ComCom senkt Preise - Sunrise reicht es nicht

19. Dezember 2013, 13:34
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Der Telekom-Regulator überprüft die Senkung verschiedener Netzzugangstarife. Sunrise fordert erneut Modernisierung der Kostenberechnung.

Der Telekom-Regulator überprüft die Senkung verschiedener Netzzugangstarife. Sunrise fordert erneut Modernisierung der Kostenberechnung.
Die Eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) hat für 2012 und 2013 die Preise für die Entbündelung der letzten Meile rückwirkend gesenkt. Für die alternativen Anbieter wird auch die Mitbenutzung von Swisscom-Zentralen und von Kabelkanalisationen günstiger. Weitgehend stabil bleiben hingegen die Interkonnektionspreise.
Swisscom hatte für die Jahre 2012 und 2013 einen Entbündelungspreis von 15,80 Franken geltend gemacht. Nach einer gründlichen Analyse der effektiven Kosten durch das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) habe die ComCom entschieden, die monatlichen Preise zur Überlassung der Teilnehmeranschlussleitungen zu senken, teilte der Telekomregulator am Donnerstag mit.
Für das Jahr 2012 beträgt der Entbündelungspreis nun 15,50 Franken und für das Jahr 2013 15,20 Franken. Swisscom muss daher rückwirkend die Rechnungen für Konkurrenten um 2 respektive 4 Prozent senken. Die ComCom reagierte damit auf eine Klage von Sunrise.
Bei der Kostenanalyse durch das Bakom hätten insbesondere die Korrektur von Kostenzuordnungen und nicht relevanten Kosten sowie eine Reduktion der anrechenbaren Kapitalkosten zu Anpassungen geführt, schreibt die ComCom.
Trotz dem neusten Entscheid liegt der Entbündelungspreis in der Schweiz im europäischen Durchschnitt deutlich höher. Laut ComCom steht er nach wie vor rund 4 Franken über dem europäischen Mittel, obwohl er seit der erstmaligen Festlegung im Jahr 2008 kontinuierlich gesunken ist.
Sunrise zeigte sich in einer Stellungsnahme vom Donnerstag enttäuscht über die Verfügung der ComCom. Die Netzzugangspreise würde damit erneut nicht wesentlich gesenkt. Sunrise verwies darauf, dass der europäische Durchschnitt knapp 10 Franken betrage.
Kollokation wird günstiger
Damit die Konkurrenten von Swisscom Anschlussleitungen entbündeln können, müssen sie in ihre eigenen Geräte in den Anschlusszentralen investieren und diese selbst betreiben (=Kollokation). Die Miete für die in Zentralen genutzte Fläche sinkt laut ComCom nun deutlich um 16 bis 20 Prozent im Vergleich zum Swisscom-Angebot. Die übrigen Kollokationspreise bleiben hingegen gleich.
Die ComCom hat ausserdem das Angebot von Swisscom für die Mitbenutzung von Kabelkanalisationen um rund 5 Prozent reduziert.
Keine grösseren Anpassung gibt es hingegen bei den Interkonnektionspreisen. Die Preise für diese Abgeltung für die Nutzung des Swisscom-Festnetzes zur Durchleitung von Telefonanrufen seien in den Vorjahren wiederholt deutlich gesenkt worden, hält die ComCom fest. Für die Jahre 2012 und 2013 komme es hier lediglich zu kleineren Anpassungen, da Swisscom die Interkonnektionsdienste bereits weitgehend zu kostenorientierten Preisen angeboten habe.
Künftig Technologiewechsel berücksichtigen
Die ComCom stellte weiter fest, dass Swisscom als marktbeherrschender Anbieter verpflichtet sei, bestimmte Dienstleistungen den Konkurrenten zu kostenorientierten Preisen anzubieten. Swisscom berechne die Interkonnektionspreise gegenwärtig auf der Grundlage herkömmlicher Vermittlungstechnik und die Entbündelungspreise auf der Basis der Kupfertechnologie. Hier vollziehe sich jedoch aktuell ein Technologiewechsel. Künftig müsse dem bei der Preisfestlegung Rechnung getragen werden.
Um Unsicherheiten und grosse Preissprünge zu vermeiden, hatte die ComCom jedoch im Juli 2012 angekündigt, die Umstellung auf die neuen Technologien nicht bereits im Jahr 2013 vorzunehmen, sondern zuerst das Ergebnis der vom Bundesrat in Aussicht gestellten Revision der Verordnung über Fernmeldedienste (FDV) abzuwarten.
Sunrise forderte am Donnerstag erneut eine entsprechende Anpassung der Preisberechnungsmethode beim regulierten Netzzugang. Die Anpassung sei aufgrund der technischen Entwicklungen und der veränderten Marktverhältnisse überfällig. Seit Jahren profitiere die Swisscom von einer Kostenmethodik, die zu überhöhten Netzzugangspreisen führe.
Die Verfahrensparteien haben die Möglichkeit, beim Bundesverwaltungsgericht gegen den ComCom-Entscheid Beschwerde zu führen. Sunrise wies in einer Stellungsnahme darauf hin, dass man sich das Recht vorbehalte, einzelne Punkte der Verfügung anzufechten. (sda/mim)

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