COS noch nicht genesen – Dürst wird Verwaltungsrat

31. März 2005, 14:59
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Der COS-Gruppe geht es besser, sie hat es aber auch 2004 nicht ganz in die schwarzen Zahlen geschafft – und holt Andi Dürst in den Verwaltungsrat der Distributionstöchter.

Der COS-Gruppe geht es besser, sie hat es aber auch 2004 nicht ganz in die schwarzen Zahlen geschafft – und holt Andi Dürst in den Verwaltungsrat der Distributionstöchter.
Kurt Früh, der Verwaltungsratspräsident der COS, hätte so gerne schwarze Zahlen für das Jahr 2004 präsentiert. Aber ein notwendig gewordener Umbau bei der deutschen Online-Versandhaustochter Avitos habe ihn leider "um die Freude gebracht, heute ein ausgeglichenes Ergebnis präsentieren zu können", meinte Früh heute Mittag an der Pressekonferenz zum COS-Jahresergebnis 2004.
Zusammenfassend kann man sagen: COS hat die Wirren um die unglückliche Übernahme von Alltron hinter sich gelassen und durch den Ausstieg aus dem Remarketing (Handel mit gebrauchten Computern) sowie weiteren Massnahmen einige grosse Geldlöcher gestopft – auch mit den übrig gebliebenen Geschäftsfeldern lebt man aber noch nicht sorgenfrei.
An der vor einem halben Jahr erstmals verkündeten neuen Strategie – COS will nur als eine Art Beteiligungsgesellschaft funktionieren und den Tochtergesellschaften, die mehr unternehmerische Eigenständigkeit haben, keine Synergien mehr "von Oben aufpfropfen" – will Früh trotzdem weiter festhalten. Er unterstrich das auch mit dem auf das Remarketing-Fiasko bezogenen selbstironischen Satz: "Vielleicht nützt es ja schon, wenn ich aufhöre, eigene Strategien für den Gesamtkonzern zu entwickeln."
Andi Dürst und Hanspeter Quadri als Verwaltungsräte
Als Teil der neuen Strategie will die Holding den Töchtern aber mit "aktivem Coaching" unter die Arme greifen. Dazu gehört, dass die Verwaltingsräte gezielt zusammengesetzt werden. In dieser Beziehung kündigte COS zwei prominente Personen an, die in den Verwaltungsrat gewählt werden sollen: Andreas Dürst, der frühere Schweiz-Chef von Tech Data und zuletzt Zentraleuropachef des Distributionsriesen sitzt neu im Verwaltungsrat der Distributionstöchter in Deutschland und der Schweiz. Und Hanspeter Quadri, der frühere Chef von Swisscom Enterprise Solutions, ist neu im Verwaltungsrat der Schweizer Systemintegrationstochter COS Concat.
Insgesamt musste COS bei einem gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent gestiegenen Umsatz von 1,06 Milliarden Franken einen Konzernverlust von 2,2 Millionen Franken verbuchen. 2003 war der Verlust mit 8,9 Millionen Franken noch wesentlich höher gewesen. Der Bruttogewinn stieg um 6,1 Prozent auf 66 Millionen Franken. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen lag dieses Mal mit 3,1 Millionen Franken im positiven Bereich, während 2003 auch auf dieser Stufe noch ein Verlust von 8,1 Millionen Franken hatte verzeichnet werden müssen.
Avitos ist eines der beiden verlustbringenden Sorgenkinder der Holdinggesellschaft COS, das andere ist die Distributionstochter in Österreich. Aber beginnen wir mit den positiven Entwicklungen. Am besten schlug sich unter den COS-Unternehmen die auf den Vertrieb von Flash-Speichern spezialisierte und hauptsächlich in Deutschland aktive COS Memory AG. Ihr Umsatz stieg um 30,9 Prozent auf 172,1 Millionen Franken und der Ertrag erreichte gemäss COS einen neuen Rekordwert.
Schweizer Distribution endlich in den schwarzen Zahlen
Das Ergebnis der Schweizer Distributionstochter COS Distribution AG bezeichnete Früh als "unspektakulär". Immerhin hat die Crew um Christian Köck in Mägenwil, bei einem nur leicht gesteigerten Umsatz von 141,3 Millionen Franken, aber zum ersten Mal seit mehreren Jahren ein positives Resultat erwirtschaftet.
