (eine nicht abschliessende Liste findet man hier). Der Betrag ist vernachlässigbar, deshalb spielt der Markt in einer anderen Kategorie: Bei den Dienstleistungen, die ein Registrar zusätzlich zur Domain anbietet.
Domains sind kein Kerngeschäft
So hat zum Beispiel einer der grössten Player Hostpoint gestern mitgeteilt, dass man die Domain-Dienstleistungen ausbaue. Dazu gehört ein kostenloses DNS-Hosting, Domainweiterleitungen und ein überarbeitetes Domain Control Panel. Als einer von nur wenigen Schweizer Anbietern ermöglicht der Rapperswiler Hoster den Betrieb und Transfer von .ch-Domains mit DNSSEC, sofern der Kunde dazu eigene Nameserver betreibt. Ein weiterer grosser Hoster, Infomaniak mit Sitz in Carouge, versteht die Funktion als Registrar ebenfalls als Grundlage für ein grösseres Angebot. Registrar zu sein sei nur eine von neun Aktivitäten von Infomaniak, sagt CEO Boris Siegenthaler zu inside-it.ch. "Wir verstehen sie als Türöffner zu anderen Dienstleistungen mit einem höheren Mehrwert."
Gemäss Switch haben sich in den letzten Tagen einige Telekom-Firmen als Registrare eintragen lassen. Es gibt also noch solche, die jetzt angetrieben vom Domain-Wechsel einsteigen, obwohl der Markt wie oben beschrieben von wenigen grossen oder etablierten Anbietern dominiert wird.
Was Switch angeht, läuft jetzt eine intensive Phase, die ungefähr bis Mitte 2016 laufen wird. Das Callcenter sei um 30 Linien verstärkt worden, und man habe schon letztes Jahr die Angestellten entsprechend geschult. Die Stiftung konzentriert sich danach auf ihre Rolle als Registrierungsstelle für .ch-Domains (Registry) sowie als Partnerin der Hochschulen. Mindestens bis Mitte 2017 bleibt Switch auf jeden Fall Registry - was danach kommt, ist aber noch ungewiss. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) will diesen Auftrag erstmals ausschreiben. Für den sicheren Betrieb der Domain-Namen-Datenbank - das ist die wesentliche Aufgabe einer Registry - kommen allerdings nicht viele Firmen in der Schweiz in Frage. Bei Switch ist man jedenfalls zuversichtlich, dass die Stiftung auch über 2017 hinaus als Registry fungieren wird.
Weitere Informationen zum Domain-Transfer gibt es hier. (Maurizio Minetti)

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