Computersüchtig: Kindern droht Verlust des Realitätssinns

18. September 2006, 12:07
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    Virtuelle Welt wird für Jugendliche zunehmend wichtiger als die reale.

    Virtuelle Welt wird für Jugendliche zunehmend wichtiger als die reale.
    Der exzessive Gebrauch von Computer und Handy hinterlässt im Gehirn tiefe Spuren. Dies ist die Ansicht des Neurobiologen Gerald Hüther. Wie Hüther gegenüber der 'Neuen Osnabrücker Zeitung' sagte, sind allein in Deutschland mehr als 100'000 Kinder und Jugendliche so süchtig nach Computer, dass sie um keinen Rechner mehr einen Bogen machen können. Vor wenigen Tagen ist Hüthers Buch 'Computersüchtig' erschienen, das diese Problematik thematisiert.
    Die Konsequenz der Veränderungen im Gehirn sei, dass computersüchtigen Kindern der Verlust des Realitätssinns drohe, so der Hirnforscher der Universität Göttingen. Kinder und Jugendliche fänden sich in der realen Welt nicht mehr zurecht, wenn die Computersucht weit fortgeschritten sei. Mit jeder Stunde, die Kinder vor dem PC verbrächten, fehle ihnen eine Stunde, um ihr Gehirn für die Anforderungen im wirklichen Leben weiterzuentwickeln, erklärte Hüther.
    Auch der exzessive Gebrauch von Handys und Kurzmitteilungen hat einen ähnlichen Effekt auf die Gehirne von jungen Menschen. Die Hirnregion bei Jugendlichen, die die Daumenkoordination reguliert, wird seit zehn Jahren immer grösser. Das Hirn passe sich den neuen Anforderungen an und habe sich in den vergangenen Jahren entsprechend strukturiert. Laut Hüther müssen wir uns fragen, "ob wir die Verantwortung für die Strukturierung des Hirns unserer Kinder weiter allein den Werbestrategen der Hersteller von Handys und Computerspielen überlassen wollen." (mim)
    Wolfgang Bergmann/Gerald Hüther: Computersüchtig – Kinder im Sog der modernen Medien, Walter Verlag, 170 Seiten, 31,90 Franken.

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