COS-Gruppe im Kampf gegen die Abwärtsspirale

30. März 2006, 15:04
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Frühs Strategie: Sanieren, Verkaufen, Aktionäre auszahlen. Weiterer Stellenabbau geplant.

Frühs Strategie: Sanieren, Verkaufen, Aktionäre auszahlen. Weiterer Stellenabbau geplant.
Wie heute morgen bereits kurz berichtet, musste COS-Chef Kurt Früh an der Bilanzmedienkonferenz von einer massiven Umsatzeinbusse und einem hohen Konzernverlust von fast 22 Millionen Franken berichten. In fünf der letzten sechs Jahre hat COS damit rote Zahlen geschrieben.
Verlustbringend arbeiteten bekanntlich vor allem die Distribution in Deutschland und Österreich weniger betroffen war, musste einen Umsatzrückgang von 11,3 Prozent auf noch 125 Millionen Franken hinnehmen.
Als dauerhafte Quelle von Problemen erweist sich auch der Online-Händler Avitos, der ebenfalls vom Desaster bei der Abwicklung von Retouren in Deutschland betroffen war.
Gewinne bringen hingegen COS Memory. Der Speicher-Disti hat vergangenen September eine Verkaufsniederlassung in der Schweiz eröffnet und ist neu auch in Taiwan mit einer eigenen Firma präsent. Ebenfalls Geld verdient das Systemintegrationsgeschäft von COS Concat in Deutschland und der Schweiz. Zusammen setzten die Unix- und Storage-Spezialisten in beiden Ländern über 90 Millionen Franken um.
Der Disti-Todesspirale entronnen?
Distribution ist nicht nur ein Rappenspalter-Geschäft sondern auch gefährlich. Denn wenn ein Distributor nennenswert Umsätze verliert, gerät er in eine potentiell tödliche Abwärtsspirale: Weil die Absatzziele nicht erreicht werden, künden immer mehr Lieferanten ihre Verträge, weshalb der Disti für die Reseller wiederum laufend an Attraktivität verliert. Die Umsätze sinken weiter und da der Disti kaum so schnell Kosten senken kann, wie er Umsätze verliert, resultieren tiefrote Zahlen. Diese führen dann wiederum dazu, dass Kreditgeber ihre Linien kürzen und Lieferanten nur noch gegen Vorauszahlung liefern. Der Disti muss dann sein Lager klein halten, verliert deshalb weiter an Umsatz, Lieferanten und Kunden. Etc. etc.
Die Abwärtsspirale ist unser Kernproblem," sagte Kurt Früh heute Morgen. Doch die Abwärtsbewegung sei bereits gestoppt. Früh: "Ich hatte an der CeBIT sehr viele Gespräche mit unseren Lieferanten wie Microsoft, Acer, MSI oder Asus. Sie alle stehen hinter COS, weil sie einen Partner für die Belieferung der Kleinkunden brauchen. Subdistributoren wie API oder Devil sind für sie keine Alternative. Wir haben die Abwärtspirale unterbrochen."
COS gewinne in Deutschland - trotz der äusserst negativen Presse - bereits wieder Kunden zurück, betonte Früh, der zur Zeit das Distributionsgeschäft in Deutschland persönlich leitet. Erstaunlich oft kam der COS-Chef auf die gemäss ihm sehr negative Rolle der "Fachpresse" zu sprechen: "Die Berichterstattung führt dazu, dass wir mit der Rückgewinnung nicht sofort Erfolg haben werden."
Früh dementierte übrigens die Gerüchte, wonach wichtige Hersteller COS nur noch gegen Vorauszahlung belieferten. Einzig ein grosser Distributor und ein PC-Hersteller hätten - aus durchsichtigen Motiven - auf Vorauskasse umgestellt. Und CFO Markus Zurkirchen betonte: "Ich bin überzeugt, dass wir die Banken an Bord behalten können." Bei COS stehen demnächst Verhandlungen über auslaufende Kreditverträge an.
Ist die Spirale also gestoppt? Man möchte es den gebeutelten COS-Leuten gerne gönnen. Doch gemäss Zurkirchen sollen von 604 Stellen (Ende 05), im laufenden Jahr weitere 60 bis 70 gestrichen werden. Dies wird für Unruhe unter Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten sorgen.
Sanieren und verkaufen
Vor etwa eineinhalb Jahren verkündete Früh eine neue Strategie: Statt Synergien zwischen den immerhin acht Konzerntöchtern zu suchen, versteht sich COS seitdem als Beteiligungsgesellschaft, die zuwenig profitable Töchter verkaufen möchte. Doch auch dies erwies sich als unmöglich, wie Früh heute Morgen sagte.
Also legt man für 2006 den Fokus auf die Restrukturierung. Mittelfristig, hofft Früh aber immer noch, aus dem margenschwachen Distributionsgeschäft aussteigen zu können. "Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, zum Beispiel wenn ein südeuropäischer Distributor ein Standbein im deutschsprachigen Raum möchte, werden wir diese sicher anschauen."
Von neuen Investitionen oder dem Einstieg in andere, ertragsstärkere Geschäftsfelder spricht er allerdings nicht mehr. Sollten (Teil-) Verkäufe gelingen, so sei auch durchaus vorstellbar, den Aktionären Geld zurückzuzahlen, sagte Früh heute Morgen. Er selbst sei für die Aktionäre wohl nicht mehr die richtige Person, der man zutraue, ihr Geld erfolgreich in neue Geschäftsfelder zu investieren. (Christoph Hugenschmidt)

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