Cloud-Telefonie-Anbieter Vonage soll an Ericsson gehen

22. November 2021, 11:57
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Mit dem grössten Zukauf in seiner Firmengeschichte will der Netzwerkausrüster neue, wachstumsstarke Gefilde erschliessen.

Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson will den amerikanischen Cloud-Communications-Plattformspezialisten Vonage für 6,2 Milliarden Dollar übernehmen. Mit der Akquisition unterstreiche man seine Strategie, die Präsenz in der drahtlosen Unternehmenskommunikation auszubauen und sein globales Portfolio zu erweitern, schreibt Ericsson in einer Mitteilung.
Die Transaktion soll voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2022 abgeschlossen sein. Sowohl die Vonage-Aktionäre als auch Regulierungsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Laut 'Bloomberg' handelt es sich um den grössten Zukauf in der Firmengeschichte der Schweden. Die können den Kauf nach eigenen Angaben aus bestehenden Barmitteln bezahlen.
Ericsson verspricht sich von diesem Zukauf auf der Basis seines Kerngeschäfts, den Bau von Mobilfunknetzen, weitere Mobilfunkservices erschliessen zu können. Konkret erhalte das Entwickler-Ökosystem von Vonage Zugang zu 4G- und 5G-Netzwerk-APIs. Das ermögliche, neue Angebote zu entwickeln und versetze Kommunikationsdienstleister in die Lagen, ihre Investitionen ins Netz besser zu monetarisieren.
So betonen die Schweden zum Zukauf des 2001 in New Jersey gegründeten Unternehmens denn auch, die Bedeutung der Cloud-basierten Vonage Communications Platform (VCP). Abgesehen von den UCaaS- (Unified Communications as a Service) und CCaaS-Lösungen (Contact Center as a Service) von Vonage würden derzeit über 120'000 Kunden und mehr als eine Million registrierte Entwickler die VCP nutzen. Die darin enthaltene API-Plattform ermögliche ohne den Rückgriff auf Back-End-Infrastrukturen oder Schnittstellen Kommunikationsangebote inklusive Messaging, Sprache und Video in Anwendungen und Produkte einzubetten.
Bei Ericsson erhofft man sich denn auch, durch die Übernahme Fuss in dem wachstumsstarken CPaaS-Markt (Communication Platform as a Service) fassen zu können. Hier sei mit einem jährlichen Wachstum von 30% zu rechnen. Und weil Vonage in dem Segment bereits aktiv sei, erschliesse man sich mit der Akquisition ein komplementäres Geschäftsfeld. Und das scheint durchaus nötig zu sein.
Denn noch wird der Markt für Netzwerk-Equipment zwar weiterhin von Nokia, Ericsson und Huawei beherrscht. Doch neue Player wie Samsung sind dabei sich zu etablieren. Ausserdem hat die Sanktionspolitik der USA dazu geführt, dass Konkurrent Huawei beispielsweise mit Cloud-KI-System Mindspore ebenfalls ins Software-Geschäft eingestiegen ist. Offen ist zudem die technische Entwicklung. So könnten dereinst mittels Open-RAN-Technologie bisherige herstellerspezifische Grenzen gesprengt werden.

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