China: Steigende Löhne bringen Komponentenhersteller ins Schwitzen

27. September 2011, 07:00
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Als schwächstes Glied in der Lieferkette erhalten kleinere und lokale Komponentenhersteller keine Überbrückungsdarlehen von chinesischen Banken. Deshalb sind sie auf Unterweltbanken angewiesen.

Als schwächstes Glied in der Lieferkette erhalten kleinere und lokale Komponentenhersteller keine Überbrückungsdarlehen von chinesischen Banken. Deshalb sind sie auf Unterweltbanken angewiesen.
Um der galoppierenden Inflation zu begegnen, haben etliche chinesische Provinzen für Anfang 2012 neue Mindestlöhne angekündigt, so auch in weit vom Pazifikspeckgürtel entfernt gelegenen Städten wie Chongqing. Dabei hat der 30-Millionen-Moloch am Yangtse doch gerade wegen der günstigen Löhne alles angelockt, was in der ICT-Industrie Rang und Namen hat. Mit Apples Produktionspartner Foxconn, Acer und Asustek (Asus) als Zugpferd haben dort auch viele Komponentenhersteller massive Investitionen getätigt. Da sie aber meist das schwächste Glied in der Lieferkette sind, kann jeder Fen oder Mao (1/100 oder 1/10 Yuan) Lohn pro Arbeitskraft und Monat schon ein tiefes Loch in ihr Konto schlagen.
Die PC-Industrie ist schliesslich eine harte Branche. Die Endkunden wollen alles möglichst günstig haben, entsprechend geben die Markenanbieter den Druck an ihre Auftragsfertiger weiter, diese wiederum an die Komponentenhersteller, eben oft das schwächste Glied der Kette.
Unterweltbanken
Wie 'Digitimes' von nicht genannten Quellen aus Taiwans Komponentenindustrie erfahren hat, hat sich die Qualität der China-Investments wegen rückläufiger Orders aus dem Retail-Channel ohnehin schon dramatisch verschlechtert. Ein Anstieg der Mindestlöhne könnte eine neue Konkurswelle unter ihnen lostreten, so ihre Befürchtungen.
Da kleinere und lokale Hersteller keine Überbrückungsdarlehen von chinesischen Banken erhalten, sind sie darauf angewiesen, sich bei Unterweltbanken Geld zu leihen. Allerdings handelt es sich vielfach um wahre Kredithaie, die teilweise Zinsen von 36 Prozent verlangen.
Dass Unterweltbanken nicht immer nur blutsaugende Vampire sind, zeigt das Beispiel Taiwan. Viele aufstrebende ICT-Unternehmen kamen in den 1990er Jahren gar nicht umhin, sich des nicht offiziellen Bankensystems zu bedienen, weil das staatlich kontrollierte viel zu reglementiert und starr war. So gab es auch immer wieder Berichte, dass die in Taiwan heute noch relativ starken Untergrund-Geldinstitute (Dixia Qianzhuang) schneller in der Lage waren, grössere Geldbeträge zu transferieren, von Auslandsanweisungen ganz zu schweigen. Darlehen in Milliardenhöhe sollen auch heute teilweise noch leichter über die Untergrundkanäle zu erhalten sind als über die offiziellen Banken.
Chinas "125"-Plan
Sollten die Kleinen zum Aufgeben gezwungen sein, würden die Orders zurück an die grossen Player gehen. Dasselbe Spiel war auch in der Notebook-Industrie zu beobachten, wo sich mehr und mehr auf Taiwans Top 3 Quanta, Compal und Wistron konzentriert – sowie auf Foxconn als neuer starker Player, sollte man noch hinzufügen.
Die Anhebung der Mindestlöhne ist Teil von Chinas "125"-Plan, der über die nächsten fünf Jahre durchschnittliche Steigerungen von 13 Prozent im Jahr vorsieht und am Ende 84 Prozent höhere Löhne als 2010. (Klaus Hauptfleisch)

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