Core-Banking-Gau: Parlamentarier löchern den TSB-CEO

2. Mai 2018, 15:37
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Seit zehn Tagen kämpft die britische Bank TSB mit ihren Kunden gegen riesige Probleme mit ihrem Online-Banking, die auch heute andauern.

Seit zehn Tagen kämpft die britische Bank TSB mit ihren Kunden gegen riesige Probleme mit ihrem Online-Banking, die auch heute andauern. Die grossen Probleme der Bank entstanden, als sie ihre Legacy-IT von der Lloyds Bank (die TSB 2013 verkaufte) auf ein neues Core-Banking migrierte. Dieses wurde vom heutigen Eigentümer Sabadell entwickelt.
Insider sagten dem 'Guardian', dem IT-Migrationsteam seien unrealistisch enge Fristen gesetzt worden und man habe nicht begriffen, wie komplex es sei, das Legacy-System abzulösen. Zudem sei das Testen zeitlich unterschätzt und schlecht designt gewesen, so 'Reuters'. Schlechte Kommunikation zwischen IT und Business habe die Migration zusätzlich erschwert.
Heute musste der TSB-CEO Paul Pester sich mehrere Stunden den Fragen eines Ausschusses von Parlamentariern stellen. Er beharrte darauf, dass ein grosser Teil der Migration gut funktionierte – die Salden wurden "auf den Penny genau" transferiert und das Core-Banking-System laufe "relativ reibungslos". 50 Prozent der Kunden hätten sich in den letzten zehn Tagen immer einloggen können.
Gleichzeitig allerdings publizierten Kunden auf Twitter Screenshots "Service Unavailable". Noch schlimmer, gleich zwei Parlamentarier versuchten sich während des Hearings live bei TSB einzuloggen, aber schafften es nicht.
40'000 Beschwerden seien seit der Migration (20. bis 22. April) eingegangen, so der Bank-CEO, statt wie üblich 3000.
Er liess sich nicht darauf festlegen, ob die Probleme innert Tages-, Wochen- oder Monatsfrist gelöst sein würden. "Hoffentlich sind es nur Tage", so Pester. Ein fixes Datum könnte für Kunden irreführend sein.
Inzwischen hat TSB eine Londoner Wirtschaftskanzlei mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt. Eine Schadensersatzklage gegen die Mutterfirma Sabadell schlossen die TSB-Chefs nicht aus.
Daneben warnte Pester die Bankkunden davor, dass Betrüger die Situation ausnützen könnten. Sie sollten vorsichtig sein.
Er wusste nicht zu beziffern, wieviele Kunden man verloren habe. Jedenfalls würde er, so der CEO, den Migrationsentscheid nicht mehr fällen.
Bei Redaktionsschluss dauerte die Befragung noch an.
All dies, während die Service-Statusseite von TSB warnt, dass Kunden ihr Hypothekenkonto nicht über das Internet-Banking und die mobile App einsehen können. Einige Geschäftskunden haben offenbar immer noch Schwierigkeiten, Zahlungen online zu machen. "Auch die Zahlung von Debit- und Kreditkarten dauert derzeit etwas länger", so TSB. Was hingegen laut Tweets einwandfrei klappte, ist die Belastung von Bankkunden mit Kontogebühren. (mag)

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