COS-Gruppe im freien Fall

28. Oktober 2005, 12:32
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Wieder massive Verluste in Deutschland und Österreich - wie lange reicht das Geld?

Wieder massive Verluste in Deutschland und Österreich - wie lange reicht das Geld?
Die COS-Gruppe hat auch im dritten Quartal einen massiven Verlust eingefahren. Bei einem Umsatz von nur noch 188,5 Mio. Franken (- 12 % gegenüber Vorjahr !) wurde ein Quartalsverlust von 4,2 Mio. Franken eingefahren. In den ersten neun Monaten dieses Jahres summiert sich der Verlust der COS-Gruppe damit auf 6,5 Mio. Franken.
Grund für die erneut sehr schlechten Resultate sind die Probleme des Distributionsgeschäfts in Deutschland und Österreich. Offensichtlich hat die missglückte Einführung der SAP Warenwirtschaft zu einer massiven Abwanderung der Kunden geführt. Im Q3 setzte der deutsche Distributionsarm gerade noch 87,1 Mio. Franken um - ein Drittel weniger als im Vorjahr! Auch der Internet-Händler Avitos verdaute die ERP-Umstellung nicht und musste einen riesigen Umsatzverlust einstecken (von 12,7 auf 7,2 Mio. Franken). Die Umstellung auf SAP sei eigentlich gut verlaufen, sagt COS-Chef Kurt Früh. Allerdings seien Probleme bei der Abwicklung der Retouren aufgetaucht, die die Distribution in Deutschland und Österreich massiv belasteten und diverse Kunden verärgerten.
Stellenabbau in Deutschland und Österreich
Ebenfalls immer noch mies geht es der "ewigen Baustelle", der Distribution in Österreich. Deren Umsatz blieb bei winzigen 12,2 Mio. Franken - logisch, dass mit diesen Umsätzen keine Infrastruktur aufrecht erhalten werden kann. Das Lager in Österreich wird aufgegeben, was bleibt, ist ein kleines Verkaufsbüro.
Insgesamt will COS in Deutschland und Österreich etwa 40 Stellen abbauen, was wiederum mit Sonderkosten verbunden sein wird.
Schweiz, Memorys und Systemintegration ok
In der Schweiz erzielte COS Distribution einen Umsatz von 27,6 Mio. Franken (- 13 %), doch soll die Truppe von Christian Köck auch dieses Jahr "mit einem positiven Resultat abschliessen", heisst es im Quartalsbereicht.
Weiterhin erfolgreich ist der Bereich Memory, die eigentliche Perle der COS-Gruppe. Der Umsatz konnte trotz Preiszerfall fast gehalten werden (44,8 Mio. Vorjahr: 45,2 Mio.) und man erarbeitete "einen sehr guten Betriebsgewinn", heisst es aus Baden.
Der Systemintegrationsarm COS Concat setzte in der Schweiz und in Deutschland zusammen 20,5 Mio. Franken um und arbeitete profitabel.
Wie lange reicht das Geld?
Die COS-Gruppe befindet sich in einer schwierigen Lage. Hatten die COS Holding zu Beginn des Jahres noch netto fast 11 Mio. Franken in der Kasse, so sind es nun netto - 3,7 Mio. Franken (Netto = Cash-Bestand abzüglich kurzfristige Bankschulden). Im vierten Quartal dürften weitere Sonderkosten (Stellenabbau) und Verluste anfallen.
Gemäss der Pressemitteilung zum Quartalsbericht sei die "COS Gruppe in der Lage, diese Durststrecke durchzustehen und so eine gute Ausgangslage für das nächste Geschäftsjahr zu schaffen". Gemäss COS-Chef Kurt Früh gibt es mehrere Gründe, warum der geschrumpfte Cash-Bestand keine Gefährdung der Gruppe darstellt. So seien die Kreditlimiten bei den Banken nur zu einem kleinen Teil ausgeschöpft, der Eigenkapital-Anteil an der Bilanzsummer immer noch sehr hoch und drittens sinke der Finanzierungsbedarf bei geringeren Umsätzen ebenfalls.
Turnaround in Sichtweite?
Mit der Einführung von SAP in Deutschland und Österreich könne man nun massiv Kosten einsparen und sich daran machen, die verlorenen Kunden und Umsätze zurückzuholen, so Früh. So wird die Logistik des E-Händlers Avitos und von COS Österreich in Deutschland konzentriert.
Zwei Vorausstzungen müssen eintreffen, damit COS den Turnaround tatsächlich erreicht. Die Distribution in Deutschland und Österreich muss die Umsätze trotz Stellenabbau und der damit einhergehenden schlechten Stimmung halten oder steigern können und es dürfen keine weiteren, neuen Baustellen im COS-Konzern mehr auftauchen. (Christoph Hugenschmidt)

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