Continental beschleunigt Entwicklung mit Supercomputer

28. Juli 2020, 09:58
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Das Hochleistungsgerät soll für Simulationen und das Training von Systemen für autonomes Fahren benützt werden.

Der deutsche Autozulieferer Continental hat am gestrigen 27. Juli einen eigenen Supercomputer in Betrieb genommen, um die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen und Roboterwagen-Software zu beschleunigen. Die in der Nähe von Frankfurt installierte Anlage basiert auf Technik von Nvidia.
Dank dem Supercomputer können einerseits Systeme auf Basis künstlicher Intelligenz schneller mit grossen Mengen Daten trainiert werden. Er soll aber auch für Simulationen benutzt werden, die einen Teil der Testfahrten ersetzen könnten.
Continental fährt aktuell laut eigenen Angaben mit seiner Flotte rund 15'000 Kilometer pro Tag und erzeugt täglich rund 100 Terabyte Daten. Eine der Aufgaben des Nvidia-Computers ist, diesen Datenberg auszuwerten. Mit den Informationen werden auch die neuronalen Netze der KI-Systeme trainiert. Sie sollen zum Beispiel dafür sorgen, dass ein Fahrzeug einen Spurwechsel oder einen Kreisverkehr fliessend wie ein Mensch meistert. "Durch die Hochleistungstechnologien von Nvidia ist es möglich geworden, dass wir Prozesse, die früher Wochen brauchten, auf Stunden verkürzen können", sagte Christian Schumacher, der bei Continental für die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen zuständig ist.

Kaum vorhersehbare Dinge

Die Simulation kommt nach dem Training aber auch beim Testen der Lösungen ins Spiel. "15'000 Kilometer am Tag klingt nach viel, aber es deckt bei weitem nicht ab, was notwendig ist um in jedem Winkel der Welt mit solchen Systemen sicher unterwegs zu sein", betonte Schumacher. "In der realen Welt passieren viele Dinge, die man nicht unbedingt vorhersehen kann." Man könne aber zum Beispiel eine Strasse bei Sonnenschein abfahren – und dann für die Sensoren Regen oder Schnee simulieren. Das beschleunige zum einen die Entwicklung und spare zum anderen Kosten, betonte Schumacher.

Einbau in vielen Fahrzeugen

Nvidia war lange Zeit vor allem als Grafikkarten-Spezialist bekannt. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die GPU-Technik auch für maschinelles Lernen geeignet ist, wurde der Konzern zu einem führenden Anbieter bei künstlicher Intelligenz. Auf dieser Basis ging Nvidia ins Autogeschäft mit einem Komplett-Angebot von der Datenauswertung bis hin zu Technik zum autonomen Fahren für die Fahrzeuge selbst. Vor wenigen Wochen kündigte Daimler an, dass Nvidia-Computer ab dem Jahr 2024 in alle neuen Modelle der Marke Mercedes-Benz eingebaut werden. Sie sollen Fahrassistenz-Systeme und das teilautomatisierte Fahren steuern. Die gemeinsame Vision ist ein Auto, das sich mit Software-Updates immer weiter verbessern lässt.
Die Partnerschaft mit Continental könnte Nvidia helfen, sich einen Platz in mehr Fahrzeug-Marken zu sichern.
Über die Leistungsfähigkeit des Continental-Supercomputers äusserten sich die beiden Unternehmen unseres Wissens nach nicht.
Noch sind Supercomputer hauptsächlich die Domäne von staatlichen Forschungseinrichtungen in aller Welt. Nach und nach scheinen sie aber auch vermehrt in der Privatwirtschaft eingesetzt zu werden. Im Februar hat beispielsweise der italienische Ölkonzern Eni einen solchen Computer in Betrieb genommen, der mit einer Leistung von 52 Petaflops gegenwärtig zu den 10 schnellsten der Welt gehört.
Eine Marktanalyse zu diesem Thema haben wir nicht gefunden. Die meisten anderen Privatunternehmen, die Verwendung für Supercomputer-Anwendungen haben, dürften die notwendige Infrastruktur jedoch – wie beispielsweise das Zürcher Fintech Leonteq – eher als Service aus den Clouds von Google, AWS, Microsoft und Co. beziehen. 

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