Chinas blühende Software-Industrie

15. Februar 2011, 13:14
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Und weshalb es in Taiwan schwieriger ist, ein Software-Unternehmen zu gründen.

Und weshalb es in Taiwan schwieriger ist, ein Software-Unternehmen zu gründen.
Während Software im Hardware-Mekka Taiwan eher untergeht, hat Chinas Software-Industrie 2010 1.336,4 Milliarden Yuan (Renminbi) oder umgerechnet rund 196,68 Milliarden Schweizer Franken umgesetzt, ein Plus von 31,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus jüngsten Zahlen des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hervor. Die hundert grössten Software-Unternehmen des Landes sollen laut Taiwans Newsservice 'Digitimes' 21,7 Prozent der Umsätze erbracht haben, davon vier jeweils über 10 Milliarden Yuan, umgerechnet mehr als 1,47 Milliarden Franken.
Wer diese Unternehmen sind, das scheint aus dem chinesischsprachigen Bericht des Ministeriums allerdings nicht hervorzugehen. SAP-Partner Neusoft gehört aber sicherlich zu den ganz Grossen im kommunistischen Reich der Mitte. Das Unternehmen ist übrigens nicht zu verwechseln mit NewSoft, neben Ulead (2006 von Corel übernommen) und Cyberlink eines der wenigen bekannten Software-Unternehmen aus Taiwan. Trend Micro wurde zwar von einem Taiwanchinesen in Kalifornien gegründet, hat aber den Hauptsitz früh nach Toikio verlegt.
Sprachliche Barrieren in Taiwan
Dass Taiwan bis auf wenige Ausnahmen wie Trend Micro (gegründet in Kalifornien mit Hauptsitz in Tokio), Ulead, NewSoft (Presto!) und Cyberlink nur wenige namhafte Software-Unternehmen hervorgebracht hat, könnte daran liegen, dass es auf der Insel keine einheitliche lateinische Umschrift gibt. Ganz anders im kommunistischen China. Dort wurden zur Bekämpfung der hohen Analphabetenrate nicht nur viele chinesische Zeichen verkürzt, sondern ist 1957 auch eine Hanyu Pinyin genannte einheitliche lateinische Umschrift eingeführt worden, die an vielen Strassenschildern, Fabriken und öffentlichen Gebäuden in voller Länge wiedergibt, was in chinesischen Zeichen darüber steht. Das MIIT schreibt sich zum Beispiel in der Umschrift "Zhonghua (Chinesisch) Renmin (Volk) Gongheguo (Republik) Gongye (Industrie) he (und) Xinxi (Informationstechnologie) hua (Entwicklung zu) Bu (Ministerium)".
So werden die Chinesen auf dem Festland schon sehr früh an "englische Schriftzeichen" gewöhnt und tun sich dann vielleicht auch weniger schwer mit der Programmierung. In Taiwan dagegen können sich Ausländer schon mal verlaufen, weil die Strasse, die sie gerade entlanggehen, plötzlich einen vermeintlich anderen Namen trägt. Eigennamen werden teilweise sehr abenteuerlich geschrieben, wobei hier natürlich auch zu Buche schlägt, dass auf Taiwan wie in China zwar Amtssprache Mandarin ist, weit über 90 Prozent der Bevölkerung aber das aus Fujian stammende Minanyu oder Taiwanesisch als Muttersprache hat. Die Unterschiede zwischen beiden Dialekten sind teils grösser als die zwischen Deutsch und Holländisch.
Chinesische IT-Industrie wächst
Software-Produkte machten in China 2010 mit 420,8 Milliarden Yuan (+ 28,6%) den grössten Anteil aus, gefolgt von Software-Integration samt Services mit 291 Milliarden Yuan (+31,8 % im Vergleich zu 2009). Hohe Zuwachsraten von 44,6 Prozent auf 217,8 Milliarden Yuan wiesen IT-Mehrwertdienste, IT-Consulting-Services mit 37,2 Prozent Wachstum auf 123,3 Prozent und Design- und Entwicklungsdienste mit 73,1 Prozent auf ein Volumen von 59,3 Milliarden Yuan auf.
Insgesamt hat Chinas IT-Industrie 2010 laut MIIT um 29,5 Prozent auf ein Umsatzvolumen von 7,8 Billionen Yuan (knapp 1,148 Bio. CHF) zugelegt. Für 2011 rechnet das Ministerium insgesamt mit einem Umsatzplus von 15 Prozent. Die Software-Industrie soll mit 25 Prozent deutlich stärker wachsen. (Klaus Hauptfleisch)

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