Chinas "Grosse Firewall" geknackt

6. Juli 2006, 08:00
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Britische Forscher zeigen, wie man die Zensur austrickst.

Britische Forscher zeigen, wie man die Zensur austrickst.
Forscher der britischen University of Cambridge haben eine Arbeit veröffentlicht, in der sie Methoden aufzeigen, wie die strengen digitalen Zensurmassnahmen der Volksrepublik China umgangen werden können.
Im Rahmen ihrer Forschung haben sie aufgedeckt, dass die "Grosse Chinesische Firewall", wie der chinesische Schutz gegen missliebige Netzinhalte von Zensurkritikern genannt wird, nicht aus Routern besteht, die an der Grenze zur chinesischen Internetwelt nur genehmes durchlassen. Vielmehr betätigen sich separat arbeitende Rechner als Wachhunde. Die Forschergruppe um Richard Clayton zeigt auch auf, wie sich diese austricksen lassen.
Das verzweigte Zensursystem überwacht die einzelnen http-Pakete von Webverbindungen und durchsucht sie nach Schlüsselwörtern. Wird ein verdächtiges Datenpaket identifiziert, so wird dieses nicht einfach geblockt. Stattdessen wird beiden Seiten der Webverbindung vorgetäuscht, dass die Verbindung zu Ende sei. Dies geschieht durch sogenannte "Reset-Flags", die sowohl an den chinesischen PC als auch an den Webserver im Ausland geschickt werden und signalisieren, dass der angesprochene Port geschlossen ist. Weitere Verbindungsversuche werden darauf nicht durchgeführt.
Um die Zensur nun zu umgehen, müssten beide Seiten die Reset-Flags lediglich ignorieren, meint Clayton. Simple Firewall-Regeln würden dazu ausreichen. Der chinesischen Zensur blieben dann zwar noch einige andere technische Massnahmen, etwa das komplette Blockieren bestimmter Seiten, diese Methoden seinen jedoch mit ungemein mehr Aufwand für Pflege und Wartung verbunden und könnten nicht so flexibel angepasst werden.
Clayton ist überzeugt, dass die gefundene Methode ein effektives Mittel sei, den chinesischen Bürgern mehr Freiheiten zu bringen und fordert daher von den Betriebssystemherstellern, die zur Manipulation der Firewall nötigen Funktionen direkt in ihre Systeme zu integrieren. Zusatzsoftware könnte das chinesische Regime verbieten, eingebettete Funktionalitäten müssten jedoch akzeptiert werden, glaubt der Forscher.
Inwieweit sich die angesprochenen Unternehmen am "Freiheitskampf" beteiligen wollen, bleibt allerdings fraglich, zumal schon Größen der Internetindustrie in Erklärungsnotstand gekommen sind, wenn es um die Zusammenarbeit mit der chinesischen Regierung gegangen ist. (pte)

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