Comit findet Finanzkrise "langfristig eine Chance"

16. Oktober 2008, 16:20
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Warum Comit-Chef Marcel Walker keine Angst vor dem Ende das aktuellen Booms im Geschäft mit Kantonal- und Regionalbanken hat und glaubt, dass Comit von der Bankenkrise profitieren kann.

Warum Comit-Chef Marcel Walker keine Angst vor dem Ende das aktuellen Booms im Geschäft mit Kantonal- und Regionalbanken hat und glaubt, dass Comit von der Bankenkrise profitieren kann.
Der Zürcher Banken-IT-Dienstleister Comit, der sich seit gut drei Jahren im Besitz von Swisscom IT Services befindet, ist auch im laufenden Jahr stark gewachsen. Heute beschäftigt Comit etwa 700 Spezialisten, Ende 2007 waren es noch 602. Letztes Jahr setzte Comit 295 Millionen Franken um, auch diese Zahl dürfte 2008 wesentlich höher ausfallen.
Heute beantworteten Comit-Chef Marcel Walker (Foto) sowie Verwaltungsratspäsident Eros Fregonas Fragen zur Zukunft des auf die Finanzindustrie spezialisierten Dienstleisters angesichts von Bankenkrise und Rezessionsaussichten.
Fazit: Für Marcel Walker ist die Finanzkrise kurzfristig eine Herausforderung und "langfristig eine Chance." Sicher werde nun das Consulting-Geschäft rasch härter, so Walker. Besonders wer sich auf die Beratung für Investment-Banken spezialisiert hat, werde nun wohl in Schwierigkeiten kommen. Doch den Comit-Kunden, oft Regional- oder Kantonalbanken, geht es zur Zeit sehr gut und Comit hat erst vor kurzem mit der Aargauer und der Basellandschaftlichen KB neue Aufträge gewonnen.
Boom im Backoffice-Outsourcing?
Business-Consulting macht, so Walker, nur einen kleinen Teil der Umsätze von Comit aus. Viel grössere Brocken sind IT-Outsourcing-Dienste und Application Management, wo die Nachfrage, Krise hin, Krise her, in Zukunft eher steigen wird. Dies weil unter Kostendruck das Outsourcing von Backoffice-Funktionen nahe liegt. Comit ist im Markt für IT-Outsourcing gut positioniert und hat mit Swisscom IT Services einen stabilen und kapitalkräftigen Besitzer.
Diese Ausgangslage will Walker nutzen, um im erst entstehenden Markt für Backoffice-Outsourcing (Schlagwort Business Process Outsourcing, BPO) Fuss zu fassen. Walker: "Die Aufbrechung der Wertschöpfungsketten im Banking kommt nun." Nachdem verschiedene Banken bereits den Zahlungsverkehr und die Wertschriftenabwicklung ausgelagert haben, soll nun vermehrt auch die Kreditabwicklung an Drittanbieter vergeben werden. "Wir sehen als Teil von Swisscom sehr schöne Chancen," so Walker vor der Presse.
Was kommt nach dem KB-Boom?
Ungefähr einen Viertel des Umsatzes macht Comit mit Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Einführung von neuen Kernbankenlösungen (Finnova, Avaloq). Was passiert, wenn die aktuelle Welle der Software-Migrationen von Kantonal und -Regionalbanken vorbei ist? Gemäss Fregonas hat man diese Frage im Comit-Verwaltungsrat intensiv diskutiert.
Der Zürcher IT-Bankendienstleister sieht sich gut aufgestellt, um auch nach dem Abbeben der aktuellen Migrationswelle noch wachsen zu können. Zum einen werden sich auch die Privatbanken früher oder später auf Standardlösungen stürzen, was wiederum einen neuen Markt schaffen wird. Ein weiterer, potentiell sehr grosser Markt wird sich mit dem Aufkommen von Standardlösungen für Versicherungen - Walker nannte eBao Tech als Beispiel - entwickeln. Auch hier möchte Comit ein Wörtchen mitreden und baut zur Zeit das nötige Know-how auf.
Ausserdem gibt es immer noch die offene Situation rund um den Berner Dienstleister RTC, der bekanntlich immer noch eine eigene Bankenlösung entwickelt. Walker gab nur sehr zurückhaltend auf Fragen zu diesem Thema Antwort, liess sich dann aber doch einen interessanten Satz entlocken: "Auch das Management der Berner Kantonalbank kann grundlegende Tatsachen nicht einfach ignorieren." Gemeint ist: Auch die BEKB als grösster Kunde und Besitzer von RTC wird sich - wohl eher früher als später - doch noch für eine Standardlösung entscheiden.
Zu guter Letzt expandiert Comit im Windschatten seiner Kunden und Partner (Avaloq) nach Asien, Luxemburg und Deutschland. Heute arbeitet jeder siebte Comit-Angestelle ausserhalb der Schweiz, in drei bis vier Jahren wird es jeder dritte sein, sagt Walker.
Und eine Spekulation
Sowohl Walker wie auch Fregonas betonten wiederholt die Finanzkraft von Swisscom, was uns zu einer Spekulation verleitet. Für eine rasche Expansion ins "Business Process Outsourcing" wäre eine Akquisition oder eine enge Partnerschaft mit einem existierenden Spezialisten naheliegend. Da fällt uns die Baselbieter Sourcag (Zahlungsverkehr) ein, die sich im Besitz der BLKB und der Basler KB befindet. Banken sehen aber heute die Doppelrolle als Kunde und Besitzer eines Dienstleisters eher nicht mehr so gerne. Die beiden Basler KBs könnten also versucht sein, ihren BPO-Anbieter an einen neutralen Anbieter zu verkaufen... Aber das ist nun wirklich eine Spekulation. (Christoph Hugenschmidt)

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