Cuil.com: Grösser und gescheiter als Google?

28. Juli 2008, 13:55
  • google
image

Ehemalige IBM- und Google-Ingenieure sowie der ehemalige Sprecher von Arnold Schwarzenegger lancieren eine neue Suchmaschine: Cuil.com.

Ehemalige IBM- und Google-Ingenieure sowie der ehemalige Sprecher von Arnold Schwarzenegger lancieren eine neue Suchmaschine: Cuil.com.
Der Suchmaschinen-Riese Google hat nicht nur die Art und Weise, wie wir Informationen suchen, völlig verändert, sondern auch die Werbewirtschaft weltweit auf den Kopf gestellt. Doch Googles Erfolg hat eine Schwäche: Was würde passieren, falls es einem Start-up-Unternehmen gelingen sollte, die Internet-Suchtechnologie so grundlegend zu verbessern, wie es einst Google mit der Einführung der Relevanz einer Seite als Kriterium für die Reihenfolge der Anzeige von Abfragetreffern tat?
Cuil.com (auszusprechen wie "Cool") verspricht genau dies. Die neue Suchmaschine wurde heute lanciert. Zwei der drei GründerInnen des mit 33 Millionen Dollar Risikokapital finanzierten Start-ups kommen von Google, während CEO Tom Costello nach dem Abschluss als Ingenieur in Stanford eine eigene Suchmaschine entwickelte (Xift) und später zu IBM ging.
Grösser
Cuil.com indexiert nach eigenen Angaben ungefähr 120 Milliarden Webseiten. Dies seien drei Mal mehr als jede andere Suchmaschine, lässt Cuil in einer Pressemitteilung heute verlauten. "Jede andere" Suchmaschine kann wohl nur heissen: "als Google". Beim neuen Suchmaschinen-Anbieter weiss man über die Indexierungsmethoden von Google gut Bescheid. Co-Gründerin Anna Patterson war bei Google beim Aufbau des grossen Suchindex "TeraGoogle" mit dabei.
Auch der Ingenieuring-Chef und Mitgründer Russell Power hat einen Google-Hintergrund, wo er ebenfalls an "TeraGoogle" mitgearbeitet hat (alle Angaben gemäss Cuil). Er wird sich bei Cuil um die Skalierbarkeit der Infrastruktur (Server, Netzwerke, Rechenzentren) kümmern. Dieser Punkt gilt als als mit entscheidend für den Erfolg von Google.
Wie es sich für einen Internet-Start-Up gehört, wird Kommunikation bei Cuil gross geschrieben. Pressesprecher Vince Collitto war Kommunikationsverantwortlicher bei PayPal und in der Politik bevor er zweiter Pressechef des kalifornischen "Governors" namens Arnold Schwarzenegger wurde.
Klug, statt einfach nach Popularität geordnet
Bei der gewaltigen Menge von Antworten, die wir heute auf eine Internet-Suchanfrage bekommen, ist die Reihenfolge, in der Suchtreffer angegeben werden, entscheidend. Google ordnet die Treffer nach "Relevanz", wobei unter anderem die Anzahl der Links, die auf eine Webseite führen, aber auch die Zahl der Menschen, die eine Webseite besuchen, berücksichtigt werden.
Cuil geht einen Schritt weiter und gruppiert die Antworten nicht nach "Popularität", sondern danach, wie gut der Inhalt einer Seite zur mutmasslichen Absicht des Fragestellers passt.
Seltsame Resultate
Zudem verspricht die neue Suchmaschine im Gegensatz zu Google keinerlei Daten über Suchabfragen zu speichern. Neuartig sind auch die so genannten "Categories". Dies ist ein Fenster, das bei bestimmten Suchabfragen rechts oben auftaucht. Die Suchtreffer werden darin nach "Kategorien", die von Cuil eingeblendet werden, geordnet.
Bei unser einfachen Abfrage nach "Information Technology News" (da kennen wir uns halt aus), produzierte die neue Suchmaschine aber seltsame Resultate. Was hat unsere Abfrage mit städtischen Gebieten von Pakistan ("Metropolitan Areas of Pakistan") zu tun? (Siehe Screenshot) Gut gemacht finden wir hingegen die Anordnung der Suchtreffer in wahlweise zwei oder drei Spalten.
Der neuartige Suchdienst bietet seine Dienste erst in englischer Sprache an. Es gibt auch keine der vielen Zustzdienste wie die Suche nach Bildern oder Nachrichten, wie sie Google entwickelt hat. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Google und Youtube investieren, um gegen Fake-News vorzugehen

Der US-Konzern schiesst knapp 13 Millionen Franken in einen Fonds ein, um Faktencheck-Organisationen weltweit zu unterstützen.

publiziert am 29.11.2022
image

Frankreich verbietet kostenlose M365- und Google-Services an Schulen

Der Bildungsminister des Landes hat den Einsatz der Tools unter­sagt, weil die Ver­wen­dung seiner Ansicht nach gegen europäische Daten­schutz­richtlinien verstösst.

publiziert am 23.11.2022
image

Google Schweiz braucht neue Chefin oder neuen Chef

Patrick Warnking wird Osteuropa-Chef bei Google. Österreichs Chefin übernimmt ad interim in Zürich.

publiziert am 17.11.2022
image

Datenschutz: 400 Millionen Dollar Busse für Google

Weil der Konzern "vergass", Nutzer darauf hinzuweisen, dass seine Dienste Positionsdaten sammeln, wurde er zu einer saftigen Busse verknurrt.

publiziert am 15.11.2022