Control-Alt-Delete

15. Mai 2009, 16:40
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Und hier noch unser Freitagabend-Kommentar.

Und hier noch unser Freitagabend-Kommentar.
Es ist in weiten Teilen der Schweizer IT-Szene unbestritten: Die Schweizer Informatik braucht einen zentralen Anlass. Ein Schaufenster der jungen und ausgesprochen vielfältigen IT-Branche, in dem sich multinationale Dienstleister und Anbieter genauso präsentieren können, wie lokale Hersteller und Startups. Ein Treffpunkt und Marktplatz für Kunden, Konkurrenten und Kollegen. Ein Podium für Debatten sowohl unter Spezialisten, wie auch zu Themen, die die breite Öffentlichkeit interessieren.
Ebenso unbestritten ist, dass die IT-Messe Orbit, die diese Woche in Zürich-Örlikon zum letzten Mal über die Bühne ging, ihre gesamtschweizerische Strahlkraft schon vor ein paar Jahren verloren hat. Zu viele der grossen Player mochten nicht mehr mitmachen. Sie finden entweder generell, eine Messe sei die falsche Plattform oder dann ziehen sie es vor, ihre (potentiellen) Kunden und Partner ganz für sich zu haben und veranstalteten deshalb eine Unzahl von "Days" aller Art.
Hat "Community36" eine Perspektive?
An Themen fehlt es nicht. Welches sind die richtigen Informatik-Strategien für Staat und Gesundheitswesen? Wollen wir den biometrischen Pass samt zentraler Datenbank? Kann Informatik ein Unternehmen wendiger machen (und wenn ja, wie)? Welche coolen neuen Dinge werden im Umfeld von ETH und Unis ausgeheckt? Wie verändert sich der Medienkonsum in Zeiten des weltumspannenden Netzes.
Auch an potentiellen Mitspielern, die an einem solchen Anlass Interesse hätten, ist kein Mangel. Die Open-Source-Szene wünscht sich Aufmerksamkeit, Web-2.0-Themen finden täglich in den Medien Raum und die Schweiz hat eine ganze Reihe von Startups, die weltweit Anerkennung finden. Und ja: Die Medien würden nur zu gerne mitmachen.
Von all dem war gestern Abend an der Präsentation des Orbit-Nachfolge-Anlasses "Community36" nicht die Rede. Gesprochen wurde über Einheitsstände, Catering, Presenters Corners, Meeting Rooms und den Quadratmeterpreis - nur wenig über ein Rahmenprogramm und schon gar nichts über Inhalte. Der Schluss liegt nahe, dass 'Community36' eine Orbit in einer anderen, etwas modernen Verpackung ist.
Die Voraussage, dass es "Community36" schwer, sehr schwer haben wird, ist wohl nicht allzu gewagt.
Welche Messe braucht die Branche?
Angesagt ist ein Neustart. Angesagt ist ein Anlass, er darf durchaus auf einem Messegelände stattfinden und durch Aussteller finanziert sein, an dem die wirklich wichtigen "Informatik-Dinge" passieren. An dem die Open-Source-Szene genauso Platz hat, wie jene kommerziellen Firmen, die komplexeste Umgebungen programmieren. An dem Google zeigt, wie man energieeffiziente und ausfallsichere Rechenzentren baut. An dem sich Experten in "Arvenstübli" austauschen, genauso wie das breite Publikum. An dem heftige Debatten stattfinden - man sich aber auch sachlich-ruhig über Vor- und Nachteile von neuen Konzepten und Produkten schlau machen kann.
Ein Anlass, der nach einer gewissen Anlaufzeit soviel Anziehungskraft entwickelt, dass es selbstverständlich wird, dass SwissICT dort seine GV abhält und Distributor X seine Kunden dorthin zur Party lädt. Ein Anlass, an den Schulklassen zum "Tag der Informatik" gekarrt werden, aber auch Startup-Preise verliehen werden. Ein Anlass, an dem mindestens zwei BundesrätInnen, aber auch Jungprogrammierer, die coole iPhone-Apps programmieren, genauso unbedingt teilnehmen wollen, wie die gesetzten Herren Informatikleiter, die wieder einmal ihrem ERP-Hersteller die Meinung sagen wollen.
Manchmal - wer weiss das besser als wir? - hilft nur Control-Alt-Delete. (Christoph Hugenschmidt)

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