Credit Suisse und der IT-Werkplatz Schweiz

30. September 2008 um 13:45
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Credit-Suisse-CIO Claude Honegger rechnet mit einem langsamer steigenden Bedarf an IT-Spezialisten in der Schweiz. Welche Taktik steckt hinter den tieferen Ansätzen für externe Dienstleister, die die Grossbank durchsetzen will?

Credit-Suisse-CIO Claude Honegger rechnet mit einem langsamer steigenden Bedarf an IT-Spezialisten in der Schweiz. Welche Taktik steckt hinter den tieferen Ansätzen für externe Dienstleister, die die Grossbank durchsetzen will?
Sandte das Jahr der Informatik, informatica08, völlig falsche Signale aus? Diesen Eindruck konnte man gestern an einer Veranstaltung der Java User Group (JUGS) im Forum St. Peter der Credit Suisse in Zürich gewinnen, wenn man Professor George Sheldon von der Uni Basel zuhörte. Er versuchte anhand von einigen Zahlen nachzuweisen, dass jegliche Programme zur Nachwuchsförderung in bestimmten Industriebereichen, so auch der Informatik, völlig falsch seien. Jugendliche würden sowieso auf die gute Konjunkturlage einer Branche reagieren, aber wegen der Ausbildungsdauer immer zum falschen Zeitpunkt auf den Markt gelangen. Da es sich um eine Veranstaltung im Rahmen von informatica08 handelte und Sheldon auch recht abenteuerlich mit dem Zahlenmaterial umging, war es wenig erstaunlich, dass Sheldons Ausführungen auf wenig Begeisterung im Publikum stiessen.
Herkulische Vorhaben bei Credit Suisse
Interessanter dünkte uns der Vortrag von Stephan Hug, der bei Credit Suisse als CTO Private Banking für die Technologie-Strategie des Konzerns mitverantwortlich ist. Er zeigte auf, wie die Grossbank Java nicht nur für den Bau von Frontends einsetzen will, sondern die zentralen "Transaktionsmaschinen", die heute noch auf zum Teil sehr alten, in PL/1 geschriebenen Applikationen (immerhin 30 Millionen Zeilen Code!) auf dem Hostrechner laufen, modernisieren will. Die bankeigene "Java Application Platform" soll zur echten Alternative zum IBM-Hostrechner werden, der zwar nie ganz verschwinden wird, aber seine zentrale Rolle verlieren soll.
In diesem riesigen Unterfangen soll unter anderem auch der Einsatz von Werkzeugen für die Modellierung von Geschäftsprozessen den Bedarf an (menschlichen) Ressourcen in Grenzen halten.
Hug glaubt, dass die Applikationen auf dem Hostrechner in zehn Jahren ihre zentrale Rolle verloren haben werden, was übrigens von Claude Honegger, CIO von Credit Suisse Schweiz umgehend wieder in Frage gestellt wurde.
Ein Bekenntnis zum IT-Werkplatz Schweiz, aber...
Dieser zeigte auf, dass die Grossbank grosse Anstrengungen unternimmt, um im harten Konkurrenzkampf um IT-Spezialisten in der Schweiz bestehen zu können. So gibt es seit 2002 bei Credit Suisse Karrierepfade für Fachspezialisten, die keine Management-Verantwortung übernehmen wollen.
Trotz vermehrter Offshore-Entwicklung sind die IT-Investitionen in der Schweiz seit 2004 durchschnittlich um 10 Prozent pro Jahr gestiegen, während der Personalbestand der CS-Informatik in der Schweiz gar um durchschnittlich 18 Prozent pro Jahr stieg.
Der Bedarf an IT-Fachleuten werde auch in Zukunft wachsen, so Honegger. Allerdings werde sich das Wachstum wohl abschwächen, sagte der Chef von immerhin ungefähr 4500 BankinformatikerInnen in der Schweiz.
Dass der Kampf um Fachleute mit harten Bandagen geführt wird, zeigte aber Honeggers Antwort auf unsere Frage, wie wir denn die angestrebte Senkung der Tagessätze der externen IT-Dienstleister einzuordnen hätten. Er sagte, solche Preisnachverhandlungen seien ein normaler Vorgang und man werde immer wieder die Kosten von Zulieferern in Frage stellen.
Credit Suisse stelle den IT-Standort Schweiz nicht in Frage und offeriere Informatikern auch gerne gute Jobs bei der Bank selbst. Im Foyer dann, hörten wir den bösen Verdacht, dass es der Grossbank auch darum gehen könnte, externe Dienstleister sozusagen auszuhungern, um an deren Spezialisten zu gelangen. (Christoph Hugenschmidt)

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