Citrix: Der Software-definierte Arbeitsplatz

15. Mai 2015, 09:15
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Citrix überschüttet die Welt mit einer Flut von neuer Software.

Citrix hat ein breites Produktportfolio, das viele Bereiche des Anwendungs- und Endgeräte-Managements adressiert. Manche Analysten meinen schon seit geraumer Zeit, dass es zu viele sind und sie raten Citrix zu einer Produktkonsolidierung. Doch auf dem jüngsten Kunden-Event war davon nichts zu spüren.
Das Motto von Citrix lautet: "Einmal erstellen – überall nutzen." Oder, etwas ausführlicher: "Jede Anwendung, über jedes Netz, zu jeder Zeit und auf jedes Gerät." Hierzu stellte das Unternehmen auf seiner jüngsten Kundenveranstaltung "Synergy" in Orlando eine Reihe an Neuheiten und Produktverbesserungen für Cloud, VDI (Virtual Desktop Infrastructure), Arbeitsplatzsysteme und Mobility-Management vor. Die wichtigste Ankündigung war die "Citrix Workspace Cloud" (CWC). Dabei handelt es sich um eine Plattform für eine sichere Citrix-Arbeitsplatz-Umgebung, über die der User auf eine beliebige Anzahl an Anwendungen zugreifen kann. Diese können sowohl vom lokalen Rechenzentrum, als auch aus einer Public-Cloud stammen. "Mit dieser Plattform kann IT für jeden Arbeitsplatz genau die Apps zusammenstellen, die erforderlich sind", sagte Citrix-CEO Mark Templeton in seiner Keynote.
Appell an Channelpartner und Fachabteilungen
Er appellierte dabei vor allem an die vielen Software- und Channelpartner. "CWC ist nur eine Plattform, die für sich alleine noch keinen Business-Wert hat. Erst mit den Apps wird daraus ein Produktivitäts-Tool. Jeder Partner kann seinen Kunden auf CWC sinnvolle Apps anlegen, die einen echten Mehrwert schaffen, und folglich neue Geschäftsmodelle ermöglichen", lautete sein Rat an die Partner-Gemeinde. Doch nicht nur die Partner können CWC zu einem profitablen Tool ausbauen – auch die Fachbereiche können hier spezielle Apps einbinden, die sich an bestimmte Zielgruppen, wie Verkäufer, Kunden-Service oder Management richten. Und ähnlich wie bei einem Smartphone, ist auch die CWC-Oberfläche am Anfang nicht völlig leer. Seitens Citrix sind ein paar Basisfunktionen, wie Webbrowser und Email vorinstalliert. CWC basiert auf bewährten Citrix-Produkten, wie XenApp, XenMobile und XenDesktop. "CWC ist die modernste Form des On-Demand-Computing, bei der der User alle Apps und Daten unterbrechungsfrei auf verschiedenen Geräten nutzen will", sagt Jesse Lipson, zuständig für das Cloud-Business bei Citrix. Und da derzeit alles Software-definiert sein muss, bekam CMC gleich den Untertitel "Software-definierter Arbeitsplatz".
Applaus: XenApp wird bis 2017 unterstützt
Im Bereich VDI gab es Updates am XenApp und XenDesktop sowie die Integration der jüngst akquirierten Framehawk Technologie mit HDX. Für XenApp 6.5 wurde jetzt das Servicepaket SP1 freigegeben, das noch im Juni verfügbar sein wird. Das Release unterstützt unter anderen StoreFront 3.0, Provisioning Server 7.6, AppDNA und es kommt mit einem neuen Receiver sowie einer Optimierung für Microsoft Lync 2013. Gleichzeitig versprach Templeton, dass man die Version 6.5 noch bis 2017 unterstützen will. Dieser Hinweis wurde mit stürmischen Applaus aufgenommen, denn Kompatibilitätsprobleme haben bislang viele User von einem Upgrade auf 7.x abgehalten. "Sie konnten ihre grössten Kunden nicht einfach in eine unsichere Anwendungs-Umgebung drängen, die Chancen waren gross, dass Citrix damit einen grossen Teil seiner treuesten Kunden verloren hätte", sagt Steve Brason, Analyst bei Enterprise Management Associates, über den Hintergrund dieser Entscheidung.
Neue Wyse-Citrix-Appliance
Zu VDI gab es auch noch verschiedene Ankündigungen der Citrix-Partner. Dell stellte beispielsweise eine neue Wyse-Citrix-Appliance vor. Hinzu kam die neue Version 5.5 des Wyse Device Managers (WDM) und Foglight, eine Software zur Virtualisierung von Anwendungen und zur Überwachung der Infrastruktur. Dells neue Appliance richtet sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen. Doch da das Marktinteresse an VDI derzeit rasant ansteigt, bekommt Citrix auch immer mehr Konkurrenz. So kündigte VMware vor einem Monat die Version Horizon 6.0 an, die eine leistungsstarke Alternative zu XenApp darstellt.
Neue Version von XenMobile beeindruckt
Besonders beeindruckend war die neueste Version von XenMobile – genauer gesagt ein neues Feature, mit dem sich Fremd-Apps On-the-Fly containerisieren lassen. Das bedeutet, der User kann auf seinem Business-Tablet beliebige Apps von jedem App-Store laden, ohne dass das zu Sicherheitsproblemen führt. Das wird damit erreicht, in dem die App bei der Installation in einen hermetischen Container gepackt wird und somit kein unkontrollierter Zugriff auf die Daten oder den Firmencomputer möglich ist. In der Demo auf der Bühne wurde eine App vom Google-Store geladen und installiert, was schnell und zügig geklappt hat.
Doch einige Experten sind kritisch. "Wenn das wirklich so funktioniert, wie sie es gezeigt haben, dann haben sie ein paar dicke Nüsse geknackt und sind der Konkurrenz um Lichtjahre voraus", sagt beispielsweise Jack Gold von der J. Gold Associates. Damit meint er nicht die technischen Möglichkeiten einer automatischen Containerisierung bei der Installation, sondern die damit verbundenen rechtlichen Auflagen. Microsoft verbietet beispielsweise die Containerisierung seine Office-Apps. Apples Regeln sind noch strenger, hier ist jede Modifikation an einer App verboten. Doch Citrix meint, dass deren dynamische Containerisierung legal ist. "Apple ist unser bester Freund", sagte Rajiv Taori, Vice President für die mobilen Produkte. Sollte er Recht behalten, könnten sich XenMobile zu einem Renner entwickeln, denn dieses Produkt gehört zum rasch wachsenden Marktsegment der Lösungen für Enterprise Mobility Management. Ausser Citrix, sind hier aber auch noch IBM, Microsoft, VMware und SAP sehr aktiv.
Schwierige Geschäftslage
Trotz der vielen guten Produkte, die Citrix in Orlando vorgestellt hat, muss man auch sehen, dass sich das Unternehmen seit geraumer Zeit in einer schwierigen Geschäftslage befindet. So gingen im Geschäftsjahr 2014 sowohl der Umsatz, als auch der Gewinn deutlich zurück. Als Konsequenz daraus wurden bereits 900 Stellen gestrichen, 700 davon bei festangestellten Mitarbeitern sowie 200 Freie. Auch bei den Produkten gab es Kürzungen, beziehungsweise Konsolidierung, darunter VDI-in-a-Box und AppDNA. Letzteres ist jetzt Teil der Premium-Version von XenApp. Die Online-Dienste GoToMeeting und GoToMyPC sollen laut Insider-Informationen verkauft werden. (Harald Weiss, Orlando)

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