Cube II - Novartis nimmt neues Rechenzentrum in Betrieb

29. Mai 2013, 11:12
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Beim gestern eröffneten Rechenzentrum Cube II von Novartis in Stein-Säckingen kommt einmal mehr die modernste, derzeit verfügbare RZ-Technik zum Einsatz. Es ist eines der grössten Rechenzentren der Schweiz.

Beim gestern eröffneten Rechenzentrum Cube II von Novartis in Stein-Säckingen kommt einmal mehr die modernste, derzeit verfügbare RZ-Technik zum Einsatz. Es ist eines der grössten Rechenzentren der Schweiz.
Die Firmenführung des Basler Pharmakonzerns Novartis und die Regierung des Kantons Aargau übertrumpften sich an der gestrigen Eröffnung des neusten Rechenzentrums von Novartis in Stein-Säckingen mit Lob auf den Standort Schweiz. Novartis-CEO Joe Jimenez, Landeschef Pascal Brenneisen und der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger waren sich einig darin, dass die Schweiz auch für ein global agierendes Unternehmen höchst attraktiv ist. Und das Unternehmen belegte das Bekenntnis mit eindrücklichen Zahlen: Weit über 500 Millionen Franken werden bis 2016 für neue Produktionsanlagen und Büros hierzulande investiert. Für das Cube II genannte Rechenzentrum hat man 125 Millionen Franken aufgeworfen. Attiger unterstrich das Bekenntnis zu Novartis unter anderem damit, dass die Baubewilligung in drei Monaten vorgelegen habe.
Über 70 Firmen involviert
Zwar generierte Novartis in der Schweiz zuletzt nur ein Prozent seines Umsatzes, doch stammten immerhin 14 Prozent der Schweizer Gesamtexporte von Novartis, die allein 2012 knapp 500 Millionen Franken an Ertragssteuer hierzulande bezahlt hat. Dennoch scheint die hochgelobte Stabilität Risse zu bekommen. Brenneisen kritisierte in Sachen politischer Stabilität die 1:12-Initiative und Christof Pfeifer, Head of Datacenter Competency Center beim Novartis, betonte gegenüber inside-it.ch, dass die Stromversorgung "noch" gut sei.
Weitere kritische Töne waren am Einweihungsfest, das bei prächtigem Wetter über die Bühne ging, aber nicht zu hören. Insgesamt seien bei dem RZ-Bau alle aufgetretenen Probleme in der sechsmonatigen Planungsphase und 21-monatigen Bauzeit ohne besonders eskalierte Vorkommnisse abgewickelt und das Projekt termingerecht erstellt worden, hielten die Verantwortlichen fest. Involviert waren am Bau mehr als 70 Unternehmen, die zu 73 Prozent aus der Schweiz, 15 Prozent aus Deutschland und 12 Prozent aus den USA stammten. Pfeifer hielt dabei fest, dass man sehr wohl auch auf den Preis geschaut habe und die hiesigen Unternehmen sehr konkurrenzfähig offeriert hätten.
Neuste Technik verbaut
Cube II bewege sich bei den Investitionen in der Liga des RZs von eShelter in Rümlang, so Pfeifer weiter, denn die 125 Millionen Franken umfassten bereits das komplett ausgestattete Gebäude inklusive der hochmodernen Büros für 40 Mitarbeitende. Damit gehört es zu den grösseren RZs der Schweiz. Im Zuge des Neubaus sind aber auch der kleinere Vorgängerbau Cube I mit 23 Millionen Franken und das RZ in Klybeck, Basel, mit 60 Millionen Franken erneuert und ausgebaut worden. Neue Arbeitsplätze sind übrigens nicht entstanden, wird Cube II doch vom bestehenden Personal betrieben.
Derzeit sind im Cube II insgesamt rund 1700 Quadratmeter für die Systeme betriebsbereit und weitere 1100 Quadratmeter stehen als Reserve zur Verfügung. Gekühlt wird, wie erstmals 2010 in der Schweiz beim Cube I umgesetzt, wieder mit Frischluft, solange die Aussentemperatur 25 Grad Celsius nicht übersteigt und die Luftfeuchtigkeit zwischen 25 und 70 Prozent liegt (im Foto der Kaltluftgang). Laut Novartis könne der Betrieb so an knapp 10 Monaten im Jahr sichergestellt werden. Dazu wird die Aussenluft über eine gelochte und speziell gefaltete Blechaussenfassade – die Novartis gemeinsam mit der ETH entwickelt hat - in die Doppelböden geblasen. Wasser aus dem nahegelegenen Rhein kommt übrigens nicht zur Kühlung zum Einsatz. Die Stromversorgung mit derzeit 16'000 kVA wird über drei Unterwerke durch die AEW Energie des Kantons Aargau sichergestellt.
Die unterbrechungsfreie Stromversorgung wird nicht mit Batterien sondern mit Schwungrad-Technologie sichergestellt: 40 Schwungräder sind bereits installiert und 25 stehen als Reserve zur Verfügung. Nach maximal 15 Sekunden übernehmen dann die ihnen nachgelagert derzeit sechs 20-Zylinder-Dieselgeneratoren die Stromversorgung, wobei im Endausbau noch zwei weitere dazukommen sollen. Auf dem Dach von Cube II laufen 252 Solarmodule, die auf einer Fläche von 421 Quadratmeter eine Leistung von bis zu 62 kW erzeugen. Gespiegelt ist das RZ mit demjenigen von Novartis in Klybeck, wobei angesichts der relativ kurzen Distanz einzelne Anwendungen ständig synchron laufen. Die Sicherheit ist nicht auf dem allerhöchsten Stand, entspricht aber in etwa dem Tier-3-plus-Level. So sind keine besonderen Massnahmen etwa gegen terroristische Angriffe aus der Luft getroffen worden, sagt einer der Verantwortlichen. Die habe man zwar vorgängig diskutiert, aber nicht für nötig gehalten. (Volker Richert)

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