Cisco baut Webex um und aus

9. Dezember 2020, 13:20
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Mit Dutzenden von Features und KI will der Konzern einen grösseren Anteil am Riesenmarkt für Online-Zusammenarbeit erobern.

Es war eine ganz normale Videokonferenz, die Cisco mit einigen Dutzend Journalisten und Analysten veranstaltete. Die Moderatorin sagte: "Soundso hat eine Frage. Bist du noch da? Hallo, hallo?" oder "Soundso, du musst dein Mikrophon einschalten". Manche versuchten etwas in den Chat zu schreiben, erhielten ihre Frage aber während des Meetings nicht beantwortet, denn sie konnten die Cisco-Moderatorin als Flaschenhals nicht überwinden.
All dies soll sich ändern, wie Jeetu Patel, neuer Senior Vice President und General Manager von Ciscos Security und Applikations-Business via Webex versicherte. Er stellte eine Reihe neuer Funktionen für seine Videokonferenz-Software vor, die die Arbeit im Homeoffice oder Remote verbessern sollen. Es seien viel zu viele neue Features, um alle vorzustellen, so Patel und schwärmte, man lasse die Konkurrenz klar hinter sich und dies sei erst der Anfang: "Sie können von uns erwarten, dass wir in Sachen Innovation einen weitaus aggressiveren Kurs einschlagen werden."
Und das ist wohl nötig, die 1995 begründete Lösung Webex stiess in letzter Zeit im Vergleich zu Zoom, Google Meet oder Microsoft Teams auf minimales Medieninteresse und schien in einem bis Anfangs 2020 eher langweiligen Geschäftsfeld plötzlich im Hintertreffen. Und kein Mensch sagt im Alltag, "lass uns webexen", man "skypt" und der Novartis-Chef sagte laut Medien kürzlich "Ich bin super Zoom-müde".

"Tausende von Integrationen"

Fertig mit müde, verspricht Cisco, mehr Usability und überhaupt.
Anrufen, Messaging und Meetings seien nun in einer App nahtlos verknüpft. Zu den neuen Features gehört ein Tool, das auf verbalen Befehl hin Highlights der Sitzung erstellt, oder ein Mechanismus, der ein Telefongespräch in ein Videogespräch umwandelt.
Webex erstelle durchsuchbare Protokolle von Anrufen, so dass man ein verpasstes Treffen nachholen könne. Ausserdem will man für Hörgeschädigte Untertitel bei virtuellen Meetings einführen. Unter dem Namen "Webex Huddle" könne man spontane Meetings und Kaffeeraum-Treffen mit Team-Meetings einberufen, hiess es weiter.
Letzteres ist aktuell verfügbar, für den Februar sind Echtzeit-Übersetzungen in 15 Sprachen und Gebärden-Kommunikation angekündigt. "Sie halten den Daumen hoch und unsere KI wandelt dies für alle sichtbar in ein Emoji um."
"Wir haben eine Milliarde Dollar in KI investiert und dies trägt nun Früchte", sagte Patel.
Wir werden sehen, wie sich all dies in der Praxis auswirken wird, denn Ende Februar 2021 seien Meetings mit bis zu 100'000 Teilnehmenden via Webex möglich.
Zudem übernimmt Cisco Slido, damit auch Polls und Quizze via Webex rasch integriert werden können. Über die Zeit hinweg werde man zudem "tausende von Integrationen" von Lösungen bieten, Dropbox, ServiceNow oder Salesforce seien es schon.
Der einzige Anbieter für alles und jedermann im neuen, flexiblen Online-Arbeiten, das wäre Cisco gerne. Diese Strategie umfasst aber nicht nur Webex, sondern auch die hauseigene Hardware. Diese Kombination sei ein weiterer Marktvorteil, glaubt Patel.
Zum Pricing hingegen hatte der Konzern nicht viel Konkretes zu sagen. Ausser: "Wir gehen in diesen Massenmarkt mit einem simplen Pricing-Modell und werden kompetitive Preise haben sowie mehr Capabilities als die Mitbewerber."
Und die Partner sollen auch künftig eine Rolle spielen beim aaS-Modell versicherte der Cisco-Topmann. "Wir sind sehr partnerfreundlich, sonst wären wir nicht da, wo wir sind", und im gleichem Atemzug sagte er: "Im Zentrum steht immer die reibungslose Customer Experience. Wir glauben grundsätzlich daran, dass sich die Art und Weise, wie Menschen mit grossen Gruppen von Menschen umgehen, verändern wird." Und dabei glaubt Cisco, man werde nie von einem Kunden hören "ich bin super Webex-müde".

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