Chance oder Albtraum?

20. Dezember 2006, 12:33
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Polar Roses Bilderkennungssoftware und Datenbank soll zukünftig Personen anhand von Fotos im Internet identifizieren können. Entsteht da ein neues Google oder Big Brother?

Polar Roses Bilderkennungssoftware und Datenbank soll zukünftig Personen anhand von Fotos im Internet identifizieren können. Entsteht da ein neues Google oder Huxleys Grosser Bruder?
Das Schwedische Softwareunternehmen Polar Rose hat sich der Gesichtererkennung auf Fotos im Internet verschrieben. Aus 2D-Bildern werden 3D-Modelle generiert, anhand derer die Software nach Aussagen des Unternehmens die Person auch auf anderen Bildern, unabhängig vom Betrachtungswinkel erkennen kann. Per Browser-Plugin für Firefox oder Internet Explorer kann ein User so einem Gesicht auf einem Online verfügbaren Foto einen Namen zuordnen. Da die Informationen und das 3D-Modell zentral bei Polar Rose gespeichert werden, ist es danach jedem User möglich auf beliebigen Bildern diese Personen zu finden. Anfang nächsten Jahres will Polar Rose zudem eine Reihe von lizenzfreien APIs veröffentlichen, um Entwicklern die Möglichkeit zu geben, eigenen Applikationen zu entwickeln.
Datenschutzalbtraum
Was auf der Unternehmenswebsite mit dem oben gezeigten Foto so harmlos als Aufwertung von historischen Bildern daherkommt, sollte bei Datenschützern sämtliche Alarmglocken schrillen lassen. Die sich abzeichnenden Fragen und Probleme reichen vom Schutz der Privatsphäre über Fragen den Datenschutzes, des Rechts am eigenen Bild und der Datenintegrität bis hin zum kriminellem Missbrauch. Als auf die Mitarbeit der User bei der Erstidentifikation angewiesene Lösung sieht sich die Polar Rose Datenbank mit dem gleichen Problemen konfrontiert, wie Wikipedia. Wie wird also der erste Eichmann aussehen? Oder wie gedenkt das Unternehmen, verdeckte Ermittler zu schützen, wenn deren High-School-Abschlussfotos oder privaten Aufnahmen im Sportverein demnächst von den Zielpersonen als Referenz für einen Sicherheitscheck genutzt werden? Man darf nicht vergessen, dass die Software jedes digitalisierte Bild analysieren kann.
Grenzen des Erlaubten
Nicht umsonst setzt der Gesetzgeber selbst Strafverfolgungsbehörden bewusst Grenzen bei der Überwachung und Speicherung von Personendaten. Unterstellt das System wäre so erfolgreich wie Google oder MySpace, was wären die Folgen einer Inverssuche in indizierten Bildern? Würden Versicherungsunternehmen Antragsteller auf Risiko-Kriterien wie Extremsportarten untersuchen können? Würden Betreiber von Kundenkarten-Systemen den Kaufverhaltensinformationen auch noch Daten zu Genotyp und persönlichen Angewohnheiten hinzufügen? Der Spruch von dem, der nichts zu fürchten hat, weil er nichts zu verbergen hätte, wird auch hier angeführt werden, so unsinnig er auch ist. Persönlich würde ich mir zumindest eine Black-List wünschen, in der sich jeder eintragen kann, der nicht gefunden werden will. (Thomas Mironiuk)
(Foto (c) Polar Rose: Demobild)

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