Cyber-Security: Bund und IT-Firmen gründen Verein

28. März 2014, 13:40
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Hard- und Software zum Thema Mobilität dominierten den diesjährigen Schweizer Polizei Informatik Kongress. Der neu gegründete Verein Swiss Cyber Experts soll Security-Know-how von Bund und Privatwirtschaft vereinen.

Hard- und Software zum Thema Mobilität dominierten den diesjährigen Schweizer Polizei Informatik Kongress. Der neu gegründete Verein Swiss Cyber Experts soll Security-Know-how von Bund und Privatwirtschaft vereinen.
Mit wiederum rund 600 Besuchern und gut 30 Ausstellern ging am Donnerstag im Berner Stade de Suisse das abermals ausverkaufte, siebte Treffen der IT-Spezialisten der Schweizer Polizei über die Bühne. Während die Eröffnung des SPIK (Schweizer Polizei Informatik Kongress) ganz im Zeichen des soeben gegründeten Vereins Swiss Cyber Experts stand, ging es im weiteren Verlauf unübersehbar ums Thema Mobilität. Zwar gehören traditionell Themen wie Security oder Einsatzleitsysteme zu jedem SPIK, doch augenfällig waren diesmal besonders diverse Modelle von Drohnen, die an mehreren Ständen gezeigt und innerhalb des Stadions auch ausprobiert wurden.
Was man nicht sofort sah, waren die vielen Apps, die nun neu auf den Markt gekommen sind oder unmittelbar vor der Einführung stehen. So will beispielsweise Rola im Rahmen des HPI-Projektes (Harmonisierung der Polizei-Informatik) bis Ende Jahr sein von der Polizei in 20 Kantonen genutztes Vorgangsbearbeitungssystem (ABI) auf App verfügbar haben. Vorgeführt hat den App-Einsatz in Bern bereits die Kantonspolizei Zürich. Sie nutzt eine Lösung von Unisys, die von Abraxas betrieben wird. Markus Kaufmann, Marketingchef bei Abraxas, meinte gegenüber inside-it.ch, dass damit eine lange Entwicklung endlich abgeschlossen sei. Seien doch mobile End-to-End-Lösungen für Blaulichtorganisationen jahrelang nur als Trend diskutiert worden.
Erstmals war T-Systems Aussteller am SPIK. Zum einen ging es darum, einmal mehr das sogenannte Merkel-Handy unter die Leute zu bringen, bekanntlich existieren dafür in der Schweiz noch keine Kunden. Aber die IT-Tochter der Deutschen Telekom zeigte zusätzlich eine mobile Zoll-Lösung. Aus einem Koffer heraus, laut T-Systems in dieser Kompaktheit einmalig, können Personen- und Dokumentenkontrollen unterwegs über eine sichere VPN-Verbindung ausgeführt werden – biometrischer Abgleich inklusive.
Und schliesslich rückt der nächste Trend in Sachen Polizei-IT immer mehr in den Vordergrund. IBM führte die intelligente Einsatzleitzentrale vor. Hier geht es insbesondere darum, die Datenanalysen - übrigens auch von Videogeräten - möglichst vorausschauend auszuwerten. "Predictive Policing" ist das seit einigen Jahren bekannte Schlagwort dafür. Es geht darum, über die Auswertung möglichst vieler statistischer Daten die Wahrscheinlichkeit von Krisenorten vorauszusagen. Integriert in Einsatzleitsysteme, verspricht IBM, könnte die Polizei ihre Strategie- und Planungsorganisation wesentlich effizienter als bisher gestalten. Modellprojekte laufen unter anderem in Amsterdam.
Verein für eine bessere Cyber-Sicherheit gegründet
Mit Peter Fischer (Foto links), dem Delegierten für die Informatiksteuerung des Bundes, liess es sich ein hochrangiger Vertreter aus der Bundesverwaltung nicht nehmen, zur SPIK-Eröffnung die Gründung des Vereins Swiss Cyber Experts explizit zu begrüssen. Ziel des neuen Vereins ist es, ein Mittel zu schaffen, das es Bund und Kantonen erlaubt, im Falle schweren Cyber-Incidents unkompliziert, aber strukturiert auch Security-Expertenwissen aus der ICT-Industrie abfragen zu können. Laut Fischer ist der Verein ein weiterer Baustein bei der Umsetzung der Nationalen Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken (NCS). Man erhalte zusätzliche Fähigkeiten und Kapazitäten, die nun in einer systematischen Zusammenarbeit abgerufen werden können.
Lose funktionierte die Zusammenarbeit im Rahmen von Melani (Melde- und Analysestelle Informationssicherung) bisher schon. Angestrebt wird, dass angesichts der rasant wachsenden Cyber-Gefahren, die zudem in immer mehr Lebensbereichen virulent werden, das Cyber-Security-Lagebild in der Schweiz verbessert wird. Dazu kann nun das interne Wissen der angeschlossenen Unternehmen integriert werden. Der neue Verein und eine im Entstehen begriffene Kooperationsvereinbarung mit dem Bund, so Fischer weiter, werde das Schweizer Abwehrdispositiv gegen Cyber-Bedrohungen vervollständigen.
Angestossen hat diese Initiative übrigens ein SPIK-Vortrag von 2011, an dem ein ähnlich angelegtes PPP-Projekt (Public-Privat-Partnership) der Polizei im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen vorgestellt wurde. Im letzten Jahr wurde dann im Projekt "Rheingold" bereits erstmals anhand eines konkreten Vorfalls evaluiert, ob die Zusammenarbeit von Melani mit Privatunternehmen, die ja auch Konkurrenten sind, überhaupt funktionieren und welche Vorteile damit einhergehen. Der Erfolg gab den Ausschlag dafür, dass die Schweiz nun eine Pionierrolle in Europa übernimmt, weil Swiss Cyber Experts im Gegensatz zu den bestehenden regionalen PPPs national ausgelegt ist und dabei über ein dezentrales Dispositiv alle Kantone einschliesst.
Präsident des Vereins ist Alain Gut (Foto rechts), der bei IBM Schweiz den Public-Sektor leitet. Geleitet wird er vom SPIK-Mitgründer und -Geschäftsführer Mark Saxer. Zu den acht Gründungsmitgliedern gehören IBM Schweiz, Kudelski Security, Ruag, T-Systems Schweiz sowie KMU wie Netnea und e3. Weitere Firmen werden sicher folgen. So hat gegenüber inside-it.ch beispielsweise schon Abraxas angekündigt, dem Verein beizutreten. Organisatorisch sieht die Situation so aus, dass Swiss Police ICT als schweizerische Plattform zur Vernetzung von Polizei, ICT-Industrie und Politik künftig neben dem SPIK und der Arbeitsgemeinschaft Cybercrime mit den Swiss Cyber Experts ein drittes Standbein bekommen hat. (Volker Richert)

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