Cisco blickt in die Kristallkugel

24. Mai 2013, 07:35
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Der Netzwerkausrüster Cisco propagiert das "Internet of Everything" und setzt dabei auf die technisch hochentwickelte Schweiz und ihren Datenhunger in den Bereichen Banking und Pharma.

Der Netzwerkausrüster Cisco propagiert das "Internet of Everything" und setzt dabei auf die technisch hochentwickelte Schweiz und ihren Datenhunger in den Bereichen Banking und Pharma.
Rechtzeitig zum Umbau des Switch- und Router-Herstellers Cisco zum Komplettanbieter im Rechenzentrum haben dessen Futurologen und Marketingspezialisten einen neuen Begriff erfunden, den sie jetzt an allen Fronten prägen: Das "Internet of Everything" werde der nächste Megatrend. Alle anderen, von der Robotik über 3D-Druck bis zur Nanotechnologie, seien lediglich Untermengen und Treiber der umfassenden Vernetzung.
Rick Hutley, Vice Presidents International Solutions Group von Cisco, wirft dazu in einem Pressegespräch per Telepresence aus San Jose ein paar Zahlen in eine kleine Schweizer Runde: 99 Prozent der Menschheit sei noch nicht vernetzt, und doch habe die Welt 2012 mehr Information produziert als in den vorangehenden 5000 Jahren. Im Jahr 2020 werden 50 Milliarden Dinge per Internet miteinander in Verbindung stehen. Insgesamt entstehe in den kommenden zehn Jahren ein wirtschaftliches Potential (was nicht mit der Grösse eines Marktes zu verwechseln sei) von 14,4 Billionen (14'400 Milliarden) US-Dollars.
Die Pille und das Auto
Der Angelpunkt liegt für Cisco naturgemäss in den Verbindungen, nicht in den Geräten und Dingen, die im "Internet von allem" verknüpft werden sollen. Denn dort potenziere sich das Wachstum zu einer exponentiellen Kurve, rechnet Futurologe Dave Evans im Cisco-Blog vor: Bei 50 Milliarden vernetzten Dingen sorge jeder neue Sensor nicht für eine, sondern 50 Milliarden neue Verbindungen – und räumt dann im folgenden Satz ein, dass das vielleicht eine etwas gar einfache Rechnung sei. In der Tat ist nicht einzusehen, weshalb die von Rick Hutley beispielhaft angeführte Sensor-Pille im Magen jedes Menschen sich mit jeder Verkehrsampel, jedem Auto und jeder Haussteuerungsanlage verbinden soll.
Die Entwicklung beschleunige sich jedenfalls derzeit spürbar, sagt Massimo Lucchina, Forschungschef bei Cisco an der ETH Lausanne, und zeigt die erste Website von Tim Berners-Lee, die 1993 unter dem Schweizer Domainnamen .ch online ging: Damals habe sich kein Mensch vorstellen können, was aus dem Internet binnen 20 Jahren werde. Inzwischen seien weitere Hürden gefallen, erklärt Hutley: Die Zahl der möglichen Adressen sei mit der Ablösung des IPv4-Adressraums durch IPv6 von knapp vier Milliarden auf 340 Sextillionen erhöht worden. Die Miniaturisierung erlaube den Bau vernetzter Geräte von mikroskopischer Grösse. Energie könne für diese Geräte aus Quellen wie Schall, chemischen und biologischen Vorgängen in ihrer Umgebung gewonnen werden.
Die Herausforderung liege im Management von Big Data, sagt Hutley, namentlich in der Filterung der jeweils gerade relevanten Informationen. Hier will Cisco mit technischen Lösungen einsteigen. Die Zukunft bestehe nicht aus "der" Cloud, sondern aus einer Vielzahl an privaten, öffentlichen und hybriden Wolken. Der Paradigmenwechsel für die Wirtschaft bestehe darin, von der Auswertung strukturierter Daten aus der Vergangenheit auf die Analyse von Echtzeit-Daten zu wechseln. Wer diesen Schritt nicht vollziehe, werde untergehen, prophezeit Hutley.
Die Schweiz sei für Cisco nicht nur ein attraktiver Standort aufgrund der politischen Stabilität, der guten Infrastruktur und des hohen Bildungsstandes. Sie ist selbst ein schönes Stück des Kuchens in der Verarbeitung von Big Data, das sich Cisco abschneiden will. Zuerst nämlich wird die Vernetzung nach Ansicht der Cisco-Vordenker in den Finanzmärkten und im Bereich Gesundheitswesen "explodieren". (Peter Sennhauser)

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