Covid-Zertifikat: Ärzte und Kantone zeigen sich verunsichert

25. Mai 2021, 13:00
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Die zentrale IT-Lösung des Bundes stösst auf Kritik. Aus unterschiedlichen Gründen. Selbstsicher ist der Bund.

Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) hat den Apothekerverband PharmaSuisse und die Ärztevereinigung FMH darüber informiert, dass es laut Bundesrat nur eine Covid-Zertifikatslösung des Bundes geben werde. Deswegen werde auch die Lösung von FMH und PharmaSuisse nicht umgesetzt.
Laut Medienberichten kritisiert FMH-Präsidentin Yvonne Gilli den Entscheid. Ihre Lösung "wäre unbürokratisch und schnell. Dass der Bund das Zertifikat allein umsetzen will, birgt aus unserer Sicht gewisse Risiken", so Gilli: Die Herausgabe verzögere sich, die Nachfrage der Bevölkerung sei jedoch akut. Mehrere Zertifikatslösungen seien sinnvoll.
Die Kantone drängen laut übereinstimmenden Berichten darauf, dass die Zertifikatsausstellung mit möglichst wenig Aufwand gemacht werden kann. Die Kantone glauben demnach, sie müssten für die Ausstellung Personal einstellen, während die Schweizer Bevölkerung das Zertifikat auch in Impf- und Testzentren, Spitälern, Arztpraxen oder Apotheken erhalten sollte. In den Kantonen, für die Zertifikate zuständig, befürchtet man offenbar auch, dass die Apotheker und Ärzte möglicherweise entschädigt werden wollen.
Die Zeit drängt: Für Reisen ins Ausland dürfte ein Covid-Zertifikat schon diesen Sommer nötig sein. Ab dem 7. Juni, so der Bund, sollen die ersten Zertifikate für Geimpfte mit dem "Schweizer Stempel" ausgestellt werden können. Bis Ende Juni soll dann das System hochgefahren werden. An diesem Zeitplan hält das BAG bis anhin fest.

Das Konzept: Ein Webinterface und eine API

inside-it.ch war an der technischen Präsentation von BAG und BIT dabei, bei welcher eine API präsentiert wurde, mit der definierte "Primärsysteme" – wie von Ärzten oder Testzentren – angebunden werden sollen. Über diese Kliniksysteme oder direkt via Webinterface werden die Daten eingetragen, das BIT generiert in der Folge einen signierten QR-Code in einem PDF, so die BIT-Information.
Die BIT-Sprecherin begründet den Alleingang des Bundes damit, dass die Bundeslösung EU-kompatibel, sicher und auf das notwendige technische Minimum beschränkt sei. Zudem lege das BIT den Quellcode offen. Auf Github sind auch entsprechende Dokumente öffentlich verfügbar.
50 interessierte Anbieter hatten beim Bund eine Offerte für ein Covid-Zertifikat eingereicht, darunter FMH und PharmaSuisse. Zwei kamen in die engere Auswahl: die Lausanner Sicpa und Elca sowie das BIT. "Für die jetzt gewählte Lösung steht der Bund in der alleinigen Verantwortung", sagt FMH-Präsidentin Gilli.

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