"crossvision": Software AG auf neuen SOA-Pfaden

7. März 2006, 16:07
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Die traditionsreiche Software AG versucht, mit einer neuen SOA-Software-Suite und unter einem neuen Brand Marktführer bei serviceorientierten Architekturen zu werden.

Die traditionsreiche Software AG versucht, mit einer neuen SOA-Software-Suite und unter einem neuen Brand Marktführer bei serviceorientierten Architekturen zu werden.
Die Software AG hat letzte Woche eine neue Software-Suite vorgestellt, mit der der deutsche Softwarekonzern den Markt für serviceorientierte Architekturen (SOA) aufmischen möchte. Die "crossvision"-Vision-Suite fasst dabei neue Versionen von älteren SOA-Produkten der Software AG mit einigen gänzlich neuen Programmen zusammen.
Die Software AG will mit dieser Suite, deren Teile auch einzeln verkauft werden, alles abdecken, was ein Unternehmen zum Aufbau einer SOA braucht – nichts weniger und nichts mehr. Verglichen mit der Konkurrenz im Applikationsintegrationsgeschäft verfolgt die Software AG damit einen etwas anderen Ansatz. Auf dem Gebiet tummeln sich gemäss Stefan Ried, dem Verantwortlichen für den neuen crossvision-Unternehmensbereich bei der Software AG, gegenwärtig einerseits vor allem "Nischenanbieter" (wie Tibco oder webMethods), die jeweils eine Lösungen für einen oder wenige Aspekte einer SOA haben und andere Anbieter wie IBM oder SAP, die über SOA hinaus vor allem auch andere (eigene) Lösungen mitliefern wollen, zum Beispiel Applikationen oder Applikationsserver.
Im Zentrum der Suite steht das Modul "CentraSite". CentraSite, von der Software AG gemeinsam mit Fujitsu entwickelt, soll als zentrale Metadatenbank alle Komponenten einer SOA registriert und beschrieben werden – die einzelnen Services selbst, Regeln, SLAs, Business Prozesse usw. Damit soll etwas geschaffen werden, was gemäss Ried bei SOA-Projekten bisher oft ein Problem darstellte: Übersicht. In CentraSite kann ein SOA-Entwickler einzelne Services zum Beispiel aufgrund von Stichwörtern finden. Man kann sehen, welche Eigenschaften sie haben, wo sie laufen, wer dafür verantwortlich ist, von welchen Applikationen sie bereits verwendet werden, usw. Aus CentraSite heraus können auch die anderen Module der Suite angesteuert werden, so dass ein Service zum Beispiel gleich in eine Applikation eingebaut werden kann.
Die weiteren Teile von crossvision sind:
Legacy Integrator. Die Technologie hierfür stammt zum grössten Teil von der letztes Jahr von der Software AG übernommenen Firma ApplinX. Der Legacy Integrator ist die Applikation, die aus dem Legacy-Code die für die Weiterverwendung bestimmten Services generiert.
Service Orchestrator: Diese Software soll, wie es Stefan Ried erklärt, aus grundlegenden Services "Business Services" machen, die einen Mehrwert haben und wirklich für die Weiterverwendung geeignet sind. Ein Beispiel das Ried nannte: Ein grundlegender Service wie "Finde Kunde X in Datenbank 1" wäre relativ unflexibel – die Applikation müsste wissen, in welcher DB die Daten gespeichert sind. Ein Service wie "Finde Kunde X, wo auch immer" ist da schon wesentlich flexibler.
Information Integrator: Dieses Modul soll Daten aus disparaten Systemen und Quellen überischtlich und benutzerfreundlich zusamenführen.
Business Process Manager: Dieser Teil der Suite wurde von Fujitsu beigesteuert. Im BPM soll der Ablauf unternehmensweiter Geschäftsprozesse modelliert und koordiniert werden.
Application Composer: Der Application Composer ist einer der ganz neuen Teile der crossvision-Suite. Im Composer sollen zu guter Letzt neue Anwendungen auf der Basis von Modellen der bestehenden Services zusammengestellt werden können, ohne dass dabei etwas programmiert werden muss. Der Application Composer arbeitet mit AJAX- und BPEL-Technologien.
Software AG, Version 2006
Die 1969 gegründete Software AG – in den siebziger Jahren noch grösser als SAP oder Microsoft! – erlitt in den ersten Jahren dieses Jahrzehnts ein ähnliches Schicksal wie viele andere IT-Firmen. Nach 2000 herrschten die roten Zahlen und viele Leute wurden entlassen. 2003 folgte dann aber der Turnaround, 2004 konnte der Umsatzzerfall gestoppt werden und letztes Jahr gab es wieder immerhin sechs Prozent Wachstum.
Dieses Jahr wird nun 10 Prozent Umsatzwachstum angestrebt – in der Schweiz sogar 25 Prozent, von 12 Millionen Franken 2005 auf 15 Millionen Franken 2006. Stark dabei mithelfen soll dabei der neue Geschäftsbereich crossvision. Dieser soll die bereits errungenen Erfolge im Bereich XML und Integration – immerhin erzielte die Software AG damit letztes Jahr bereits 91,5 Millionen Euro Umsatz, 16 Prozent mehr als 2004 – in einer neuen Dimension weiterführen. Das explizite Ziel ist ehrgeizig: Zusammen mit strategischen Partnern wie Fujitsu (als Softwarepartner für den asiatischen und pazifischen Raum zuständig) sowie IDS Scheer und ILOG will die Software AG nichts weniger als "Weltmarktführer" bei serviceorientierten Architekturen und im Bereich der Legacy-Modernisierung werden.
Die ambitionierten Töne und der Begriff crossvision deuten ein Umdenken bei der Software AG an: Man will sich vom bisher eher trockenen, technologielastigen Image lösen und auch wieder stärker an die Öffentlichkeit treten. Ein gutes Beispiel: Früher (vielleicht zu früh) argumentierte man mit der Technologie XML. Mit "crossvision" soll das Thema SOA nun viel stärker in unternehmerische Zusammenhänge verpackt werden.
Adabas lebt (noch)
Hauptumsatzträger war und ist übrigens bei der Software AG aber immer noch der Bereich "Enterprise Transaction Systems" (ETS) mit der Datenbank Adabas und der Entwicklungsumgebung Natural, deren technologische Wurzeln in den 70er-Jahren liegen. Sogar die Software AG selbst hatte diesen Bereich, wie Wilhelm Ruckdeschel, der Managing Director der Software AG Schweiz erklärte, in den 90er Jahren schon einmal als Auslaufmodell innerlich abgeschrieben – ziemlich voreilig. Insgesamt machte die Software AG letztes Jahr 438 Millionen Euro Umsatz. 325 Millionen davon, 5 Prozent mehr als 2004, stammten aus dem Bereich ETS, und die Software AG betont jetzt auch wieder viel stärker als früher, dass auch Adabas und Natural noch lange weiter entwickelt werden sollen. Trotzdem, ewig wird das Wachstum in diesem Bereich nicht mehr anhalten, das ist auch der Software AG klar – darum die starke Bemühungen, sich ein kräftiges zweites Standbein zuzulegen. (Hans Jörg Maron)

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