"Covid-19 ist der Chief Transformation Officer"

3. November 2020, 15:08
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Der Hybrid-Cloud-Spezialist soll den Umsatz rasch verdoppeln. Wie man dies schaffen will, erklären Schweizer und globale Red-Hat-Manager.

Nein, beunruhigt sei er nicht, antwortet Léonard Bodmer, Regional Director Alps von Red Hat auf die Frage von inside-it.ch/inside-channels.ch. Es sei zwar eine Challenge, die Ziele von IBM-CEO Arvind Krishna zu erreichen, nämlich global die Red-Hat-Sales in den nächsten 3 Jahren zu verdoppeln (Paywall). Aber dies sei machbar.
In der Schweiz erzielte Red Hat in den letzten Jahren ein Wachstum von 20%, Covid-19 sei aktuell ein weiterer Treiber und natürlich die Red-Hat-Plattform zum Managen von Hybrid-Cloud. "Es geht seit 10 Jahren aufwärts, ich sehe keinen Turnaround. Und wir sind weiterhin autonom und geschäften autonom", so der Country Manager im Mediengespräch zum Auftakt des Red Hat Forums.
Marco Bill-Peter, Senior Vice President of Customer Experience and Operations von Red Hat, stimmt zu. Die kürzlich durchgeführten "Strategic Advisory Boards" mit Kunden hätten die Red-Hat-Strategie – Open Hybrid Cloud – validiert, sagt der Schweizer. Es bestätige sich nun, es brauche offene Plattformen, es brauche Cloud-native und On-Prem-Lösungen sowie Middleware-Integration. "Die Kunden sind überall. Und Covid-19 ist der Chief Transformation Officer, viele Kunden mussten sich transformieren und dies teilweise in 2 Wochen, statt in 2 Jahren." Innovation, Security, Applikations-Uptime und der Support erwiesen sich jetzt als wichtige Faktoren, die Kunden wollten Automation, Advanced Container Management und Managed Services, speziell Red Hat Openshift Dedicated, so Bill-Peter.
Dabei baue man auf das "Ökosystem" auf. Red Hat habe beispielsweise einen Effort in den Marktplatz für ISVs gemacht.
Partner sollen neben den Red-Hat-Produkten und Services eine wichtige Rolle beim Erreichen von Krishnas Wachstumszielen spielen. So erklärt Richard Zobrist, Head of Partners & Alliances Switzerland, "wir wollen mit Partnern skalieren. Wir suchen aktive Partner, die etwas bewegen wollen und die sich auch untereinander befruchten."
Und mit IBM sei in der Schweiz nun ein weiterer aktiver Partner an Bord. Dies sei positiv und helfe. Speziell erhalte man Zugang zu C-Levels, die man als Red Hat alleine nicht immer hatte.
Bill-Peter erklärt, man wolle auch mehr Verticals mit Red-Hat-Lösungen bedienen. Mit 5G stehen Telcos im Fokus, aber mit Edge-Lösungen kommen weitere Branchen hinzu. Er nennt die Öl-Branche, Connected Cars und Over-the-Air-Updates als Stichworte und potenzielle Wachstumstreiber für die Red-Hat-Lösungen in der Hybrid-Cloud-Strategie.
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Marco Bill-Peter, Léonard Bodmer und Richard Zobrist (v.l.n.r.)
Da stellt sich die Frage: Wie lange dauert die Hybrid-Cloud-Phase? Ist es denkbar, dass wir uns in einer relativ kurzen Übergangsphase in eine Cloud-Only-Epoche befinden? Die sich wegen Corona sogar noch verkürzt? "Momentan sehen wir ein riesiges Wachstum bei Hybrid-Cloud", so Bill-Peter. "Ich glaube nicht, dass alles in die Public Cloud gehen wird. Und diejenigen, die dies tun, kommen möglicherweise davon ab. In den nächsten 5 Jahren ändert sich dies nicht." Und Bodmer fügt an, dass man in der Schweiz in einer 80/20 On-Prem/Cloud- oder 90/10-Phase befinde. Wenn nicht etwas technisch ganz neues komme, werde die Hybrid-Cloud-Phase länger dauern. Die Open-Hybrid-Cloud mit Red Hat sei jetzt bei Schweizer Grosskunden angekommen, sagt er mit Verweis auf AXA Schweiz. (Deren CIO Andy Maier erklärte uns die Cloud-Strategie des Konzern exklusiv.)

Corona als Bremser?

Zum Schluss zurück in die unsicher scheinende, von Corona geprägte Gegenwart. Ist Corona nicht nur der Chief Transformation Officer, sondern auch der "Chief Businesskrisen Officer"? In der heterogenen Partnerstruktur von Red Hat wirke sich die Pandemie unterschiedlich aus, so Bodmer. "Premium Partner hatten keine wirklichen Challenges, auch wenn gewisse Projekte verschoben wurden. Value-Add-Partner mit Services haben mehr zu tun gehabt." Für klassische Hard- und Software-Reseller sei dies wohl anders gewesen. Man habe bis anhin "in sehr bescheidenem Ausmass" längere Zahlungsfristen sichergestellt, so der Partner-Verantwortliche Zobrist.
Auf internationaler Ebene bestätigt Bill-Peter, es gebe gewisse Kunden mit Cash-Flow-Problemen und man habe für diese ein Programm in Kraft gesetzt. "Wir haben auch technisch reagiert mit verlängerten Lifecycles, beispielsweise wurden im Mai/Juni keine Ablösungen gemacht, wir haben RHEL um 6 Monate verschoben. Und wir haben gewisse Preise für Add-ons und Technical Accounts fast halbiert, um zu helfen."
Ingesamt blicken die 3 Red-Hat-Manager sehr zuversichtlich in die Zukunft, dies auch dank IBM. "Dies ist für Red Hat das beste", sagt Bodmer. Und auch auf globaler Ebene verstünden sich der neue IBM-CEO Krishna und der frühere Red-Hat-Chef und heutige IBM-President Jim Whitehurst: "Das kommt gut."

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