In Deutschland sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent und die Margen waren rückläufig, trotzdem war das Ergebnis auch hier positiv.
Deadline für Österreich
Wesentlich schlechter sieht es mit der Distribution in Österreich aus. Dort resultierten im ersten Halbjahr hohe Verluste. Danach wurde die Belegschaft reduziert und das Sortiment gestrafft. Trotzdem war auch das Ergebnis im zweiten Halbjahr noch leicht negativ und insgesamt betrug der Verlust 4,4 Millionen Franken. In Österreich hat COS eigentlich einen grossen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Das eigene Lager vor Ort. Nun gehe es darum, diesen Vorteil auch zu nutzen und verlorene Kunden wieder zurück zu gewinnen. Allzu lange dürfen sich die Österreicher aber anscheinend nicht mehr Zeit lassen. Falls es nicht zu einer Verbesserung kommt, steht "im Sommer" der Umbau in eine reine Verkaufsniederlassung und eine Belieferung vom Lager in Deutschland aus im Raum.
Vor und zurück bei Avitos
Bei Avitos, dem anderen grossen Sorgenkind, wurde man gemäss Früh von einer "überraschend heftigen und schnellen Verschärfung" des Preiskampfes im Online-Versandhandel auf dem falschen Fuss erwischt. Avitos war erst vor kurzem von einem "virtuellen Händler", also einem reinen Verkaufsfrontend des Distributors mit schlanken Strukturen, zu einem richtigen Handelshaus mit eigenem Lager aufgemotzt worden. Nun geht Avitos wieder zurück in die "Virtualität": Das Lager wurde aufgegeben, Personal abgebaut und das Unternehmen zog an der Standort der Distribution in Linden um. Die Kosten dafür haben haben COS weiter belastet, die Restrukturierung war gemäss Früh aber notwendig, um Avitos im Kampf mit der Online-Konkurrenz "gleichlange Spiesse" zu verschaffen.
Ingesamt erwirtschaftete der Geschäftsbereich Distribution, zu dem COS alle bisher genannten Töchter zählt, einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von 2,9 Millionen Franken, verglichen mit den Zielen noch klar unbefriedigend.
Systemintegration solide
Wenig spektakuläres gibt es von den beiden Systemintegrationstöchtern in Deutschland und der Schweiz zu berichten. Bei der COS Concat AG in Wallisellen nahm der Umsatz um 7,3 Prozent auf 27,9 Millionen Franken ab, den Ertrag aber bezeichnete Früh als "ansprechend".
In Deutschland stieg der Umsatz für COS Concat dank eines "wesentlich freundlicheren" Investitionsklimas um 16,7 Prozent auf 62,2 Millionen Franken.
Insgesamt lag der Ertrag der Systemintegrationstöchter vor Steuern und Zinsen bei 2,7 Millionen Franken.
15 Prozent Rendite bleibt das Ziel
Mit dem bei der Ankündigung der neuen Strategie vor einem halben Jahr genannten Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent für den Gesamtkonzern und jeweils etwa 20 Prozent für die Tochtergesellschaften hatte Kurt Früh einiges Erstaunen erregt – vor allem für die Distributionstöchter, fanden viele Marktinsider, sei dies unrealistisch.
Heute bekräftigte Früh noch einmal, dass COS daran festhalte und ausserdem glaube, dass man es bis im übernächsten Jahr erreichen könnte. Gleichzeitig präzisierte er aber auch, was damit gemeint ist: Als Grundlage der Berechnung gilt das von der COS-Holding eingesetzte Kapital. Die Systemintegrationstöchter bewegen sich gemäss Früh bereits in diesem Bereich. Und auch für die Distis sei diese Latte gar nicht so hoch gelegt: Wenn die Nettobetriebsmarge auf über ein Prozent hochgetrieben werden könnte – was ja Konkurrenten wie zum Beispiel Also schon seit Jahren gelingt – sei die angestrebte Rendite erreichbar. (Hans Jörg Maron)

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