CIOs: Ladet Hersteller in billige Restaurants ein!

7. Januar 2009, 16:04
  • international
  • gartner
  • krise
  • cio
image

Dort kann man gut über "Kostenoptimierung" reden: Gartners 10 gute CIO-Vorsätze für ein "abschreckendes und unsicheres Jahr".

Dort kann man gut über "Kostenoptimierung" reden: Gartners 10 gute CIO-Vorsätze für ein "abschreckendes und unsicheres Jahr".
Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner kann der Krise auch eine gute Seite abgewinnen: "In Zeiten einer Rezession können Unternehmen mehr Zeit zur Selbstprüfung investieren. Das hilft ihnen, ihre grundlegenden Bedürfnisse zu erkennen und zeigt auf, was die IT tun kann" meint John Mahoney, Vice President und "Distinguished Analyst" bei Gartner. "Dies ist die Chance für Unternehmen, ihre vorhandenen Technologien voll auszuschöpfen, um daraus etwas Neues zu entwickeln."
Sollen wir uns also über die Krise freuen? Das dann doch nicht: "Die im ausgehenden Jahr 2008 begonnene Wirtschaftskrise hat viele Unternehmen und die meisten CIOs in eine schwierige Situation gebracht, die sie in dieser Form bisher nicht kannten," sagt Mark Raskino, Vice President und Fellow bei Gartner. "Vor ihnen steht ein abschreckendes und unsicheres Jahr. Viele CIOs wurden bereits angewiesen, mit geringeren Budgets auszukommen, vielen anderen steht dies noch bevor. Firmenchefs müssen kurzfristige Ausgaben möglichst schnell beschneiden, um den unbeständigen Marktlaunen in vielen Industrien und Ländern gewachsen zu sein."
Zuerst denken, dann streichen
Trotz aller Schwierigkeiten rät Gartner aber vor allem zu einem: CIOs sollen "Schnellschussmassnahmen", die in der Zukunft schädliche Auswirkungen haben dürften, aktiv entgegentreten, und Unternehmen als ganzes sollten durch ihre Kostenkürzungen mögliche Chancen auf eine Erholung des Wachstums nicht beeinträchtigen.
Gartner führt dies in zehn guten Vorsätzen beziehungsweise Verhaltensregeln aus, die CIOs nach der Meinung der Marktexperten dieses Jahr beachten sollten.
Einige dieser CIO-Vorsätze dürften nicht bei allen ihren Mitstreitern, vor allem denen, die zum gemeinen "IT-Fussvolk" gehören, Freude hervorrufen. So rät Gartner den CIOs zum Beispiel, sich trotz möglichem Einstellungsstopp auf dem durch die Krise wieder weniger ausgetrockneten Arbeitsmarkt nach hochausgebildeten Schlüsseltalenten umzusehen. Für diese "Juwelen" sollten die CIOs bei der Unternehmensführung erstreiten, dass weiterhin zumindest einige wenige höherwertige neue IT-Stellen angeboten werden – im Austausch für mehr Stellenstreichungen anderswo.
IT-Leiter sollten gemäss Gartner auch nicht wie üblich den "einfachen Weg" gehen und die Experten entlassen, die an langfristigen und komplexen Projekten arbeiten, deren Fehlen sich nicht unmittelbar auswirkt. Stattdessen sollten diese Leute, zum Beispiel Enterprise-Architekten und Experten für neue Technologien, die später vielleicht schwer zu ersetzten sind, temporär anderweitig eigesetzt werden – und dabei einige "Marktstandardköpfe" ersetzen.
Den Spiess umdrehen
Witzig finden wir diesen Vorschlag: Offerieren sie Ihren Herstellern Gratisessen! CIOs sollten 2009 lernen, die üblichen Einladungen der Hersteller für kleine Ausflüge höflich abzulehnen. Stattdessen sollten sie selbst die Manager der Hersteller – je leitender desto besser – zum Essen einladen. Dabei geht es nicht darum, hungernden Managern zu einem warmen Mittagessen zu verhelfen, sondern darum, selbst die Atmosphäre und den Stil zu bestimmen. Einladen sollte man daher nicht in Luxusrestaurants sondern, so Gartner, möglichst in irgendeine Restaurantkette. Die dortige "eindrücklich bescheidene" (starkly thrifty) Atmosphäre gebe dann den passenden Rahmen ab, um über die von Kunden und Anbietern 2009 verlangte Flexibilität und "value driven cost optimisation" zu diskutieren.
Die weiteren Ratschläge Gartners:
Mit gutem Beispiel vorangehen ist gerade in harten Zeiten noch wichtiger. Wenn man zum Beispiel eine sparsame Haltung fördern will, sollte man nicht selbst jeden Monat das neuste, trendigste Smartphone zur Schau stellen.
Sparsamkeit ist OK, aber es ist wichtig, dabei nicht schäbig zu wirken und hin- und wieder auch gut sichtbar etwas springen zu lassen. Zum Beispiel kann man gut Economy-Class statt Business-Class fliegen lassen, sollte aber bei Dingen, die für die Moral der Angestellten wichtig sind – zum Beispiel Trainings oder neuen Entwicklungstools – grosszügig bleiben.
Inoffizielle "Alumni"-Netzwerke können helfen, erfahrene Leute im Unternehmen zu halten.
Auf das unerwartete kann man sich, so Gartner, paradoxerweise auch vorbereiten. Regelmässige Diskussionen im Management, um festgefahrene Vorgehensweisen und Denkschemen kritisch zu diskutieren, können helfen. Dafür sollte man auch "unbequeme" Leute einladen.
Wenn man hofft, dass die Angestellten "Web 2.0"-Möglichkeiten ausnutzen, um die Unternehmenskommunikation zu verbessern, muss man dies, für alle sichtbar, auch selber tun. Beobachten allein hilft nicht.
2009 sollte man anfangen, Cloud Computing ernst zu nehmen. Cloud Computing ist, so glaubt Gartner, die nächste "Evolutionsstufe" der Informatik und wird in zehn Jahren die vorherrschende Form sein, in der "IT" bezogen wird.
Wie immer sollten CIOs auch 2009 ein Auge auf neue Technologien werfen, die gegenwärtig für Unternehmen noch keine Rolle spielen, aber dies in Zukunft tun könnten. Gartner empfiehlt für 2009: E-Book-Lesegeräte, Google-Chrome, "Mini-Cloud"-Applikationen, YouTube und Telekonferenzen via HD-TV. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Datenleck bei der Fremdsprach-App Duolingo?

In einem Darkweb-Forum werden die Daten von 2,6 Millionen Accounts zum Verkauf angeboten. Doch das Unternehmen bestreitet eine Sicherheitsverletzung.

publiziert am 25.1.2023
image

Hochschule Luzern tritt Blockchain Research Institute bei

Dem Netzwerk gehören zahlreiche internationale Unternehmen, Forschungsinstitute und staatliche Institutionen an. Gefördert werden soll insbesondere das Gemeinwohl.

publiziert am 25.1.2023
image

Ukraine will bei IT-Security stärker mit der NATO zusammenarbeiten

Das von Russland angegriffene Land will offizieller Partner des "Joint Center for Advanced Technologies in Cyber Defense" der Nato werden. Andere Länder könnten davon profitieren.

publiziert am 25.1.2023
image

Mitel will Unify-Business von Atos kaufen

Der Kommunikationsspezialist will den Bereich Unified Communications & Collaboration von Atos übernehmen. 3000 Mitarbeitende könnten ihren Arbeitgeber wechseln.

publiziert am 25.1.2023