Cisco zückt die Blade-Server

16. März 2009, 17:24
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…und geht auf HP, IBM und Co. los.

…und geht auf HP, IBM und Co. los.
Seit mindestens zwei Jahren wurden sie entwickelt. Zuerst geschah dies unter strikter Geheimhaltung, in den letzten Monaten allerdings machten Cisco-offizielle bereits gezielt vage Vorankündigungen gegenüber Pressevertretern. Nun ist es soweit: Der Netzwerkriese hat heute die Lancierung eigener Blade-Server angekündigt, die noch vor Jahresmitte auf den Markt kommen sollen.
Die Cisco-Blades (Foto) tragen den Namen "UCS B-Series Blades" und basieren auf den neusten "Nehalem"-CPUs von Intel. Gemäss Cisco eignen sie sich auch für Applikationen mit grossen Anforderungen an Leistung und Hauptspeicher. Ausserdem sollen sie es erlauben, die Zahl von virtuellen Maschinen auf Servern weiter zu erhöhen.
Damit stellt sich Cisco erstmals in direkte Konkurrenz zu Server-Herstellern wie IBM, Sun, Fujitsu Siemens und insbesondere HP, dem klaren Marktleader im Intel- und Blade-Server-Umfeld. Dies räumt auch Ciscos Cheftechnologin mit dem passenden Namen Padasmee Warrior offen ein: "Natürlich werden wir HP konkurrieren, das will ich überhaupt nicht schönreden. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die Landschaft der Partner- und Konkurrenzverhältnisse ändern wird."
Neue Partner, neue Konkurrenten
Beobachter stufen den Entschluss Ciscos, den Servermarkt zu entern und damit teilweise seit Jahren bestehende Partnerschaften durcheinander zu bringen, als gewagt ein: "Das ist bei weitem der riskanteste und verwegenste Zug, den Cisco in seiner Geschichte bisher gemacht hat, meint zum Beispiel Zeus Kerravala, Analyst bei der Yankee Group im Gespräch mit dem 'Wall Street Journal'. Und das Marktforschungsinsitut Ovum glaubt, dass es nicht bei der direkten Konkurrenz zu den Serverherstellern bleiben wird, sondern bald auch Hersteller von Systemmanagement-Software wie IBM, CA oder BMC dran sein werden. Cisco, so Ovum, werde vermehrt für die Zusammenarbeit mit den eigenen Servern optimierte Management-Software bringen müssen, um nicht im Servergeschäft ein Aussenseiter zu bleiben.
BMC allerdings gehört auch zu der illustren Schar von Partnern, die bereits angekündigt haben, mit Cisco zusammenarbeiten wollen. Weitere sind EMC, Emulex, Intel, Microsoft, NetApp, Novell, Oracle, QLogic, RedHat, SAP und VMWare. Sie zeichnen sich alle durch eines aus: Im eigentlichen Serverhardwaregeschäft sind sie neutral. Zudem hat Cisco, um auch im Consulting- und Servicebereich besser mit der neuen Konkurrenz mithalten zu können im Februar engere strategische Partnerschaften mit Accenture und TCS vereinbart.
"Unified Computing"
Das Kürzel "UCS" im Namen der Cisco-Server steht für "Unified Computing System", eine neue Rechenzentrumsarchitektur und -Philosophie, in der Cisco seine Blade-Server und weitere kommende Produkte verpackt, und mit denen der Erfolg der Cisco-Pläne auch stehen oder fallen dürfte. Unified Computing verspricht weitere Konsolidierung in Rechenzentren, durch erleichterte Servervirtualisierung, die Verwischung der Grenzen zwischen Computern und Netzwerken und die gleichzeitige Integration bisher getrennter Netzwerke und Systeme. Das bedeutet vor allem eine Abkehr von gesonderten Netzwerken für Speicher: Im Unified Computing soll sowohl der IP- als auch der Fibre-Channel-Verkehr über die gleichen 10-Gigabit-Ethernet-Anschlüsse laufen und der Zugriff auf SAN-, NAS- und iSCSI-Speicher somit über ein einziges Interface erfolgen.
Dies wiederum soll, zusammen mit der tiefen Integration mit Virtualisierungssoftware, das automatisierte und gemeinsame Management von virtualisierten Applikationen, Servern und den dazugehörigen Daten stark erleichtern – vor allem letzteres ist heute noch ein schwacher Punkt bei der Servervirtualisierung. Das hehre Ziel ist die absolute "Bewegungsfreiheit" von Applikationen und Daten im Rechenzentrum je nach den gerade herrschenden Anforderungen. Die Kernpartnerschaft für Cisco ist dabei wohl die mit VMware. Diese Partnerschaft ist allerdings keineswegs exklusiv. VMware seinerseits hat schon im letzten Herbst seine Initiative für ein "Rechenzentrums-Betriebssystem" angekündigt und möchte diese tiefe Integration nicht nur mit Cisco sondern mit möglichst vielen Hardwareherstellern erreichen. (Hans Jörg Maron)

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